Die EZB-Zinsentscheidung kommt in einer unruhigen Zeit.
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Die EZB-Zinsentscheidung kommt in einer unruhigen Zeit.

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EZB hebt Leitzins um halben Prozentpunkt an

Der nächste Zinsschritt ist vollzogen: In einem Umfeld aufgewühlter Banken bleibt die Europäische Zentralbank auf ihrem Kurs und hebt ihren Leitzins auf 3,5 Prozent an.

Über dieses Thema berichtet: Wirtschaft am .

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf jetzt 3,5 Prozent angehoben. Damit folgt sie den Erwartungen der Finanzmarktbeobachter - ungeachtet der aktuell kriselnden Banken, die in den USA von der Fed und in der Schweiz von der Nationalbank gestützt werden müssen.

Kleinerer Zinsschritt wäre Signal der Verunsicherung gewesen

Die jüngsten Kursrutsche der jeweiligen Geldhäuser hatten im Vorhinein zu Spekulationen geführt, ob die EZB ihren nächste Zinsschritt etwas kleiner ausfallen lassen würde als angekündigt. Dahinter steckt eine finanzpolitische Abwägungsentscheidung: Die Zinsanhebungen sollen dazu beitragen, die Inflation im Euroraum einzudämmen.

Denn wenn die EZB die Vergabe von Geld an die Banken verteuert, dann wird es für die Banken wieder attraktiver, ihre Kundschaft zum Sparen zu bewegen, statt sich das Geld bei der EZB zu leihen. Diesen Anreiz an die Kundschaft erreichen die Geldhäuser über Sparzinsen. Und wenn die Leute lieber Sparen, statt Geld auszugeben, dann konsumieren sie weniger und treiben die Teuerungsrate weniger stark voran, also die Inflation.

Wenn sich die EZB jetzt für den kleineren Zinsschritt entschieden hätte, hätte das ein starkes Signal der Verunsicherung ausgesandt. Denn dann hätte sie den Banken mit billigerem Geld vor dem Hintergrund der gecrashten Banken in den USA und in der Schweiz die Tür zu mehr Liquidität weiter offengehalten als ursprünglich geplant.

Sparer sollten Ruhe bewahren

Denn das Verhalten der Sparer ist entscheidend geworden für die unmittelbare Zukunft des Finanzsystems. Die EZB muss bedenken, dass sich die Lage in den USA und in der Schweiz bereits zugespitzt hat. Ein Bank Run, bei dem Kunden in Panik ihr Geld bei der Bank abziehen, ist immer schlecht und wäre auch völlig unbegründet. Besonders schlecht wäre es aber diesmal, weil die Banken jetzt hohe Verluste realisieren, wenn sie deshalb ihre Anleihen vor dem Ende der Laufzeit verkaufen müssen.

Die Kurse aktueller Anleihen sind mit den höheren Zinsen stark gefallen und schränken so die Liquidität der Banken ein. Außerdem erschweren höhere Zinsen die Kreditvergabe. Viele Unternehmen wie Verbraucher lösen derzeit lieber Guthaben auf statt Schulden zu machen. Ein Beispiel ist die Anschlussfinanzierung für Immobilienkredite, die sich stark verteuert hat.

Hinzu kommt, dass es wegen der verschärften EU-Bankenregulierung schwieriger wurde, überhaupt Kredite zu bekommen. Auch von der EZB werden ähnlich wie von der US-Notenbank Fed und der Schweizer Nationalbank neue Soforthilfen erwartet, wenn Banken angeschlagen sind.

Sparer in Deutschland bislang offenbar ruhig geblieben

Sparguthaben sind in Deutschland in mehrfacher Hinsicht geschützt und dadurch auch vielfältig gesichert. Da ist zum einen die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Darüber hinaus gibt es weitere Sicherungen durch Beistandspflichten der öffentlichen Sparkassen und der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken und bei Privatbanken einen Sicherungsfonds. Einen Grund deshalb Geld abzuheben gibt es objektiv gesehen nicht.

Ein positiver Nebeneffekt könnten höhere Sparzinsen sein

Es mag sich aber lohnen, mit dem Guthaben die Bank zu wechseln, wenn es woanders höhere Zinsen gibt. Dieser Markt ist gerade erst in Bewegung gekommen. Im Moment zahlen viele Banken nach wie vor kaum Sparzinsen, weil sie von den Verbrauchern auch nicht dazu gezwungen sind. Für den Finanzsektor würde das bedeuten, dass die derzeit noch sehr hohen Zinsüberschüsse der Banken und Sparkassen schrumpfen könnten, wenn ihre Kunden entsprechend reagieren und mehr Ertrag für ihre Geldanlagen verlangen.

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