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Kommentar: Die große Leere der AKK | BR24

© ARD-Hauptstadtstudio/Jens Müller

Achim Wendler, BR-Hauptstadtstudio Berlin

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Kommentar: Die große Leere der AKK

Das Problem von Annegret Kramp-Karrenbauer hieß nicht Friedrich Merz. Ihr Problem war ihre eigene strategische Leere, meint Achim Wendler.

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Annegret Kramp-Karrenbauer verabschiedet sich mit einem schlechten Scherz: Sie will Verteidigungsministerin bleiben! "Mit aller Kraft". Wie bitte? Wichtiger wären Qualifikationen wie Führung und Strategie! Das ist es, was die Bundeswehr braucht. Genau wie die CDU es gebraucht hätte.

Nur Fragen, keine Antworten

Aber Kramp-Karrenbauer hat beides vermissen lassen, seit sie den Parteivorsitz übernahm: Führung wie Strategie. 14 Monate hatte sie Zeit, die großen Fragen zu beantworten: Wie soll die CDU Volkspartei bleiben? Was ist moderne konservative Politik? Es kam: nichts.

Auch Merkel ist nicht schuld

Kramp-Karrenbauer ist gescheitert. Aber nicht an Friedrich Merz. Nicht an den Widerspenstigen in der CDU, den Rechtskonservativen in Thüringen und anderswo. Sie ist auch nicht gescheitert am Experiment der Jobteilung, sie selbst im Konrad-Adenauer-Haus, Angela Merkel im Kanzleramt.

Statt Aufbruch nur Werkstattgespräche

AKK ist gescheitert an ihrer strategischen Leere. Statt Führung nur Stichworte. Statt markanter Sätze nur Phrasen. Statt Aufbruch nur Werkstattgespräche. Darum ist die Frage nicht: Warum konnte Kramp-Karrenbauer nicht überzeugen? Sondern die Frage ist: Wovon wollte sie ihre Partei eigentlich überzeugen?

Führung braucht Ziele

Das Verhältnis zur AfD ist ein Beispiel: Der jetzt vieldiskutierte Beschluss lautet, die CDU lehne Koalitionen "und ähnliche Formen der Zusammenarbeit" mit der AfD und der Linkspartei ab. Aber was heißt das genau, "ähnliche Formen der Zusammenarbeit"? Und was stattdessen? Das muss man doch beantworten!

CDU wäre gefragt

Das Parteiensystem zersplittert. Wenn es keine echten Krisen geben soll, müssen die etablierten Parteien sich zusammenraufen und stabile Mehrheiten formen. Die CDU muss daran mitwirken, sonst gute Nacht. Kramp-Karrenbauer hätte nicht nur sagen dürfen, was nicht geht. Sie hätte Lösungen aufzeigen müssen, spätestens jetzt in Thüringen. Stattdessen zeigte sie mit dem Finger auf andere.

Kein Hoffnungsschimmer

Deshalb die Krise in Thüringen, die Krise der CDU. 14 Monate hat die CDU AKK getragen, trotz aller Zweifel. Ja, lang ist das nicht. Willy Brandt durfte zweimal als Kanzlerkandidat scheitern und bekam trotzdem noch einen dritten Anlauf. Die Probezeit unserer Politiker hat sich extrem verkürzt. Aber wenigstens einen Hoffnungsschimmer könnten sie dann irgendwann mal aufzeigen. Von AKK kam keiner.

Ein Kommentar von Achim Wendler, BR-Hauptstadtstudio Berlin, Studioleiter

© BR

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer kündigte ihren Rückzug an - und ihren Verzicht auf eine Kanzlerkandidatur. Kramp-Karrenbauer war nach der missglückten Ministerpräsidentenwahl in Thüringen innerhalb der eigenen Partei zunehmend in die Kritik geraten.