Schiedsrichter Daniele Orsato beim EM-Viertelfinale zwischen der Schweiz und England.
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Die BR24 fragt: Wie viel verdienen Schiedsrichter bei der Fußball-EM 2024?

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Fragen zur EM 2024: Wie viel verdienen Schiedsrichter?

Warum tragen die Fußballspieler bei der EM 2024 Sport-BHs unter ihren Trikots? Wie viel verdienen Schiedsrichter? Warum ist Anpfiff teils erst 21 Uhr? Antworten auf Fragen und Diskussionspunkte der BR24-Community.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Ob Trikotfarben, Eigentore oder Nachspielzeit: Hier beantwortet BR24 häufig gestellte Fragen aus unserer Community rund um die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland. Ein Beitrag im Rahmen von "Dein Argument".

Dieser Artikel wird immer wieder mit weiteren Fragen und Antworten aktualisiert.

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Wie viel verdienen Schiedsrichter bei der EM 2024?

In den Kommentarspalten bei BR24 kam die Frage auf, wie viel Schiedsrichter bei der Fußball-EM 2024 verdienen. So möchte etwa "GeiselDesZeitgeists" wissen, ob der niederbayerische Linienrichter Marco Achmüller mehr durch seine Tätigkeit bei der Europameisterschaft verdient als durch seinen eigentlichen Job als Speditionskaufmann. Achmüller ist am Mittwochabend beim EM-Halbfinale zwischen den Niederlanden und England als Linienrichter im Einsatz.

Was die Bezahlung der Schiedsrichter und ihrer Assistenten anbelangt, hält sich die UEFA für die Euro 2024 bedeckt. Auf Anfrage von BR24 antwortet ein Sprecher des Unternehmens, dass diese Information nicht öffentlich sei.

Jedoch sind Zahlen von früheren Turnieren bekannt. Auf der Website der UEFA [externer Link] sind Zahlen zur Fußball-Europameisterschaft 2008, die in Österreich und der Schweiz stattgefunden hat, zu finden. Demnach bekamen Schiedsrichter pro Tag eine Pauschale von 200 Euro. Dazu kamen Zahlungen pro Einsatz. Dabei habe der Schiedsrichter pro Spiel 10.000 Euro erhalten, Assistenten 5.000 Euro und der vierte Offizielle 4.000 Euro.

Könnte die Nachspielzeit nicht technisch ermittelt werden?

Die UEFA hat vorab bereits Schritte unternommen, um lange Spielunterbrechungen zu vermeiden – und damit lange Nachspielzeiten. So greift bei dieser EM erstmalig die Regelung, dass in strittigen Situationen nur der Kapitän mit dem Schiedsrichter sprechen darf. So sollen Tumulte und damit viele Minuten Nachspielzeit verhindert werden.

Nach welchen Kriterien ein Schiedsrichter diese zusätzlichen Minuten errechnet, erklärt Alexander Pott, Mitglied des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses und außerdem Landeslehrwart im Bayrischen Fußball Verband: "Wir unterscheiden zwischen 'verloren gegangener' und 'vergeudeter' Zeit." Unverschuldet verloren geht Spielzeit zum Beispiel bei einem Spielerwechsel oder einer Verletzungspause. Sie muss laut Regelwerk zwingend nachgeholt werden. Vergeudete Zeit bedeutet: Spieler bleiben etwa bei einem Foul extra lange liegen, zelebrieren einen ausgedehnten Torjubel oder gehen bei einem Wechsel betont langsam vom Platz. Diese Minuten nachzuholen, liegt im Ermessensspielraum des Schiedsrichters, so Pott. Eine reine Rechenleistung des vierten Offiziellen also, die eventuell auch technisch unterstützt werden könnte, wie etwa BR24-User "boogie" hinterfragt. Chip im Ball zur Abseitserkennung, Video-Assistent, Torlinientechnik – diese EM hat ja ohnehin schon jede Menge Technik am Start. Warum nicht bei der Nachspielzeit?

"Im Fußball gibt es keine reine Netto-Spielzeit", erklärt Pott. Anders als zum Beispiel bei Eishockey oder Basketball, wo die Zeit auf einer Uhr rückwärtsläuft und auch per Signalton angezeigt wird. Den Unterschied zwischen vergeudeter und verloren gegangener Zeit zu definieren, würde bedeuten, dass im VAR-Raum zusätzlich eine Person diese Zeiten auseinander rechnet. Das würde nicht nur zeitintensiven Aufwand bedeuten, sondern sei, so Pott, durch die bereits erwähnte fehlende Netto-Spielzeit gar nicht möglich.

Warum finden manche Spiele erst spät am Abend statt?

