Impfstoff - Symbolbild
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Wie langfristig sicher und wirksam ist eine Impfung? Darüber kann ein nationales Impfregister Auskunft geben.

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Corona-Impfung - Was bringt ein nationales Impfregister?

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat vom Bundesgesundheitsministerium den Auftrag bekommen, ein nationales Impfregister zu entwickeln. Gemeint ist damit eine Datenbank mit Impf-Daten, die einen Überblick über Nebenwirkungen ermöglicht.

Der Vorteil eines nationalen Impfregisters ist, dass man auch langfristig seltene Nebenwirkungen von Impfungen aufdecken und Impfquoten analysieren kann, sagt Virologe Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko). Als Beispiel nennt er die Impfung gegen Dengue-Fieber, bei der ohne Impfregister erst nach etwa fünf Jahren klar war, dass seltene Nebenwirkungen auftreten können. In Finnland, den Niederlanden und Dänemark gibt es beispielsweise nationale Impfregister, die auch für die Bewertung neuer Impfungen und zur Kontrolle der Wirksamkeit einer Impfung verwendet werden.

Impf-Statistik - Die Lage in Deutschland bisher

Bisher kann man zur Auswertung von Impfungen in Deutschland nur die Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen heranziehen. Diese haben zwei Nachteile: Es werden nur gesetzlich Versicherte, also nur ein Teil der Bevölkerung, erfasst und die Daten kommen laut Virologe Mertens "immer erst sehr spät, werden also mit einer Latenz von einem halben Jahr verfügbar.” Für die kommende Corona-Impfung ist das ungünstig.

Impfungen - Welche Daten erfasst werden sollen

Grundsätzlich soll es in Deutschland keine Impfpflicht gegen SARS-CoV-2 geben. Erhoben werden sollen soweit bekannt nicht-personenbezogene Daten: das Alter, das Geschlecht, der Wohnort, der Impfstoff und das Impf-Datum. Diskutiert wird, ob das Alter in Form des genauen Geburtsdatums erhoben wird oder nur als Zahl. Beim Wohnort, ob nur Land-/Stadtkreis angegeben werden sollen oder die Postleitzahl. Die Angabe des Geburtsdatums und der Postleitzahl lassen allerdings Rückschlüsse auf Personen zu, vor allem in kleinen Orten. Die Daten sollen zudem weitergegeben werden an das Gesundheitsministerium, das Paul-Ehrlich-Institut, die Bundesländer und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Impfregister und seltene Nebenwirkungen

Ein Vorteil eines nationalen Impfregisters ist es, dass seltene langfristige Nebenwirkungen aufgedeckt werden können. Dazu müssen allerdings klinische Daten von Patienten mit Impf-Daten verknüpft werden, zum Beispiel durch das Einlesen der Gesundheitskarte beim Arztbesuch. Das ist in Deutschland, im Gegensatz zu Finnland, nicht geplant und macht das Impfregister weniger aussagekräftig. Auf Nachfrage sagt das Bundesgesundheitsministerium, dass die Organisation der Impfzentren den Ländern obliege.

In einem Interview mit rp-online am 13. November 2020 weist Thomas Mertens allerdings darauf hin, dass seltene Nebenwirkungen erst gefunden werden, wenn in größerer Zahl geimpft werde. "Und damit Sie solche Signale frühzeitig erkennen, müssen Sie das zentral erfassen. Da nutzt uns die föderale Struktur gar nichts. Es wäre ganz schlecht, wenn in einer solch elementaren Lage jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht."

Nationaler Impfregister - Ist der Datenschutz gewährt?

Solange nicht geklärt ist, welche Daten genau erhoben werden, kann man nichts zur Wahrung des Datenschutzes beim geplanten nationalen Impfregister sagen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) macht sich jedenfalls keine Sorgen. In einem Interview mit der Welt am 2. Dezember 2020 sagte Kelber: "Ich habe keine grundsätzliche Skepsis. Ein solches Register und die damit verbundenen Datenverarbeitungen brauchen eine rechtliche Grundlage. Die wird man datenschutzkonform ausgestalten können. Wir werden genau hinschauen, welche Daten erhoben werden, ob die Erhebung notwendig ist und mit wem sie geteilt werden."

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