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KZ-Gedenkstätte Dachau: Leitung wird neu ausgeschrieben | BR24

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KZ-Gedenkstätte Dachau

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    KZ-Gedenkstätte Dachau: Leitung wird neu ausgeschrieben

    Im Streit um eine Personalie in der KZ-Gedenkstätte Dachau hat die Stiftung Bayerische Gedenkstätten eingelenkt. Laut Stiftungsdirektor Karl Freller (CSU) soll die Leitungsposition neu ausgeschrieben werden. Zuvor hatte es heftige Proteste gegeben.

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    Von
    • Thies Marsen

    In der Auseinandersetzung um eine umstrittene Personalentscheidung in der KZ-Gedenkstätte Dachau hat die Stiftung Bayerische Gedenkstätten jetzt eingelenkt. Wie Stiftungsdirektor Karl Freller (CSU) am Freitagmittag mitteilte, soll die Leitungsposition der Bildungsabteilung in der Gedenkstätte neu ausgeschrieben werden.

    Heftige Proteste

    Zuvor hatte es heftige Proteste gegeben, weil Freller im Alleingang seine bisherige Büroleiterin zur neuen pädagogischen Leiterin in der KZ-Gedenkstätte Dachau ernannt hatte – ohne Beteiligung und gegen den Willen von Gedenkstättenleitung und Personalrat. "Wir werden jetzt mit den Verantwortlichen in der Gedenkstätte im Sinne einer kollegialen und sachorientierten Zusammenarbeit in den Dialog treten und beabsichtigen, die Ausschreibung neu aufzusetzen", erklärt Freller.

    Piazolo begrüßt Neuausschreibung

    Kultusminister Michael Piazolo, der dem Stiftungsrat vorsitzt, begrüßte die Entscheidung: "Damit wird die Chance eröffnet, die wichtige pädagogische Vermittlungsarbeit der Gedenkstätte positiv weiterzuentwickeln."

    Internationale Kritik

    Gegen die Personalentscheidung Frellers hatten nicht nur der Personalrat der Gedenkstätte und zwei Drittel der Belegschaft protestiert. Auch Nachfahren von einstigen Dachau-Häftlingen, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes sowie Historiker hatten das Vorgehen des Stiftungsdirektors kritisiert. Die von Freller eingesetzte neue Chefin der Bildungsabteilung verfüge über keine ausreichende Qualifikation, hieß es. Sie ist weder Historikerin noch Pädagogin, wie es für die Leitung der Bildungsabteilung eigentlich Voraussetzung wäre. Freller argumentierte vor allem mit dem familiären Hintergrund seiner Büroleiterin. Mehrere Vorfahren seien in deutschen Konzentrationslagern ermordet worden, einer davon im Dachauer Außenlagerkomplex Kaufering. Zudem habe die promovierte Politikwissenschaftlerin jahrelange Expertise in der Erinnerungsarbeit.

    Personalentscheidung im Alleingang

    Fraglich war auch, ob Freller eine so wichtige Personalie überhaupt im Alleingang entscheiden durfte. Der Personalrat hatte bereits angekündigt, dagegen juristisch vorgehen zu wollen. Eine gerichtliche Auseinandersetzung hat Freller mit der Rücknahme seiner Entscheidung jetzt vermieden.

    Vertrauen beschädigt?

    Damit entspreche er auch dem Wunsch des ehemaligen Dachau-Häftlings Abba Naor, so Freller. Dieser habe gefordert, dass das Ansehen der Gedenkstätte nicht weiter durch "scharfe Töne" gefährdet werden solle. Allerdings dürfte das Vertrauensverhältnis zwischen Stiftung und Gedenkstättenbelegschaft stark beschädigt sein.

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