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Kind trainiert Kopfbälle mit einem Fußball (Symbolbild)

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    Demenz: US-Expertin fordert Kopfballverbot für Kinder

    CTE ist eine Demenz-Form bei Sportlern. Betroffen sind Footballspieler - aber auch Fußballer. Nun fordert eine US-Pathologin, die Krankheit ernst zu nehmen und auf Kopfbälle zu verzichten. Die Kontrovers-Story zur unterschätzten Gefahr im Sport.

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    Von
    • Norbert Gobmeier
    • Julian Ignatowitsch
    • Sebastian Krause

    Ob beim American Football, Boxen oder Eishockey: Zusammenstöße, Checks und Kopf-Kollisionen sieht man im Profisport jede Woche - im schlimmsten Fall mit erheblichen Langzeitfolgen. Auch im Fußball.

    Dort stellt sich die Frage, wie schädlich Kopfbälle für das Gehirn sind. Verschiedene Mediziner sprechen sich für eine Reduzierung des Kopfballtrainings und ein Verbot bei Kindern aus, wie es in den USA und England schon besteht.

    Gefahr CTE

    Die renommierte Forscherin Ann McKee von der Boston University sagt im BR-Politikmagazin Kontrovers: "Wir wissen, dass viele Risiken von Kopfbällen kommen!" McKee gilt weltweit als die Expertin bei der Erforschung der Demenz CTE (chronisch traumatische Enzephalopathie).

    Kontrovers - Die Story: Sportverletzungen - Die Zeitbombe im Kopf

    Die Krankheit wird durch ständige Schläge und Stöße auf den Kopf ausgelöst. Der Grund dafür ist, dass dabei Nerven im Gehirn beschädigt werden können und Tau-Proteine freigesetzt werden. Diese Tau-Proteine häufen sich dann an und behindern am Ende die Funktion des Gehirns.

    Neuropathologin fordert Konsequenzen

    Die Neuropathologin McKee hat CTE nach eigenen Angaben schon bei hunderten ehemaligen American Football-Spielern nachgewiesen. Das Tückische: die Krankheit kann bislang nur durch eine Obduktion des Gehirns nachgewiesen werden. Sportarten wie Boxen, Eishockey stehen im Fokus. Über 60 American-Football-Spieler seien vor ihrem 34. Geburtstag verstorben. Aber auch der Fußball kommt in den Fokus. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk bestätigt McKee CTE-Fälle US-Amateurfußball - konkrete Zahlen nennt sie nicht. Sie fordert Konsequenzen - vor allem ein höheres Alter, in dem Jugendliche mit dem Kopfballspiel beginnen.

    "Wir können im Fußball was ändern. Wir können Kopfbälle verbieten. Wir können intelligenter spielen. Wir können die Regeln so ändern, dass das Problem der Kopfstöße im Fußball kleiner wird. Und zwar sofort, um diese Spieler zu schützen." Ann McKee, Neuropathologin Boston University

    Gerd Müller - ein CTE-Fall?

    Eindeutig diagnostiziert wurde CTE bei dem brasilianischen Nationalspieler Hilderaldo Bellini. Bei mehreren an Demenz erkrankten Fußballern liegt zumindest der Verdacht nahe. War auch der deutsche Jahrhundert-Stürmer Gerd Müller ein CTE-Fall? Darüber kann nur spekuliert werden. Fest steht: Nach einer Studie der University of Glasgow vom August hätten Fußballspieler ein vierfach höheres Risiko, an Demenz zu erkranken als der Durchschnitt. Abwehrspieler ein sogar fünfmal höheres Risiko.

    Arzt fordert Kopfball-Verbot

    Verbot von Kopfbällen im Fußball? Eine Debatte, die in England beispielsweise schon intensiv geführt wird. In Deutschland dagegen noch wenig. Aber der Druck auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB) wächst.

    Der Mannschaftsarzt von Fußball-Zweitligist SSV Jahn Regensburg, Andreas Harlass-Neuking, spricht sich für ein Kopfball-Verbot für Kinder bis zehn Jahren aus. Weil man ja wisse, dass in jungen Jahren "diese harten Schläge gegen den Kopf, vielleicht sogar noch für Folgen in späteren Jahren ganz entscheidend sind", sagt Harlass-Neuking im Interview mit dem BR. Die Studie aus Glasgow könne man nicht "vom Tisch wischen".

    DFB noch zurückhaltend

    Der DFB ist gegen ein grundsätzliches Kopfball-Verbot. Stattdessen gibt es seit Februar 2021 Empfehlungen. So soll die Anzahl der Kopfbälle im Training "so weit wie möglich" begrenzt werden - besonders für Kinder und Jugendliche. Die Bälle in Größe und Gewicht sollen den Altersgruppen entsprechen und sollen weniger hart aufgepumpt sein. Und für einen zusätzlichen Schutz empfiehlt der DFB eine Kräftigung der Schulter-Hals-Muskulatur bei den Spielern.

    Für den DFB ist die Datenlage noch nicht ausreichend. Professor Claus Reinsberger, ist Neurologe und der zuständige Experte in der medizinischen Kommission des DFB. Er sagt: "Wenn man sich jetzt die Frage stellt, sind denn dauerhafte Kopfbälle für das Gehirn schädlich, und wie schädlich sind sie, sind wir leider noch nicht so weit, wie wir es gerne hätten. Das heißt, da sind schon noch wissenschaftlich offene Fragen, die da noch gelöst werden müssen." Derzeit laufen zu dem Thema in Deutschland verschiedene Studien, die in den kommenden Monaten weitere Erkenntnisse liefern sollen.

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