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Tilmann Kleinjung

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    Kommentar: Marx jetzt eben Reformer - mit dem Segen des Papstes

    Papst Franziskus hat den Rücktritt von Kardinal Reinhard Marx abgelehnt. Der Erzbischof von München und Freising ist nun Reformer mit dem Segen des Papstes. Marx' Stimme dürfte nun auch in Rom neues Gewicht haben, meint Tilmann Kleinjung.

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    • Tilmann Kleinjung

    Papst Franziskus hat ein Wort dick unterstrichen in seinem Brief an Reinhard Marx: Reform. Die zwei sind sich also einig: Ohne Reformen geht es nicht weiter. Auch die Analyse teilt der Papst mit dem rücktrittswilligen Kirchenmann aus München: Die gesamte Kirche steckt in der Krise. Marx hat das ja in seinem Rücktrittsgesuch noch drastischer formuliert, er sprach vom "toten Punkt". Den muss er nun überwinden, denn gegen die ausdrückliche Bitte des Papstes gibt es keine Berufungsinstanz.

    Papst bleibt mal wieder im Vagen

    Marx muss weitermachen, ob er will oder nicht. Er sei ja nicht amtsmüde, hat er betont. Den Beweis dafür muss er nun antreten – künftig als ein Kardinal, den der Papst für unverzichtbar hält und dessen Kurs er ausdrücklich unterstützt. "Mach weiter, so wie Du es vorschlägst." Mit diesen Worten verleiht Franziskus Reinhard Marx eine Art Sondervollmacht, nach dem Motto: 'Das ist der, den der Papst unbedingt an seiner Seite haben will.'

    Als Erzbischof in einem der wichtigsten Bistümer der Weltkirche, als Berater bei der Neuordnung der Kurie. Und, ja auch: als Reformer. Nur von Reformen reden, genügt nicht, schreibt Franziskus an Marx. Das könnte allerdings auch für ihn selbst gelten, denn was sich konkret in der Kirche ändern soll, da bleibt der Papst auch in seiner sehr privat gehaltenen Antwort an "Bruder" Marx im Vagen. Wie so oft.

    Ablehnung des Rücktrittsgesuchs überraschend für Marx

    Reformer und Konservative können sich in diesem Brief aus Rom beide bestätigt sehen. Schließlich ruft der Papst ja auch den Erzbischof von München und Freising zur Ordnung: Reformen werden von Männern und Frauen durchgeführt, schreibt er, die bereit sind, sich auch selbst reformieren zu lassen. Das kann man auch lesen als: Auch Du kannst vor dem Missbrauchsskandal nicht davonlaufen.

    Für Reinhard Marx ist die päpstliche Ablehnung seines Rücktrittsgesuchs eine Überraschung, vermutlich auch eine schwere Enttäuschung. Er könne jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen, lässt er mitteilen. Nur zu verständlich, er hatte schließlich andere Pläne und, ja auch, in gewisser Weise "die Nase voll": die vergeblichen Versuche, die Kirche zu verändern, wirklich Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal zu ziehen. Stopp-Schilder, Diskursverweigerung von Kollegen und dazu der massive Druck von der Basis. Das zehrt an den Kräften.

    Marx kann sich in die Reformarbeit stürzen

    Und genau die braucht nun Reinhard Marx, wenn dieser erzwungene Rücktritt vom Rücktritt zu etwas gut sein soll. Er hat den synodalen Weg, also einen Dialogprozess über die Zukunft der deutschen Kirche mit initiiert. Mit seinem Rückzug wäre das ganze Projekt gefährdet gewesen. Jetzt könnte er sich wieder in die Reformarbeit stürzen – und das sogar mit dem Segen des Papstes.

    Als einer der päpstlichen Berater bei der Kurienreform könnte er mit dafür sorgen, dass die katholische Kirche weniger zentralistisch, pluraler wird. Seine Stimme dürfte nun auch in Rom neues Gewicht haben.

    Und schließlich: Marx muss sich für eine schonungslose Aufarbeitung des Missbrauchsskandals einsetzen und damit ein Vorbild sein für viele Bischöfe, die bislang noch nicht einmal auf den Gedanken gekommen sind, ihren Rücktritt anzubieten.

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