BR24-User "Braulotse" fragt während der EM: "Verstehe nicht, warum die Spiele erst um 21 Uhr angepfiffen werden? Können die nicht bei Tageslicht spielen? Anscheinend spielt Energie keine Rolle."

Von der UEFA heißt es dazu auf Nachfrage, die Anstoßzeiten seien "nach enger Abstimmung mit allen relevanten Interessensvertretern gemäß den Wettbewerbsbestimmungen vereinbart" worden. Dabei stammen die gewichtigsten Interessensvertreter wohl aus dem Bereich der Medien. Wie es von der UEFA heißt, sei die Europameisterschaft aus Sicht der Broadcaster und Medien "aufgrund ihrer Strahlkraft und ihres kommerziellen Werts höchst attraktiv". Dementsprechend mache der Verkauf von Rechten zur Übertragung von Spielen im Fernsehen oder auf anderen Plattformen wie Live-Streaming "den Löwenanteil" der Einnahmen aus der Euro 2024 aus.

Es wird erwartet, dass der Wert der Medienrechte an dem Turnier denjenigen der Euro 2020 übersteigt. Damals wurden durch den Verkauf der Fernsehrechte mehr als 1,1 Milliarden Euro eingenommen. Entsprechend gewichtig dürften die Wünsche der Fernsehsender nach möglichst hohen Einschaltquoten bei der Festlegung der Anstoßzeiten gewesen sein.

Der zweitgrößte Einnahmeblock ist laut UEFA der der Sponsoren. Die wiederum versprechen sich durch ihre Ausgaben einen hohen Bekanntheitsgrad und der hängt vor allem davon ab, wie viele Menschen die Werbetafeln und Einspieler sehen – eben in TV und Live-Stream.

Dass das Thema Energie bei der Europameisterschaft keine Rolle spielt, weist der Verband hingegen weit von sich. Erstmals in der Geschichte der EM sei ein Klimafonds eingerichtet worden (externer Link), heißt es von der UEFA, aus dem deutsche Amateurvereine finanzielle Unterstützung für Klimaschutzprojekte beantragen können. Seit Bekanntgabe des Programms hätten 2.307 Vereine Anträge eingereicht. Unterstützt werden sollen Projekte zum Energie- und Wassersparen, für besseres Abfallmanagement oder klimafreundliche Mobilität. Die meisten Vereine, nämlich mehr als 1.000, hätten einen Antrag auf Förderung von LED-Flutlichtleuchten gestellt, so die UEFA. Insgesamt stehen sieben Millionen Euro zur Verfügung.

Allerdings gibt die UEFA auch zu, dass selbst EM-Spiele am Tag unter Flutlicht ausgetragen werden. Das sei wichtig für eine hochauflösende Übertragung der Spiele und auch dafür, dass die Sportler auf dem Spielfeld gleichmäßig optimale Spielbedingungen vorfänden.

Wieso tragen Spieler Sport-BHs?

In der Community wird diskutiert, wieso die Spieler unter ihren Trikots "Sport-BHs" tragen. Bei den angesprochenen Kleidungsstücken handelt es sich jedoch nicht wirklich um BHs, sondern um GPS-Westen, wie einer der Hersteller, Catapult Sports, auf seiner Website schreibt.

Die Westen sollen während des Trainings und während Spielen Leistungsdaten über die Sportler sammeln. Dass die Westen optisch an einen Sport-BH erinnern, sei quasi ein Zufall. Demnach sei das Design auf den Zweck abgestimmt: Die Weste halte etwa GPS- und Beschleunigungsmesser zwischen den Schulterblättern. Die Geräte in der Weste sollen mehr als 1.250 Daten pro Sekunde erfassen können.

Diese Daten könnten dann für die Trainings- und Belastungssteuerung genutzt werden, erklärt Jan Wilke vom Lehrstuhl Sportwissenschaft an der Uni Bayreuth im Gespräch mit BR24. Mittels der gemessenen Daten erhält der Trainerstab so für jeden Spieler individuelle Informationen - etwa zur zurückgelegten Distanz oder zur Zahl und Geschwindigkeit der Sprints.

Zahlen die Verbände für Ausschreitungen ihrer Fans?

Nach den Ausschreitungen serbischer Fans in der Münchner Innenstadt fragt BR24-User "Tom_Bergh": "Die Kosten für diesen ganzen Quatsch tragen ja wohl der Fußballbund und die Vereine – oder?" Andere fordern, der serbische Fußballverband solle für den Polizeieinsatz in München aufkommen. Wiederum andere meinen: Serbien soll so lange von Turnieren ausgeschlossen werden, bis die Schäden beglichen sind.

