Ricarda Lang beim "Sonntags-Stammtisch"
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Die Grünen-Chefin Ricarda Lang stellte beim BR "Sonntags-Stammtisch" klar, dass sie gegen eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke ist.

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Lang zu AKW-Debatte: "Laufzeitverlängerung absolut falsch"

Die Bundesvorsitzende der Grünen will die Tür zur Verlängerung der Atomkraftwerke nicht weiter öffnen. Ihre Partei schließe zwar nichts kategorisch aus, sagt Ricarda Lang beim BR "Sonntags-Stammtisch". Die Faktenlage spreche aber gegen Kernenergie.

Über dieses Thema berichtet: Sonntags-Stammtisch am .

In die Debatte um eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in Deutschland ist zuletzt Bewegung gekommen. So sprachen sich unter anderem die Grünen im Münchner Stadtrat dafür aus, eine Verlängerung des AKW Isar 2 zu prüfen. Wirtschaftsminister Robert Habeck hat einen zweiten Stresstest für die Stromversorgung in Auftrag gegeben. Und die Co-Vorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, sorgte mit einer Äußerung für Schlagzeilen, dass ihre Partei nichts ausschließe.

Lang: Bei Gasmangel-Lage hilft kein Atomstrom

In der BR Fernsehsendung "Der Sonntags-Stammtisch" stellte sie nun aber klar: "Ich finde eine Laufzeitverlängerung absolut falsch." Die Grünen würden zwar "nichts kategorisch ausschließen" und nicht nur nach Parteiprogramm entscheiden, wenn die Realität etwas anderes fordere. Es sei die Verantwortung einer Regierung, nach der Faktenlage zu urteilen. "Aber auch die Faktenlage ist eine Gasmangel-Lage. Bei Gas hilft Atom so gut wie gar nicht." Die Versorgungssicherheit sei auch ohne Strom aus Kernenergie gewährleistet.

Ist Braunkohle das geringere Übel?

Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch, Stammgast der Sendung, wandte daraufhin ein, dass die Reaktivierung der Kohlekraftwerke nicht gerade umweltschonender sei. "Ich verstehe die Begeisterung des Wirtschaftsministers für Kohle im Vergleich zur Atomkraft nicht", meinte sie. "Wenn wir uns einig sind, dass die Klimakatastrophe die größte im Moment ist, dann setze ich lieber noch auf eine gewisse Verlängerung der Atomkraftwerke, die es ohnehin schon gibt."

Lang gab zu, dass diese Entscheidung die Grünen schmerze. "Wenn ich anders entscheiden könnte, würde ich die Kohle nicht einsetzen", sagte sie. Ihrer Meinung nach sei Kohle aber besser als Atom geeignet, um in Spitzenlast-Zeiten Gas in der Stromerzeugung zu ersetzen. Insgesamt müsse der Ausbau der Erneuerbaren Energien schnell voran getrieben werden, denn man dürfe sich nicht auf der Kohle "ausruhen".

Grünen-Chefin: "Es ist ein bisschen ruckelig in der Koalition"

Die Grünen-Chefin erteilte einem möglichen "Kuhhandel" mit der FDP - Tempolimit gegen AKW-Verlängerung - eine Absage: "Kompromisse gehören in der Politik dazu, aber bei einer Hochrisiko-Technologie hat es ein bisschen was Unernstes", sagte Lang. Angesichts der aktuellen Krisensituation sei es "ein bisschen ruckelig" in der Ampel-Koalition, gab sie zu. "Aber am Ende bin ich davon überzeugt: Wir können das schaffen."

Wer viel verbraucht, soll viel Energie sparen

Ricarda Lang betonte, dass nun diejenigen zielgerichtet Energie sparen sollen, die es können. "Die Sozialhilfeempfänger sollen nicht die sein, die jetzt sparen müssen", sagte sie. Diese hätten schließlich teilweise bereits in den vergangenen Jahren bereits gefroren, weil ihnen das Geld fehlte, um die Rechnungen zu begleichen.

Die Parole "Frieren für die Freiheit", wie der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck es ins Spiel gebracht hat, müsse in deren Ohren zynisch klingen. Jetzt gehe es darum, von politischer Seite sowohl strukturelle Maßnahmen zu treffen, als auch diejenigen in die Verantwortung zu nehmen, die einen hohen Energieverbrauch haben.

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