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Lange Lieferzeiten, weltweit explodierende Preise. Für Zimmereien ist Schnittholz immer schwieriger zu bekommen und Bauprojekte kosten jetzt mehr. Doch Holzbaufirmen, die seit langem auf heimisches Holz setzen, kommen besser durch die Preiskrise.

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Zimmereien im Chiemgau: Mit heimischem Holz durch die Preiskrise

Lange Lieferzeiten, weltweit explodierende Preise. Für Zimmereien ist Schnittholz immer schwieriger zu bekommen und Bauprojekte kosten jetzt mehr. Doch Holzbaufirmen, die seit langem auf heimisches Holz setzen, kommen besser durch die Preiskrise.

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  • Theresa Krinninger

Über zu wenig Arbeit können Zimmereien und Holzbaubetriebe im Chiemgau nicht klagen. Die Auftragsbücher sind voll, Holzhäuser werden bei der Kundschaft immer beliebter. Doch der Zimmerer und Innungsobermeister Martin Kollmeier in Traunreut im Landkreis Traunstein hat ein Problem. Wie soll er seinen Kunden erklären, dass ihr seit Monaten geplantes Projekt deutlich teurer wird?

Holzpreise waren vor Monaten deutlich niedriger

Denn als das Angebot mehrere Monate zuvor erstellt wurde, waren die Holzpreise deutlich niedriger. Jetzt muss er der Kundschaft sagen, dass die Preise explodiert sind. "Wenn der Markt so überhitzt ist, kann es nicht sein, dass ich als Handwerker auf den Mehrkosten sitzen bleibe", so der Obermeister der Zimmerei-Innung Traunstein und Berchtesgadener Land.

Innerhalb eines Jahres: Zimmerer zahlen das Doppelte für Bauholz

Laut dem deutschlandweit aktiven Holzbau-Unternehmernetzwerk "81fünf" mussten Handwerker im vergangenen Jahr noch durchschnittlich 300 Euro für einen Kubikmeter industriell gefertigtes Konstruktions-Vollholz bezahlen, jetzt liegt der Preis bei 650 Euro – Tendenz steigend.

Kunden haben Verständnis für höhere Holzpreise

Bisher stieß Martin Kollmeier bei seinen Kunden auf Verständnis und konnte das alte Angebot an die aktuellen Holzpreise anpassen. Und so hat zum Beispiel eine seiner Kundinnen freiwillig sieben Prozent mehr, also rund 20.000 Euro mehr, für ihr kleines Holzhaus bezahlt. Doch verpflichten müssen sich Bauherren, nachdem sie ein Angebot unterschrieben, haben nicht.

Industrie-Holz jetzt kaum noch verfügbar

"Wir haben in den vergangenen Jahren stark auf industrielles Holz gesetzt", sagt Zimmermeister Martin Kollmeier. Es sei günstig und angenehm zu verarbeiten gewesen und vor allem innerhalb weniger Tage lieferbar. Doch nun kommen zur Preisexplosion auch lange Lieferzeiten von bis zu vier Monaten hinzu. Wenn sich dadurch der Baustart verzögert, ziehe das Kollmeier zufolge auch indirekt Kosten für den Kunden nach sich.

Deutsches Holz auf dem globalen Markt begehrt

Doch was ist passiert mit dem einst günstigen Rohstoff Holz? Erste Preisanstiege und Lieferengpässe gab es bereits vergangenen Sommer. Seitdem ist der deutsche Holzmarkt immer mehr in eine Schieflage geraten. Viel verarbeitetes Holz wird derzeit in die USA verkauft, das Versorgungslücken beim kanadischen Holz mit europäischem Holz ausgleicht.

Export von Holz in die USA und China boomt

Nach Informationen des Unternehmer-Netzwerk Holzklasse importierte die USA bis Ende vergangenen Jahres 55 Prozent mehr Holz aus Deutschland als im Jahr zuvor. Auch China bedient sich seit 2020 am europäischen Markt mit knapp 40 Prozent mehr Holzimporten aus Deutschland. Großhändler in den USA zahlen hohe Preise für Nadelschnittholz aus Deutschland, etwa 500 bis 600 Euro pro Kubikmeter.

Davon profitieren hauptsächlich große Sägereien. Während die deutschen Großsägereien die Nachfrage in Nordamerika und China bedienen, hat der europäische und deutsche Holzmarkt das Nachsehen. Das spüren auch die 45 Mitgliedsbetriebe der Zimmerer-Innung in Traunstein und im Berchtesgadener Land.

Waldbesitzer bekommen wenig Geld für ihr Holz

Ein weiterer erschwerender Trend: Waldbesitzer haben in den vergangenen Jahren sehr wenig Geld für ihr Holz bekommen. "Da kann man durchaus verstehen, dass der eine oder andere Waldbauer seine Bäume gar nicht erst fällt", sagt Zimmermeister Martin Kollmeier. Die Folge: Es stehe weniger Holz für den heimischen Markt zur Verfügung.

Es gibt noch Holz aus der Region

Ein Blick in eine der wenigen kleinen Sägereien im Landkreis Traunstein zeigt: Holz aus der Region ist hier nach wie vor vorhanden. Doch bei Sägewerksmeister Rupert Freitsmiedl in Engelsberg rufen derzeit mehr Kunden auf der Suche nach Bauholz an, als er beliefern kann. Er verkauft sein Schnittholz seit vielen Jahren an rund 15 Zimmereibetriebe im Umkreis. Die haben jetzt Vorrang.

Moderate Preissteigerungen bei kleinen Sägereien

Auch beim Sägewerk Freitsmiedl hat sich die Preissteigerung beim Rundholz bemerkbar gemacht. Für einen unbehandelten Kubikmeter Fichtenlangholz zahlt er inzwischen etwa 20 bis 30 Euro mehr. Anfang des Jahres waren es noch 70 Euro pro Kubikmeter, jetzt sind es um die 100 Euro, bestätigt der Sägewerksmeister. Diese Mehrkosten gibt er dann beim verarbeiteten Schnittholz an seine Kundschaft weiter, doch die Steigerung blieb im Vergleich zum industriellen Bauholz vergleichsweise moderat.

Gelassener durch die Krise mit regionalem Holz

Holzbaubetriebe, die seit langem bei lokalen Sägereien einkaufen, sind weniger stark von der Preiskrise betroffen. Zwar müssen auch sie einen Anteil an industriell gefertigtem Bauholz bei Großhändlern kaufen. Doch je höher der Anteil an regionalem Holz in einem Holzhaus, desto weniger krisenanfällig ist die Bauplanung. Bei der Holzbaufirma Köhldorfner im Landkreis Traunstein sehen die Kalkulatoren die Situation deshalb relativ gelassen.

Krise als Chance für regionales Holz

Vielleicht steckt in der Krise auch eine Chance, den regionalen Holzmarkt wieder zu stärken. Den Vorteil beim regionalen Holz haben inzwischen viele Zimmereien erkannt, sagt Innungsobermeister Martin Kollmeier. Demnach gebe es Pläne gemeinsam mit den lokalen Sägereien Lösungen zu finden, um den Anteil der industriellen Holzprodukte zu reduzieren und wieder mehr Holz aus der Region zu verarbeiten.

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