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Impfstoffexperte: Keine Panik nach Erkenntnissen zu Impfstoff

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    Biontech-Impfung weniger wirksam bei Delta? Das sagen Experten

    Die Delta-Variante breitet sich zunehmend aus - und neue Daten aus Israel legen nahe, dass die Impfung gegen die Variante weniger wirksam ist. Dennoch sehen weder Charité-Experte Sander noch der Erlanger Professor Bogdan Grund zu großer Sorge.

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    Von
    • Leander Beil
    • BR24 Redaktion

    Neue Daten aus Israel lassen vermuten, dass der Schutz durch die Corona-Impfung gegen die Delta-Variante schwächer ist. Das schürt Ängste, dass es bei uns zu einer "vierten Welle" kommen könnte - wenn die Impfung einerseits tatsächlich schlechter gegen die Delta-Variante wirkt und sie sich gleichzeitig auch in Deutschland weiter ausbreitet.

    Schutz vor der Delta-Variante: Sind die Israel-Zahlen aussagekräftig?

    Das israelische Gesundheitsministerium hatte im Februar mitgeteilt, der Impfstoff von Pfizer/Biontech verhindere eine Corona-Erkrankung zu 95,8 Prozent. Doch in den vergangenen Wochen sei diese Zahl auf 64 Prozent gesunken – parallel zur Ausbreitung der aggressiveren Delta-Variante. Israel hat wegen der hohen Impfquote im Land grundsätzlich eine gute Datenlage. Zudem kommt dort vornehmlich der Biontech-Impfstoff zum Einsatz.

    Dennoch warnt der Charité-Experte Leif Erik Sander vor schnellen Schlüssen. "Diese Zahlen muss man noch etwas mit Vorsicht betrachten. Es ist methodisch schwierig in einem solchen Setting wie in Israel mit niedrigen Inzidenzen und lokalen Ausbrüchen die genaue Effektivität der Impfung zu bestimmen", teilte er auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Daten aus Großbritannien deuteten darauf hin, dass der Impfschutz kurz nach der zweiten Dosis nur geringfügig reduziert sei bei Delta - verglichen mit der bisher vorherrschenden Alpha-Variante.

    Dass der Immunschutz mit der Zeit etwas nachlasse, sei allerdings auch denkbar, so Sander. In Israel sei sehr früh geimpft worden. Dass vor allem der Schutz vor einer Weitergabe des Virus mit der Zeit nachlassen könnte, wird schon länger befürchtet - er gilt als weniger langlebig als der Schutz für den Geimpften selbst. Grundsätzlich sei anzunehmen, dass es durch die Delta-Variante häufiger zu sogenannten Durchbruchinfektionen - also Infektionen bei Geimpften - und auch zur Weitergabe des Virus durch Geimpfte kommen könne, so Sander.

    Corona-Impfung verhindert schwere Erkrankungen

    Sander hob jedoch hervor, dass sich sowohl in Israel als auch in Großbritannien zeige, dass die Impfung "sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützt". Das geben die Zahlen des israelischen Gesundheitsministeriums ebenfalls her. Demnach verhindert die Impfung zu 93 Prozent schwere Krankheitsverläufe und Krankenhausaufenthalte.

    Christian Bogdan, Professor für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie an der Uniklinik Erlangen, hebt die Bedeutung dieses Wertes hervor: "Der entscheidende Punkt ist: Wie schaut es aus mit klinischen Erkrankungen, Hospitalisierungen und Tod? Wenn hier der Impfstoff unverändert wirksam ist – so habe ich das Wenige, was bisher publiziert wurde, interpretiert – dann ist das kein Problem."

    Bogdan sieht daher keinerlei Grund zu Panik. Der Impfstoffexperte konnte die Originaldaten zwar noch nicht genauer ansehen, aber auch er ist erst einmal nicht überrascht: "Wenn alle Infektionsfälle zusammen betrachtet werden, symptomatische und asymptomatische, dann kommt man nicht auf eine Vakzin-Effektivität von 90 Prozent", so Bogdan. "Der Schutz vor einer asymptomatischen Infektion ist nicht so hoch wie der vor klinischer Erkrankung."

    Die "vierte Welle" hängt von zwei Faktoren ab

    Die Rechnung scheint eindeutig: Schützt die Impfung mit dem Vakzin in den allermeisten Fällen vor einer schweren Krankheit, dann sind auch die Krankenhäuser vor Überlastung sicher.

    Ob im Herbst dann überhaupt noch von einer "vierten Welle" gesprochen werden kann, ist fraglich. Einerseits hänge dies vor allem von einer deutschlandweiten Durchimpfung von über 80 Prozent der Menschen ab. Andererseits ist entscheidend, dass keine neuen Corona-Mutanten auftreten, die durch die benutzten Impfstoffe nicht ausreichend erfasst werden. Trifft beides zu, dann gebe es auch keinen Grund zu übertriebener Sorge.

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