Aus dem bayerischen Innenministerium heißt es dazu auf Nachfrage, die Kosten für derartige Einsätze trägt die Allgemeinheit. Es gehöre schließlich zu den "ureigensten Aufgaben" der Polizei, an öffentlichen Plätzen für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Die Forderung, den serbischen Fußballverband für das Fehlverhalten aus Serbien eingereister Fans zahlen zu lassen, entbehre jeglicher rechtlicher Grundlage. Der Verband habe noch nicht einmal Einfluss darauf, welche Fans sich im Stadion befinden, geschweige denn, wer sich in München aufhalte.

Auch bei Polizeieinsätzen rund um Bundesligaspiele würden die Kosten nach wie vor von der Allgemeinheit getragen. Allerdings gebe es hier seit einigen Jahren eine Diskussion darüber, ob und wie die Vereine oder die Deutsche Fußballliga (DFL) an den Kosten beteiligt werden könnten. Ausgelöst wurde die Diskussion auch von der Stadt Bremen, die der DFL Polizeikosten bei Hochrisikospielen in Rechnung gestellt (externer Link) hatte. Aktuell beschäftigt sich das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe mit dem Thema. Eine Entscheidung wird in einigen Monaten erwartet.

Welche Strafen drohen Flitzern?

Vor allem bei Spielen der portugiesischen Nationalmannschaft rund um ihren Star Cristiano Ronaldo stürmen überdurchschnittlich viele "Flitzer" das Feld. Was bei dem Jungen, der am Sonntag im Spiel gegen die Türkei ein Selfie mit Ronaldo bekam, von den Zuschauern gefeiert wurde, wird in anderen Fällen eher als störend empfunden. Die Aktion des Jungen sei "nicht zur Nachahmung empfohlen", schreibt BR24-User "info". Unter anderem auch deshalb, weil empfindliche Strafen drohen, wie die UEFA auf Nachfrage von BR24 mitteilt. Konkret heißt es: "Jeder Zutritt auf das Spielfeld stellt einen Verstoß gegen die Stadionordnung dar und hat einen Stadionverweis, ein Verbot aller Turnierspiele und die Einreichung einer formellen Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs zur Folge."

ARD-EM-Reporter Thomas Kunze verweist im Interview mit dem BR allerdings darauf, dass mit der Flitzerei unter Umständen bereits Geld verdient werden kann. So habe es vor dem Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid ein Angebot von einem weißrussischen Streamer gegeben. Der Mann habe 300.000 Euro für denjenigen ausgelobt, der es der mit Werbung des Streamers auf das Spielfeld schaffte.

Kunze befürchtet, dass künftig Agenturen auf den Zug aufspringen könnten. Denkbar sei, dass man sich professionelle Flitzer buchen könne, die eine Werbetafel oder ein politisches Statement auf das Spielfeld tragen. "Am Ende wird der Fußball, wird diese große Bühne dann missbraucht, aus egoistischen und eben auch monetären Gründen."

Gibt es mehr Eigentore als je zuvor bei der Euro 2024?

Der Niederländer Donyell Malen hat in der Partie Niederlande gegen Österreich am Dienstagabend bereits das siebte Eigentor der EM 2024 erzielt. Damit fallen bei diesem Turnier auffallend viele Eigentore, mutmaßen die User – und sie haben recht: Wie die UEFA auf Nachfrage von BR24 bestätigt, ist die EURO 2024 nicht mehr weit davon entfernt, den bisherigen Eigentorrekord einer Europameisterschaft zu brechen. Den hält das Turnier 2021 mit insgesamt elf Eigentoren, allerdings im gesamten Turnierverlauf. Bei einer Weltmeisterschaft waren es bisher maximal zwölf Eigentore – und zwar im Jahr 2018.

Die sieben Treffer in diesem Jahr fielen hingegen bereits in der Vorrunde. In früheren Turnieren fielen nach Angaben der UEFA übrigens maximal drei Eigentore, wie bei der Euro 2016.

Aber warum nimmt die Zahl der Eigentore seit 2021 so rasant zu? ARD-EM-Reporter Thomas Kunze erklärt das so: "Der Hauptgrund ist natürlich diese offensive Spielanlage. Jede Mannschaft möchte gewinnen, jede Mannschaft muss gewinnen. Die Box, der Strafraum, wird häufig überfrachtet mit Offensivspielern. Da wird es dann unübersichtlich." Die hohe Zahl an Eigentoren spreche demnach dafür, dass die meisten Trainer einen offensiven Ansatz verfolgten "und einfach Stress im Sechzehner verursachen, die Dinger flach von außen reinknallen. Und dann haben wir das Resultat wie vor drei Jahren: extrem viele Eigentore", sagt Kunze.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

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