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Stephanie Stauß, Leiterin BR-Hauptstadtstudio

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    Kommentar: CDU kann sich nicht selbst verzwergen

    Wer wird Kanzlerkandidat der Union? Markus Söder oder Armin Laschet? Die CDU muss ihren frisch gewählten Vorsitzenden Laschet jetzt unterstützen, sonst droht ihr ein Gesichtsverlust. Ein Kommentar von Stephanie Stauß.

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    • Stephanie Stauss

    Die Union ist einem Dilemma. Statt sich geschlossen und ohne großes Tamtam hinter einem Kandidaten zu versammeln, kommt es jetzt doch zum direkten Machtkampf in der Kanzlerkandidatenfrage. CDU-Chef Armin Laschet [zum Portrait] will es werden und CSU-Chef Markus Söder [zum Portrait] auch. Beide sind entschlossen. Schlechtere Chancen aber hat nach wie vor Markus Söder. Dabei hat er die weitaus besseren Umfragewerte.

    Laschet ist erst seit Januar in einem mühsamen Prozess zum Parteivorsitzenden gewählt worden. Würde sich die CDU-Spitze und auch die Partei gegen ihn stellen, wäre das für den CDU-Chef vernichtend. Beschädigt wäre auch sein Image als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Dort stehen im nächsten Jahr Wahlen an. Laschet muss also alles daran setzen, sich gegen Markus Söder durchzusetzen.

    Hört das Sticheln auf?

    Um Schaden von der Union abzuwenden, müssen Laschet und Söder so schnell wie möglich eine Entscheidung treffen. "Freundschaftlich" soll der Findungsprozess ablaufen. Vor dem Hintergrund, dass vor allem Söder in den vergangenen Wochen immer wieder gegen Laschet stichelte, stellt sich die Frage, ob das auch wirklich gelingen kann.

    Je länger sie um Stimmen kämpfen, umso größer ist die Gefahr, dass sich die Gräben in der Partei vertiefen. Dass Söder Laschet in der Pressekonferenz mit den Worten zitierte: "Kandidat wird, wer die besten Wahlchancen hat", deutet auf weniger Harmonie zwischen den beiden hin als angekündigt. Söder legt den Finger tief in die Wunde, denn er ist derjenige, der in den Beliebtheitswerten weit vorne liegt. Nur das nützt ihm nicht, wenn Laschet die Unterstützung der CDU-Spitze hat und sagt: ich will!

    Laschet hat mehr zu verlieren als Söder

    Söder oder Laschet? Laschet hätte viel zu verlieren, würde er nicht Kanzlerkandidat. Söder nicht! Die CDU-Spitze kann in einer solchen Situation nicht nach Söder rufen, damit würde sich die große Schwesterpartei selbst verzwergen.

    Markus Söder will mindestens Kanzlerkandidat der Herzen werden, riskiert damit aber, dass die Union gespalten in den Wahlkampf zieht. Söders Hoffnung, dass der Druck aus der Bundestagsfraktion ihn doch noch zum Kandidaten macht, wird sich nicht erfüllen, wird aber ausreichen, um Frust und Zwietracht an der Basis zu säen.

    Ein Kommentar von Stephanie Stauß, Leiterin BR-Hauptstadtstudio

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