Es sei eher die Zeit, das Handwerk zu stärken, findet der Rosenheimer Massageschüler Maximilian Stofft
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Der Rosenheimer Massageschüler Maximilian Stofft

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    Sollen Physiotherapeuten künftig studieren müssen?

    Sollen Physiotherapeuten künftig studieren müssen?

    Therapieberufe sollen akademisiert werden. Das ist ein Vorschlag aus der Branche, der seit Jahren diskutiert wird. Das heißt, die Physioausbildung würde ausschließlich an der Uni oder an einer Hochschule erfolgen. Doch dagegen gibt es Widerstand.

    Ein Hexenschuss ist eine fiese Sache, und der Betroffene sehnt sich regelrecht nach schneller Hilfe. Doch wer schnell einen Termin beim Physiotherapeuten oder bei einem Masseur benötigt, der muss mitunter lange warten. In der Branche gibt es einen enormen Fachkräftemangel. Umso größer ist teilweise das Unverständnis, wenn der Ruf nach einem Studium für Physiotherapeuten laut wird.

    Therapieberuf soll durch Studium attraktiver werden

    Neben der Vergütung ist auch die Ausbildung für Therapieberufe in der Diskussion. Der Deutsche Verband für Physiotherapie will das Berufsfeld neu strukturieren und fordert ein Studium. Es gehe darum, den Beruf aufzuwerten und neue Perspektiven zu ermöglichen, meint Christina Pirker vom Landesverband Bayern. Die Akademisierung bringe eine hohe Qualität und eine hohe Effizienz. Beides sei notwendig, um die Patientenversorgung garantieren zu können. Der Physiotherapeut soll mit einem Bachelorabschluss künftig eine gute Basisausbildung erhalten, so die Forderung des Verbands.

    Fachkräftemangel und Therapeuten zweiter Klasse

    Ganz anders sieht das Marcus Troidl aus Regensburg, der Bundesvorsitzende des VDB Physiotherapieverbands, der die Arbeitgeberseite vertritt. Troidl schätzt, dass bundesweit ca. 60.000 Physiotherapeuten fehlen. Der enorme Fachkräftemangel sei aber nicht durch ein Studium zu beheben. Zudem stünden dann viele Berufsfachschulen und damit viele Existenzen vor dem Aus, sollte die Vollakademisierung kommen. Von einer Übergangsphase, also einem nebenher von Berufsfachschule und Hochschule, hält Troidl nichts, denn dann seien die Absolventen der Fachschule doch Therapeuten zweiter Klasse. Auch das sei eine Bedrohung für die Berufsfachschulen.

    In der Ausbildung für Masseure sei es zudem wichtig, weiter den sehbehinderten Menschen und Blinden eine Chance zu geben. Er befürchtet, dass sie nicht alle Abitur haben und bei einer Akademisierung ausgeschlossen sein könnten.

    Rosenheimer Massageschule fürchtet um Existenz

    Ob die Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister von einer Neustrukturierung betroffen sein wird, sei noch unklar, aber die Befürchtung bei Markus Pschick ist groß. Er ist Geschäftsführer der Privaten Massageschule Inntal in Rosenheim, die als gemeinnütziger Verein geführt wird. Sollte die Akademisierung kommen, seien die meisten seiner Schüler von der Massageausbildung ausgeschlossen.

    Nur wenige kämen mit Abitur an die Schule. Es brauche in diesem Bereich sowieso mehr Handwerker statt Theoretiker, findet Pschick. Er spricht auch aus Sicht des Unternehmers, denn Pschick betreibt in Regensburg eine Fortbildungsakademie. Bei einer Vollakademisierung seien viele Fachschulen und damit viele Stellen in Gefahr.

    Entscheidung fällt in Berlin

    Alle Beteiligten blicken nun gespannt nach Berlin. Wir sind voller Hoffnung, die Zeichen stehen auf Aufbruch, sagt Christina Pirker vom Deutschen Verband für Physiotherapie. Man warte schon sehnsüchtig, dass sich in dieser Sache endlich etwas vorwärts bewege. Unternehmer Markus Pschick schaut dagegen nervös nach Berlin, ist gespannt, wer letztendlich das Bundesgesundheitsministerium übernehmen wird und ob die Akademisierung in den Koalitionsvertrag geschrieben wird.

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