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#Faktenfuchs: Stimmt Kubans steile Renten-These? | BR24

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"Die Grundrente geht klar zu Lasten der jungen Generation - und wir wissen, dass wir auf 2030 zulaufen, wo wir doppelt so viele Rentenempfänger wie Beitragszahler haben werden": Junge-Union-Chef Kuban äußert sich auf Phoenix zur Rente im Jahr 2030.

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#Faktenfuchs: Stimmt Kubans steile Renten-These?

Junge-Union-Chef Tilman Kuban sagt, 2030 wird es doppelt so viele Rentenempfänger wie Beitragszahler geben. Mit diesem Argument lehnt Kuban die "Grundrente" der SPD ab. Die Deutsche Rentenversicherung kommt auf ganz andere Zahlen. Ein #Faktenfuchs.

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Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, verwundert mit einer Aussage, die er am Montag im Fernsehsender Phoenix geäußert hat:

"Wir wissen, dass wir auf 2030 zulaufen, wo wir doppelt so viele Rentenempfänger wie Beitragszahler haben werden." Tilman Kuban, Chef der Junge Union

Mit diesem Argument lehnt Kuban die "Grundrente" der SPD ab. Zum Vergleich: Laut Information der Deutschen Rentenversicherung kommen zur Zeit im Westen auf einen Rentner 2,11 Beitragszahler, das Ganze ist der sogenannte "Rentnerquotient". Diesen Quotienten hat die Deutschen Rentenversicherung auch für 2030 berechnet.

"Im Jahr 2030 werden einem Rentner 1,67 Beitragszahler gegenüberstehen." Deutsche Rentenversicherung auf BR-Anfrage

Kubans Zahlen und die der Rentenversicherung sind also fast komplett gegensätzlich.

Verhältnis Rentner zu Beitragszahler alleine nicht aussagekräftig

Wie viele Beitragszahler auf wie viele Rentner kommen, ist aber alleine nicht aussagekräftig. Wichtig ist vor allem, wie hoch die Renten und die Beitragssätze tatsächlich sind. Das Rentenniveau, also das Verhältnis von Durchschnittsrente zu Durchschnittslohn, liegt 2019 bei 48,3 Prozent.

Der Beitragssatz, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, liegt bei 18,6 Prozent. Es ist aber damit zu rechnen, dass in Zukunft das Rentenniveau nicht auf dieser Höhe bleiben kann, wenn nicht mehr Menschen einzahlen, oder der Beitragssatz steigt.

Schwer vorhersagbare Zahlen für 2030 und die Zeit danach

Die Zahl der Erwerbstätigen (20 bis 65 Jahre) kann man für 2030 relativ gut vorhersagen, schließlich leben diese Personen ja schon. Wie viele Menschen 2030 tatsächlich einem Beruf nachgehen, hängt aber von weiteren Faktoren ab: Wie werden sich die Zuwanderungszahlen entwickeln? Wieviele Frauen werden mit welchem Arbeitsvolumen (Vollzeit/ Teilzeit) und in welchen Positionen tätig sein und wie entwickelt sich das sogenannte Gender-Pay-Gap: werden sich die Löhne von Frauen weiter denen von Männern annähern?

Die Baby-Boomer erreichen das Rentenalter

Außerdem ist es bei den Arbeitsmarkt- und Rentenprognosen wichtig, in Ost und West zu unterscheiden. Das ostdeutsche Rentenniveau liegt noch heute, 30 Jahre nach der Wende, unter dem westdeutschen Niveau. Aber nicht nur die Gruppe der Erwerbstätigen wird sich bis 2030 ändern.

Auch die Rentnerinnen und Rentner der Zukunft sind andere als heute. Bis 2030 werden viele sogenannte "Baby-Boomer" das Rentenalter erreichen, also Menschen, die zwischen Mitte der 1950er und Ende der 1960er-Jahre geboren wurden. Auch im Westen sind in diesen Generationen schon deutlich mehr Frauen erwerbstätig und haben höhere Rentenansprüche als die derzeitigen Rentnerinnen.

Das #Faktenfuchs-Fazit:

Die Aussagen von JU-Chef Tilman Kuban decken sich nicht mit denen der Deutschen Rentenversicherung. Außerdem ist der sogenannte Rentnerquotient, also wie viele Rentner wie vielen Beitragszahlern gegenüberstehen, für sich alleine gesehen wenig aussagekräftig.

💡 "Was ist Grundrente?"

Eine Rente für alle Geringverdiener, die mindestens 35 Beitragsjahre erreicht haben und trotzdem eine Rente unter dem regionalen Grundsicherungsbedarf bekommen. Die Grundrente steht im Koalitionsvertrag. Sie ist unter anderem in der Diskussion, weil die SPD-Minister Scholz und Heil sie nicht nur aus Steuern, sondern auch aus Beiträgen der Sozialversicherung finanzieren wollen. (Erklärt von Johannes Lenz, BR24-Wirtschaft)