BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: pa / dpa

Die Union zieht mit Armin Laschet in den Wahlkampf. Dieser hat sich damit innerhalb kurzer Zeit schon zum zweiten Mal in seiner Partei durchgesetzt: Erst als Parteichef, jetzt als Kanzlerkandidat.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Katholisch, liberal, rheinisch: Armin Laschet im Portrait

Markus Söder hat zurückgezogen, damit ist der Weg frei für Armin Laschet. Seine Karriere vom Abgeordneten zum CDU-Chef und Kanzlerkandidaten der Union schien nicht vorgezeichnet. Der katholisch erzogene Bergmannssohn wollte gar nicht in die Politik.

Per Mail sharen
Von
  • Anita Fünffinger

Das Wort "nett" kann ein politisches Todesurteil sein. Es kann aber auch Karrieren befördern - besonders derjenigen, die anfangs zögern und gnadenlos unterschätzt werden. Armin Laschet ist auf den ersten Blick ein netter Mann. CSU-Chef Markus Söder (zum Portrait) nennt ihn "humorvoll, heimatbewusst und einfach sehr lebensfroh".

Armin Laschet hat es bis an die Spitze Nordrhein-Westfalens, dann an die Spitze der CDU geschafft. Schließlich rief die Union doch ihn und nicht Markus Söder zum Kanzlerkandidaten aus. Dabei ist klar: wer bis ganz nach oben will, kann nicht nur nett sein.

Katholisch, liberal, rheinisch

Armin Laschet wird am 18. Februar 1961 geboren. Er wächst in einem katholisch geprägten Elternhaus in Aachen auf. Sein Vater war Bergmann. Bei seiner Bewerbungsrede für den CDU-Vorsitz im Januar 2021 hält Laschet die Erkennungsmarke seines Vaters in der Hand. Seine Botschaft lautet: 1.000 Meter unter Tage sind alle Menschen gleich, da muss man sich aufeinander verlassen können.

Mit 18 tritt er in die CDU ein. In einer Biografie über Laschet steht, die Kumpels hätten ihn lange davon überzeugen müssen. (Tobias Blasius/Moritz Küpper: Der Machtmenschliche) Eine Karriere in der Politik strebt Laschet nicht zielstrebig an. Zunächst einmal ist er enttäuscht, dass er nicht in seiner Heimat, sondern im fernen München einen Studienplatz bekommt.

Jura-Studium in München, Mitarbeit beim BR

Armin Laschet studiert zunächst in München Jura, er ist Mitglied der katholischen Studentenverbindung Aenania. Die Verbindung gilt als sehr konservativ. Laschet wird auch später Leute aus dieser Richtung an sich binden, als er nach außen längst als Liberaler auftritt. Der Düsseldorfer Staatskanzleichef Nathanael Liminski ist ein Beispiel dafür: Er vertritt erzkatholisch-konservative Positionen.

Seine journalistische Ausbildung macht Armin Laschet beim Lokalradiosender Charivari in München. Auch beim Bayerischen Rundfunk schnuppert er als Hospitant rein. Später wird Laschet Chefredakteur der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen.

Integrationsminister und christliches Menschenbild

Nach seinem Studium, das er nicht mit dem zweiten juristischen Staatsexamen abschließt, wird Laschet Stadtrat in Aachen. Seine Zeit als Bundestagsabgeordneter endet nach vier Jahren bereits wieder, weil die SPD-Kandidatin aus Aachen und spätere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt das Direktmandat gewinnt. Danach wird Laschet Europaabgeordneter.

Im Jahr 2005 ernennt ihn NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zu Deutschlands erstem Integrationsminister. Laschet bescheinigt Deutschland eine "multikulturelle Gesellschaft". Daraufhin nennen ihn seine eigenen Parteifreunde "Türken-Armin". Die CDU ist sichtlich noch nicht bereit für solche Äußerungen. In anderen Gesellschaftsfragen ist Laschet nicht so liberal. Die Gleichstellung von homosexuellen Paaren im Steuer- und Familienrecht lehnt er ab.

Verloren gegen Röttgen

Armin Laschet zögert im Frühjahr 2020, ob er für das Amt des CDU-Vorsitzenden wirklich seinen Hut in den Ring werfen soll. Seine Konkurrenten Friedrich Merz und Norbert Röttgen werden es ihm nicht leicht machen, das weiß er. Die Auseinandersetzungen von Merz mit Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel konnte er von der Seitenlinie aus beobachten.

Den Kampf mit Norbert Röttgen kennt er aus Nordrhein-Westfalen. 2010 wollten beide CDU-Landeschefs werden. Röttgen setzt sich durch, verliert aber danach die Landtagswahl. 2012 übernimmt Laschet die Landes-CDU. Im parteiinternen Wettbewerb um den Vorsitz der Bundes-CDU verteilt Laschet giftige Spitzen gegen Röttgen. Der sonst so freundlich wirkende Mann ist dann gar nicht mehr nett.

Im Schlussspurt gegen Söder verschwindet die Nettigkeit

Doch auch Laschet selbst musste in den vergangenen Wochen, im Rennen um die Unions-Kanzlerkandidatur mit CSU-Chef Söder vieles einstecken: Mit Sätzen von Kommentatoren und Beobachtern, die wie eine Ohrfeige für den Politiker mit den stets gut versteckten Ambitionen klingen. "Eigentlich müsste es doch der Söder machen." "Der Söder hat viel bessere Umfragewerte." "Das bessere Händchen in der Pandemiebekämpfung hatte doch der Söder."

Laschet nerven solche Aussagen. Die direkte Konkurrenz zum CSU-Chef lässt ihn schwächer erscheinen. Gleichzeitig hält er sich bis zum Schluss mit eindeutigen Aussagen zu seiner Kanzlerkandidatur zurück.

Abwarten und ruhig bleiben ist nicht mehr so einfach

Wer gedacht hätte, Laschet würde direkt nach seiner Kür zum CDU-Chef zügig auch nach der Kanzlerkandidatur greifen, täuscht sich. Denn Laschet agiert wie immer: er wartet ab, lotet aus. Und schließlich bestand die CSU noch auf der Vereinbarung, erst zwischen Ostern und Pfingsten zu entscheiden. Doch die Nervosität wird größer. Laschet wirkt mitunter fahrig und unwirsch.

Die Bundeskanzlerin bescheinigt ihm öffentlich, dass er sich nicht an Verabredungen hält. Laschet wehrt sich fast trotzig, stellt seinen Weg in der Pandemiebekämpfung als den richtigen dar. Er steht dabei immer in Konkurrenz zu Söder, der ihn ebenfalls öffentlich kritisiert. Am Ende wird Laschet der Kanzlerkandidat. Nicht, weil er netter oder besser ist. Sondern auch, weil Söder seine eigenen Ambitionen zurückgestellt hat.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR
Bildrechte: BR

Welche Wunden hinterlassen die vergangenen Tage bei Armin Laschet? Ist sein Fell dick genug? Fragen an den Autor der Armin Laschet Biografie mit dem Titel "Der Machtmenschliche", Moritz Küpper.