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© picture alliance/dpa/SOS Mediterranee | Flavio Gasperini
Bildrechte: picture alliance/dpa/SOS Mediterranee | Flavio Gasperini

Reste eines Schlaubootes treiben auf dem Mittelmeer. Vor der Küste Libyens sind nach Angaben von SOS Mediterranee Dutzende Migranten ertrunken.

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    UN: Vermutlich mindestens 130 Menschen im Mittelmeer ertrunken

    Vor der Küste Libyens sind den UN zufolge vermutlich über 130 Migranten ertrunken. Die Hilfsorganisation SOS Méditerranée hatte am Donnerstag in der Nähe von Tripolis ein Schlauchbootwrack und mehrere Tote, jedoch keine Überlebende gefunden.

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    Von
    • BR24 Redaktion

    Bei einem schweren Bootsunglück vor Libyens Küste sind den UN zufolge vermutlich 130 Migranten und Flüchtlinge gestorben. Zudem fehle von einem weiteren Boot auf dem Mittelmeer mit etwa 40 Menschen an Bord jede Spur, teilte Safa Msehli, Sprecherin der Internationalen Organisation für Migration (IOM), am Freitag in Genf mit. Ein drittes Boot mit Migranten und Flüchtlingen sei von der Küstenwache Libyens abgefangen worden, die Menschen seien zurück in das nordafrikanische Land gebracht worden. Dabei seien laut Seenotrettungsbündnis Seebrücke eine Frau und ein Kind gestorben.

    Staaten unterlassen Rettung

    "Die Menschlichkeit ist untergegangen", erklärte die Sprecherin der IOM per Twitter. Man lasse die Menschen im Meer ertrinken. Die private Rettungsorganisation SOS Méditerranée hatte Alarm geschlagen, dass die Besatzung ihres Schiffes "Ocean Viking" am Donnerstag nach einem Notruf stundenlang nach einem Schlauchboot in Seenot gesucht habe. Schließlich hätten sich jedoch nordöstlich der libyschen Hauptstadt Tripolis nur noch Tote gefunden.

    In dem Schiff seien 130 Menschen gewesen, die versucht hatten, aus Libyen zu fliehen. Die IOM-Sprecherin warf den europäischen Anrainerstaaten des Mittelmeers und Libyen vor, trotz der Notrufe nicht gehandelt zu haben. Die Staaten seien völkerrechtlich verpflichtet, Menschen in Seenot zur Hilfe zu kommen.

    Verantwortung an private Akteure abgegeben

    Das Seenotrettungsbündnis Seebrücke erklärte, die europäischen und libyschen Behörden seien durch den Notruf der Organisation Alarm Phone genauso benachrichtigt worden wie die "Ocean Viking", und die EU-Grenzschutzagentur Frontex habe das Boot aus der Luft gesichtet. "Dies war kein Unfall, sondern ein politisch gewolltes Sterben."

    Die Organisation Alarm Phone, bei der sich Migranten in Seenot melden können, teilte mit, sie habe zehn Stunden lang mit dem Schlauchboot in Kontakt gestanden, bevor es gekentert sei. Man habe europäische und libysche Stellen über die Position informiert. Die Europäer hätten auf die libysche Küstenwache verwiesen, die eine Rettung verweigert habe. "Die Menschen hätten gerettet werden können, aber alle Behörden haben sie wissentlich dem Tod auf See überlassen", kritisierte Alarm Phone. Zu Hilfe gekommen seien nur nicht-staatliche Gruppen.

    Auch SOS Méditerranée übte scharfe Kritik an den europäischen Staaten, die ihre Verantwortung, Such- und Rettungsaktionen zu koordinieren, ignorierten. "Sie überlassen es privaten Akteuren und der Zivilgesellschaft, das von ihnen geschaffene, tödliche Vakuum zu füllen", sagte Luisa Albera von SOS Méditerranée.

    Bisher mehr Tote als im vergangenen Jahr

    Laut IOM starben von Januar bis vergangenen Mittwoch, also bis vor den jüngsten Tragödien, in diesem Jahr 523 Migranten und Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Im Vergleichszeitraum 2020 seien 408 Todesfälle erfasst worden. SOS Méditerranée geht von über 350 Toten bis zu diesem Unglück aus. Die Menschen stammen aus Afrika und Asien und wollen Gewalt und Armut in ihren Heimatländern entkommen. Sie streben ein besseres Leben in Europa an.

    Der Stabschef der IOM, Eugenio Ambrosi, twitterte: "Dies sind die menschlichen Folgen einer Politik, die das Völkerrecht und die grundlegendsten Gebote der Menschlichkeit nicht einhält."

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