28

Die Maya Ihrem Verschwinden ein Stück näher

Die Maya bauten um 600 nach Christus gigantische Städte im tropischen Regenwald Mittelamerikas. Wenige Jahrhunderte später war das Volk verschwunden. Was ist passiert?

Stand: 31.07.2018

Maya-Stadt Tikal | Bild: picture-alliance/dpa

Um 600 nach Christus errichteten die Maya ihre großen Städte in Mittelamerika, versteckt im Urwald. Allein in Tikal in Guatemala lebten wohl rund 70.000 Menschen. Doch nur wenige Jahrhunderte später verließen die Maya ihre Bauten, die Kultur zerbrach. Heute umwuchern Bäume die ehemals prächtigen Paläste, die hochkomplexen Wasserkanäle sind verschlammt. Was Wissenschaftler heute über die Maya wissen, entnahmen sie größtenteils derem Kalender, der in kunstvollen Schriftzeichen in Altäre und Säulen gemeißelt ist. Eine besondere Entschlüsselungsmethode könnte erklären, warum das Volk verschwunden ist.

Rätselhafte Maya

Die Maya siedelten einst in einem Gebiet, das heute Teile von Südmexiko, Guatemala, Honduras und Belize umfasst. Die Blütezeit ihrer Kultur war zwischen 250 und 900 nach Christus. Rund 40 große Städte mit bis zu mehreren zehntausend Einwohnern entstanden. Die Maya entwickelten eine komplexe Schrift, besaßen weitreichende mathematische und astronomische Kenntnisse und erstellten einen genauen Kalender. Irgendwann muss es jedoch zu einer tiefgreifenden Krise gekommen sein: Als die spanischen Eroberer Anfang des 16. Jahrhunderts in Mexiko ankamen, war die hochentwickelte Kultur der Maya bereits untergangen. Bis heute ist es ein Rätsel, was die Ursache für diesen Gesellschaftskollaps war.

Umrechnung mit der GMT-Methode

Immer wieder versuchen Forscher, Rückschlüsse aus dem Maya-Kalender zu ziehen und ihn mit unserer heutigen Zählung in Übereinstimmung zu bringen. Dafür nutzen sie die sogenannte GMT-Methode. Sie wurde nach den drei Forschern benannt, die sie entwickelt haben: Goodman, Martinez und Thomson. Nikolai Grube, Archäologe von der Universität Bonn und Maya-Experte, weiß mehr darüber: "Die haben schon Anfang des 20. Jahrhunderts aus den spanischen Berichten über den Maya-Kalender diese Umrechnungsmethode rekonstruiert. Die legt das Datum 0 auf den 11. August 3114 plus minus einen Tag." Nach unserem heutigen Verständnis legten die Maya also ihren Ursprung auf das Jahr 3114 vor Christus. Lange war diese Umrechnung umstritten, manche Forscher sahen den Ursprung 200 Jahre früher, manche 200 Jahre später.

Im Kalender beschriebenen Tempelbau mit Holzalter verglichen

Radiokarbon-Methode

In der oberen Atmosphäre wird ständig Kohlenstoff produziert, den lebende Pflanzen, Tiere und Menschen aufnehmen. In abgestorbenen Organismen nimmt die Menge an gebundenen radioaktiven C-14-Atomen gemäß dem Zerfallsgesetz ab: Nach 5730 Jahren ist nur noch die Hälfte davon vorhanden. Misst man bei einem Fundstück die C-14-Aktivität, lässt sich damit das Alter bestimmen: je geringer die Aktivität, desto älter.

Ein internationales Forscherteam um den Geologen Flavio Anselmetti von der Universität Bern hat die GMT-Methode anhand des damals benutzten Baumaterials überprüft. "Wir haben von den Tempeln in der antiken Stadt Tikal Holzproben genommen. Mit der Radiokarbon-Methode konnten wir bestimmen, wann diese Hölzer gefällt und beschnitzt wurden", erzählt Anselmetti. Rund 1.200 Jahre sind die untersuchten Holzreliefs alt. Auf ihnen sind - im Mayakalender-Format - auch die Daten zum Bau des Tempels festgehalten. "Das erlaubt es uns, die beiden Kalender zusammenzuhängen. Es gibt eine absolute Korrelation zwischen beiden Kalendertypen", erklärt Anselmetti. Die oft angezweifelte GMT-Methode liefert also doch passende Ergebnisse und die historischen Ereignisse können mit klimatischen, umweltspezifischen und archäologischen Daten abgeglichen werden.

