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Als Menschen begannen, Mais zu kultivieren | BR24

© Colourbox.com

Forscher gehen davon aus, dass Mais erstmals vor etwa 6.500 Jahren angebaut wurde. Darauf lassen neue Skelett-Funde schließen.

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    Als Menschen begannen, Mais zu kultivieren

    Mais und seine Produkte sind allgegenwärtig. Doch bisher wusste man nicht, wann er eigentlich erstmals angebaut wurde. Die Funde von überaus gut erhaltenen Skeletten liefern jetzt eine Antwort darauf.

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    Kurze Einstiegsfrage: Was glauben Sie, welche Pflanze weltweit am meisten produziert wird? Nein, es ist nicht Reis, sondern tatsächlich Mais. Und zwar doppelt so viel wie Reis: 2019 waren es über eine Milliarde Tonnen. Die Produkte reichen von Maiskolben, Tacos und Popcorn über Süßungsmittel und Tiernahrung bis hin zum Einsatz in Kosmetik-Produkten und Seifen.

    44 Skelette in Belize

    Aber wann wurde Mais eigentlich erstmals von Menschen angebaut? Das blieb bisher ein Rätsel, doch ein Team von Forschern verschiedener Universitäten sind dem jetzt auf die Schliche gekommen. In den letzten fünf Jahren fanden sie insgesamt 44 außerordentlich gut erhaltene Skelette in den Maya Mountains in Belize, deren Untersuchungen jetzt abgeschlossen sind und im Fachmagazin “Science Advances” veröffentlicht wurden.

    Fast 10.000 Jahre alt

    Das Besondere an den Skeletten ist nicht nur ihre einmalige Beschaffenheit, denn bei der dortigen Luftfeuchtigkeit sind solche Funde selten, sondern auch ihr Alter. Das älteste wird auf 9.600 bis 8.600 Jahre datiert, das jüngste auf etwa 1.000 Jahre. Die übrigen befinden sich dazwischen. Der Friedhof scheint über Jahrhunderte immer wieder benutzt worden zu sein. Unter ihnen sind sowohl die Überreste männlicher und weiblicher Knochen als auch die von Kindern. Damit konnten die Forscher eine umfassende Untersuchung der Population durchführen.

    Neolithische Revolution

    Durch die Radiokarbonmethode der Knochen konnten sie das Alter bestimmen und durch Messungen von Karbon- und Stickstoffgehalt Rückschlüsse auf ihre Ernährung ziehen. Das ist besonders spannend, weil die Skelette zum Teil aus der Neolithischen Revolution stammen. Die beginnt mit dem Ende der Jäger und Sammler. Die Jäger und Sammler ernährten sich von dem, was sie fanden, streiften durch die Wälder und hatten keinen festen Ort, an dem sie lebten. Mit der Kultivierung von Pflanzen begann der Ackerbau und die Landwirtschaft entstand - und mit ihr die Viehzucht. Um ihre Felder pflügen und die Ernte einfahren zu können, mussten die Menschen sesshaft werden.

    Nahrung über Jahrtausende

    Die Forscher fanden heraus, dass die Menschen der ältesten Skelette sich von wilden Pflanzen, Kräutern, Früchten und Nüssen von Bäumen und Sträuchern und Tieren, die sie jagten, ernährten. Bei den Skeletten, die 4.700 Jahre alt waren, konnten sie schon 30 Prozent der Nahrung dem Mais zuordnen. 700 Jahre später waren es bereits 70 Prozent. Von da an war der Mais nicht mehr aufzuhalten. Dafür ließ der Fleischkonsum nach. Im Laufe dieser Zeit ließ sich der vermehrte Verzehr von Mais nachweisen und damit auch die Änderung im Verhalten der Menschen. Denn sie fingen an, Wälder zu roden und abzubrennen und den Boden abzutragen, um Platz für Felder zu haben.

    Vor 6.500 Jahren kultiviert

    Nach ihren Funden gehen die Forscher davon aus, dass Mais vor etwa 6.500 Jahren im Maya-Tiefland das erste Mal bewusst angebaut wurde. Allerdings waren das noch nicht die Pflanzen, die wir heute kennen. Die Wildform des heutigen Maises nennt man Teosinte, der bereits vor 9.000 Jahren im Flusstal des Balsas im zentralen Mexiko wuchs. Der war allerdings wesentlich kleiner und brachte keine großen Kolben hervor. Die Forscher merken an, dass die erste Verwendung die eines süßen, alkoholischen Getränks gewesen sein könnte:

    “Unsere Hypothese ist, dass die ursprüngliche Variante von kultivierten Maispflanzen Maisstängelsaft war, denn die Kolben und Körner waren viel zu klein, um als wirkliche Nahrung zu dienen. Die Menschen waren schon immer gut darin, süße Getränke durch Gärung in alkoholische zu verwandeln.” Forschungsleiter Keith Prufer, University of New Mexico Anthropology

    Aufstieg des Maises

    Das änderte sich erst, als die Menschen nach und nach immer häufiger nur die großen Körner und Samen bevorzugten. Das kreuzte sich mit der genetischen Entwicklung der Pflanze selbst, die daraufhin zu größeren Kolben mit immer mehr Körnern führte. Damit entwickelte sich der Mais um etwa 4.000 vor Christus zum Grundnahrungsmittel. Als die Maya-Kultur vor mehr als 2.000 Jahren ihren Höhepunkt hatte, war Mais bereits allgegenwärtig.