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Das Kelten-Museum in Manching einen Tag nach dem Diebstahl des Schatzes.

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Millionenschwerer Goldschatz aus Kelten-Museum gestohlen

Millionenschwerer Goldschatz aus Kelten-Museum gestohlen

Der Wert der Goldmünzen beläuft sich auf mehrere Millionen Euro: Der einzigartige Goldschatz im Kelten-Museum im oberbayerischen Manching ist gestohlen worden. Bayerns Kunstminister spricht von einer "Katastrophe".

Die fast 500 Goldmünzen waren das prunkvolle Aushängeschild des Museums, nun sind sie weg: Unbekannte Einbrecher haben aus dem Kelten-Römer-Museum im oberbayerischen Manching den zwei Jahrtausende alten Goldschatz gestohlen. In der Nacht zum Dienstag waren die unbekannten Einbrecher in das Kelten-Römer-Museum in Manching nahe Ingolstadt eingestiegen.

Die Vitrine mit dem Schatz sei aufgebrochen und das Gold komplett entwendet worden. "Es war klassisch, wie man es sich in einem schlechten Film vorstellt", sagte ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA). Wie die Täter die Alarmsysteme ausgeschaltet haben, ist noch unklar.

Erst als am Morgen die Mitarbeiter in das Museum kamen, wurde die Tat entdeckt. Zunächst wurde die Kripo des Polizeipräsidiums in Ingolstadt eingeschaltet. Wegen des großen Wertes des Diebesgutes übernahmen dann aber schnell Sonderermittler des LKA den Fall.

483 Goldmünzen im Wert von mehreren Millionen Euro

In der Vitrine befanden sich 483 Goldmünzen, die aus der Zeit um 100 vor Christus stammen und insgesamt rund vier Kilogramm wiegen. Der klassische Goldwert nach Tageskurs muss den Angaben zufolge noch ermittelt werden. Der Sammlerwert betrage allerdings mehrere Millionen Euro. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter versuchen werden, den Goldschatz entweder illegal auf dem Kunstmarkt zu verkaufen oder dieser "im schlimmsten Fall eingeschmolzen wird", sagte der Behördensprecher. Der schlimmste Fall ist nicht unwahrscheinlich: Nach Einschätzung der Polizei können die Täter die Goldmünzen nur schwer verkaufen.

Sabotage-Anschlag auf Glasfaser-Kabel in Manching

Das Bayerische Landeskriminalamt hat noch in der Nacht seine Ermittlungen ausgeweitet. Und: Es hat auch die Ermittlungen zu dem Sabotage-Akt auf eine Infrastruktureinrichtung der Deutschen Telekom in Manching übernommen. In dem regionalen Knotenpunkt hatten Unbekannte in derselben Nacht mehrere Glasfaserkabel durchtrennt. Die Folge: 13.000 Haushalte und Firmen in der Region haben kein Internet und kein Telefon mehr, anscheinend war damit auch die Alarmverbindung des Museums zur Polizei gekappt. Genau das will das Bayerische Landeskriminalamt jetzt überprüfen. Dazu werden Ermittler heute auch noch einmal vor Ort nach Spuren suchen. Der Fall lag bislang in den Händen der Polizei.

Tat vergleichbar mit Museums-Diebstählen in Berlin und Dresden

Wie LKA-Sprecher Fabian Puchelt dem BR erklärte, hat das Landeskriminalamt außerdem Kontakt zu den Strafverfolgungsbehörden in Berlin und Dresden aufgenommen. Die bayerischen Ermittler erhoffen sich von den Kollegen Hinweise zu dem Vorgehen der Täter bei den vergleichbar spektakulären Einbruchsdiebstählen im Bode-Museum und im Grünen Gewölbe. Der Hintergrund: Im Berliner Bode-Museum wurde 2017 eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze mit einem Wert von knapp vier Millionen Euro gestohlen. Das Gold tauchte nie wieder auf, vermutlich wurde es eingeschmolzen. Zwei junge Männer, zur Tatzeit 18 und 20 Jahre alt, wurden wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall zu Jugendstrafen von viereinhalb Jahren verurteilt. Ein Wachmann, der nach Überzeugung der Richter das Museum zuvor ausgekundschaftet hatte, musste drei Jahre und vier Monate hinter Gitter.

Sechs Tatverdächtige in Dresden vor Gericht

Wegen schweren Bandendiebstahls im historischen Grünen Gewölbe in Dresden stehen derzeit sechs Tatverdächtige vor dem Landgericht Dresden. Sie sollen im November 2019 aus dem weltberühmten Schatzkammermuseum 21 Schmuckstücke mit Diamanten und Brillianten im Wert von über 100 Millionen Euro gestohlen haben. Die Beute ist bis heute unauffindbar.

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Der Goldschatz von Manching: Der größte keltische Goldfund des 20. Jahrhunderts wurde 1999 gefunden.

Größter keltischer Goldfund des 20. Jahrhunderts

Bei dem in Manching gestohlenen Goldschatz handelt es sich um den größten keltischen Goldfund des 20. Jahrhunderts. Er wurde im Sommer 1999 bei Grabungen auf dem Gebiet von Manching freigelegt. Seit 2006 wurde der Schatz in dem Museum im Landkreis Pfaffenhofen/Ilm ausgestellt und war seitdem die Hauptattraktion dort.

Das sogenannte Oppidum Manching gilt als eine herausragende keltische Siedlung, in der bis heute immer wieder Archäologen tätig sind. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege zählt die Siedlung zu den bedeutendsten Bodendenkmälern nördlich der Alpen. Auch bei Kriminellen ist die Bedeutung von Manching bekannt. Erst Anfang Mai hatten dort Raubgräber auf dem Gelände einer wissenschaftlichen Grabung etwa 140 Löcher gegraben. Ob dabei Keltenfunde entwendet wurden, ist bislang nicht bekannt.

"Der Verlust des Kelten-Schatzes ist eine Katastrophe, die Goldmünzen als Zeugnisse unserer Geschichte sind unersetzlich", sagte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU). Der kulturelle Schaden sei enorm. "Wer auch immer diese Tat begangen hat: Jemand hat sich an unserer Geschichte vergangen und unfassbare kriminelle Energie dafür an den Tag gelegt." Blume sagte, es müsse alles dafür getan werden, die Hintergründe aufzuklären und die Kriminellen zu fassen.

Mit Informationen von AFP, epd und dpa

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