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Die zerstörte Bobbahn am Königssee

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    Zerstörte Kunsteisbahn: Immer noch keine gesicherte Finanzierung

    Das Unwetter Mitte Juli hat die Kunsteisbahn am Königssee fast vollständig zerstört. Sie soll wiederaufgebaut werden, jedoch gibt es noch keine verbindliche Finanzierungszusage. Der Bund Naturschutz will keinen Wiederaufbau.

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    Von
    • Christine Haberlander

    Die Kunsteisbahn am Königssee ist die älteste Bob- und Rodelbahn der Welt und ein Magnet für Sportler und Touristen. Auch deshalb haben Politiker aus Bund und Freistaat für den Wiederaufbau der bei einem Unwetter Mitte Juli fast völlig zerstörten Sportstätte ihre Unterstützung zugesagt. Das Geld könne aus dem Fonds "Aufbauhilfe 2021" kommen.

    Landrat Bernhard Kern (CSU) stellte am Mittwoch im Kreisausschuss jedoch klar: Es gebe noch keine verbindliche, schriftliche Finanzierungszusage. Die müsse aber vorliegen, bevor der Kreistag in seiner nächsten Sitzung am 22. Oktober, einen Beschluss für die weitere Planung fassen möchte.

    Geologisches Gutachten ist nötig

    Gründlichkeit komme vor Schnelligkeit, so Landrat Kern. Neben den genauen Kosten soll ein geologisches Gutachten in die Planung mit einfließen. Das Gutachten kann jedoch erst nach dem Mehrheitsbeschluss der Kreisräte bei der nächsten Sitzung in Auftrag gegeben werden. Mit dem geologischen Gutachten soll sichergestellt werden, dass nicht nur die Bahn, sondern auch die Anlieger geschützt sind, sollte es erneut zu einem Unwetter mit Starkregen und erneuten Murenabgängen kommen. Der Wiederaufbau des Eiskanals wird teuer: das Ingenieurbüro, das die Kunsteisbahn geplant hat, schätzt die Kosten auf 53,5 Millionen Euro.

    Wasserwirtschaftsamt Traunstein ist mit Schutz von Wohngebieten ausgelastet

    Der Deutsche Bob- und Schlittenverband hat bereits einen Geologen mit einer ersten Einschätzung beauftragt. Dieser stellte fest, dass mit dem Bau eines etwa 13,5 Meter hohen Absperrdammes ein maximales Rückhaltebecken für 7.000 Kubikmeter Geröll und Erde geschaffen werden könnte. Bei dem Unwetter gab es jedoch ein Geschiebe von rund 10.000 Kubikmeter. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat bereits mitgeteilt, dass es keine Kapazitäten habe, um umfangreiche Schutzmaßnahmen zu planen und durchzuführen. Priorität hätten derzeit andere Maßnahmen vor allem in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten in Schönau am Königssee. Die Behörde habe jedoch fachliche Unterstützung zugesagt.

    BN lehnt Wiederaufbau ab und will Bürgerentscheid

    Unterdessen lehnt der Bund Naturschutz im Berchtesgadener Land den geplanten Wiederaufbau der Bob- und Rodelbahn ab. Als Grund nennt die Vorsitzende Rita Poser in einer Presseerklärung die unberechenbaren geologischen Verhältnisse, das hohe Gefahrenpotential für Mensch und Umwelt und den enormen Energieverbrauch in Zeiten der Klimakrise. Bereits 2009 hätten Versicherungen das Risiko für eine Elementarschadenversicherung als zu hoch befunden, weil ein Gebirgsaufbau aus brüchigem Gestein unkalkulierbare Ereignisse erwarten lässt, heißt es in dem Schreiben des Bund Naturschutz. Inzwischen habe der Klimawandel neue Akzente für besondere Wetterereignisse gesetzt, so dass die Wahrscheinlichkeit von Murenabgängen deutlich zunehme. Darauf werde sich künftig auch keine Versicherung einlassen, glaubt der Verein. Der Bund Naturschutz will, dass die Bürger über den Wiederaufbau der Bahn abstimmen.

    Kein Betrieb in den nächsten Jahren

    Wie am Mittwoch aus Unterlagen des Landkreises nachzulesen war, ist die Wiederaufnahme des Betriebs der Kunsteisbahn, auch wegen der Klärung von Grundstücksfragen, auch in der Saison 2022/2023 nicht möglich. Der Bob- und Schlittenverband strebt eine Teilöffnung an.

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