Trockenphasen und Bodenerosion machten den Maya zu schaffen

Nachlesen

zum Artikel Komplexe Technik Wasserwerk für Maya-Stadt Tikal

Bei Ausgrabungen in der Mayastadt Tikal in Guatemala sind Archäologen auf ein ausgeklügeltes Wasserspeichersystem gestoßen. Schon vor 1.700 Jahren filterten die Maya ihr Trinkwasser und reinigten es in einer Art Kläranlage. [mehr]

Flavio Anselmetti und sein Team haben in Tikal auch Bodenproben genommen. Mittlerweile sind sie sich sicher: Neben kriegerischen Auseinandersetzungen hatten wohl auch klimatische Bedingungen dazu geführt, dass die Menschen ihre Städte verließen. "Anhand von Seesedimenten und Stalagmiten konnten wir zeigen, dass es große Dürren gab - Trockenphasen, in denen die ganze Ernährung und Trinkwasserversorgung, die komplette Landwirtschaft, sehr erschwert wurden", sagt Anselmetti. Die Forscher fanden ebenfalls heraus, dass den Maya die Bodenerosion zu schaffen machte. Um die Millionen von Menschen zu ernähren, musste sehr intensiv Landwirtschaft betrieben werden. "Und das war ein gewisser Raubbau, der da an der Natur durchgeführt wurde. Wir konnten zeigen, dass ein Großteil des nutzbaren Bodens am Ende der klassischen Mayaperiode eigentlich weggespült oder erodiert wurde."

Kälte, Dürre, Hungersnöte, Kriege

Neue Klimastudie bestätigt Kälte und Regenarmut

Rund 80 Forscher haben sieben Jahre lang Klimadataten aus fast allen Kontinenten ausgewertet. Im April 2013 veröffentlichten sie ihre Ergebnisse. Sie reichen 2.000 Jahre weit zurück.

Die Wissenschaftler versuchten unter anderem, das Klima zu Lebzeiten der Maya zu rekonstruieren. Auch sie kamen zu dem Schluss, dass es sich damals in Mexiko über Jahrhunderte abgekühlt hatte und immer weniger regnete.

Dürreperioden zwischen 1020 und 1100 nach Christus

Auch ein Forscherteam um Douglas Kennett von der Pennsylvania State University hat 2012 die zwischen 400 bis 1100 nach Christus niedergegangenen Regenmengen untersucht und mit verschiedensten Maya-Aufzeichnungen verglichen. Die Kalkablagerungen in einer Tropfsteinhöhle in Belize zeigen, dass von 400 bis 660 nach Christus ausreichend Regen gefallen war. Der Abgleich mit den Schriften zeigte, dass während dieser Zeit auch die gesamte Kultur expandierte. Danach begann eine Phase von Dürreperioden. Die landwirtschaftlichen Erträge gingen zurück, die Zentralmacht brach zusammen, verschiedene Gemeinschaften spalteten sich ab und ein allgemeiner politischer und gesellschaftlicher Niedergang setzte ein. Zwei Dürreperioden um die Jahre 1020 und 1100 zwangen die bereits stark angegriffene und in Kleinstaaten zersplitterte Maya-Kultur wohl endgültig in die Knie.

Durch Eroberungsfeldzüge zusätzlich geschwächt

Nach einer weiteren Studie aus dem Jahr 2012 zeigen Knochenfunde in der Fundstätte San Miguelito im heutigen Badeort Cancún, dass die Zeit der Eroberungsfeldzüge der Spanier bei den noch lebenden Maya zusätzlich Hunger und Armut verursachten und so auch zum Ende der Maya beigetragen haben. Die Knochen stammen von Kindern, die zum Zeitpunkt ihres Todes unterernährt waren und an Blutarmut litten.

Noch viele Geheimnisse offen

Die neuen Erkenntnisse bestätigen bisherige Vermutungen, dass sich das Klima zu Zeiten der Maya geändert hat. Um 900 nach Christus kam es dann zu extremen Hungersnöten. Wahrscheinlich konnten sich die Maya nicht mehr weiter anpassen, vielleicht wurden sie durch weitere Ereignisse zusätzlich geschwächt. Irgendwann war es ihnen nicht mehr möglich, ihre Kultur zu retten. Doch viele der Schriftzeichen in den alten Palästen sind noch gar nicht entschlüsselt. Die Maya bergen noch immer viele Geheimnisse.


28