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Neuer US-Präsident: Bidens Botschaft der Versöhnung | BR24

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Bildrechte: pa/dpa

Joe Biden ist neuer Präsident der USA. Er wurde heute vereidigt. Vize-Präsidentin ist Kamala Harris.

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Neuer US-Präsident: Bidens Botschaft der Versöhnung

Beginn einer neuen Ära: Der Demokrat Joe Biden löst Donald Trump im Weißen Haus ab. Er übernimmt ein tief gespaltenes und krisengeplagtes Land. In seiner Antrittsrede ruft der 78-Jährige die Amerikaner zur Einheit auf.

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  • BR24 Redaktion

Der 46. Präsident der USA erwähnt seinen Vorgänger in seiner Antrittsrede mit keiner Silbe - und bricht klar mit dessen Stil und Politik. Für die Amerikaner sei es an der Zeit, die tiefe Spaltung im Land zu überwinden, erklärte Joe Biden, denn: "Ohne Einheit gibt es keinen Frieden", sondern nur Bitterkeit, Empörung und Chaos. Er werde sich mit ganzem Herzen für Einheit und Versöhnung einsetzen, versprach Biden.

Unmissverständlich ist die Botschaft, die er auf den Stufen jenes Kapitols verkündet, das vor genau zwei Wochen von Anhängern seines Vorgängers Donald Trump gestürmt wurde.

"Das ist Demokratie"

Bidens Antrittsrede kommt einer Abrechnung mit der Mär vom Wahlbetrug gleich, an der Trump bis zuletzt festhält. "Der Wille des Volkes wurde gehört, und der Wille des Volkes wurde ernstgenommen", erklärt der neue Präsident, und: "Wir haben einmal mehr gelernt, dass Demokratie wertvoll und Demokratie zerbrechlich ist. In dieser Stunde, meine Freunde, hat die Demokratie obsiegt."

Der 78-Jährige fordert seine Landsleute auf, sich wieder zuzuhören, einander zu respektieren. Und er bittet sie, ihm eine Chance zu geben. Sollten sie danach immer noch anderer Meinung sein, "dann soll es so sein. Das ist Demokratie." In jedem Fall werde er der Präsident aller Amerikaner sein. "Ich verspreche Ihnen, ich werde genauso hart für diejenigen kämpfen, die mich nicht unterstützt haben, wie für die, die es taten."

Biden: Viel zu tun in diesem Winter

Dann kommt Biden auf die riesigen Herausforderungen zu sprechen, vor denen seine Regierung steht. Dafür muss er nur einmal über den Platz vorm Kapitol blicken, der praktisch menschenleer ist - ein Corona geschuldetes Novum. Mehr als 400.000 Menschenleben hat die Pandemie in Amerika gefordert - mehr als in jedem anderen Land der Welt.

"Wir haben viel zu tun in diesem Winter der Gefahr, und bedeutende Möglichkeiten, viel zu reparieren, viel wiederherzustellen, viel zu heilen, viel aufzubauen und viel zu gewinnen", sagt Biden denn auch. Nur wenige Leute in der US-Geschichte hätten eine Zeit vorgefunden, die herausfordernder und schwieriger gewesen sei als die jetzige. Auch das Problem des systemischen Rassismus in den USA benennt der neue Präsident als Wunde, die Balsam nötig habe.

Wie sehr dieses Land Heilung braucht, zeigt auch die Abwesenheit von Bidens Vorgänger. In einem weiteren Bruch mit Gepflogenheiten flog Trump schon Stunden vor der Amtseinführung seines Nachfolgers zu seinem Luxusdomizil in Florida, anstatt ihn zum Kapitol zu geleiten. Aus der Ferne wird der Ex-Präsident nun verfolgen, wie sein zweites Amtsenthebungsverfahren ausgeht. Eingeleitet wurde das Impeachment, weil er seine Fans mit der Lüge eines von Biden gestohlenen Wahlsiegs anstachelte, ehe sie den Kongresssitz stürmten.

Biden ruft zur Einheit auf

In seiner Antrittsrede blickt Biden mit seinen Landsleuten in jene Gräben, die sich aus Sicht vieler Beobachter gerade durch Trumps polarisierende Art und Politik aufgetan haben. "Ich weiß, dass die Kräfte, die uns spalten, tief sind und dass sie echt sind", sagt Biden. "Aber ich weiß auch, dass sie nicht neu sind. Unsere Geschichte war ein ständiger Kampf zwischen dem amerikanischen Ideal, dass wir alle gleich geschaffen sind und der harschen, hässlichen Realität des Rassismus, Nativismus, der Furcht, der Dämonisierung, die uns seit langem auseinanderreißen." Einheit sei aber der Pfad, der das Land nach vorne bringen werde.

Kurz nach Bidens Rede schlägt ausgerechnet der Country-Star und bekennende Republikaner Garth Brooks eine musikalische Brücke: Mit einem Hauch Gospel-Gefühl bietet der Sänger mit schwarzem Cowboy-Hut die Hymne "Amazing Grace" dar, ganz ohne instrumentale Begleitung. Lächelnd und eindringlich forderte er das Publikum dann auf, einen Vers mit ihm gemeinsam zu singen. "Nicht nur die Leute hier, aber die Leute zu Hause, auf der Arbeit, in Einheit." Schon bei der Vereidigungsfeier des demokratischen Expräsidenten Barack Obama 2009 war Brooks aufgetreten.

Eine Chance auf einen Auftritt bei Trumps Amtseinführung schlug der Country-Barde aber mit Verweis auf andere terminliche Verpflichtungen aus.

Mit Material von AP und dpa

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