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"Ich bin selbst überrascht, wie viel man doch erreichen kann", sagt Dr. Wolfgang Doerfler, Neurologe und Arzt für Naturheilverfahren. Er berät Betroffene im Tumorzentrum München. Aber wie sinnvoll sind alternative Behandlungsformen wirklich?

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Krebstherapie: Was Naturheilkunde kann und wo ihre Grenzen sind

"Ich bin selbst überrascht, wie viel man doch erreichen kann", sagt Wolfgang Doerfler, Neurologe und Arzt für Naturheilverfahren. Er berät Betroffene im Tumorzentrum München. Aber wie sinnvoll sind alternative Behandlungsformen wirklich?

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Von
  • Ursula Trischler

Wenn ein Patient an Krebs erkrankt, erhält er in aller Regel Hilfe durch onkologische Therapien. Aber: Viele Betroffenen suchen sehr häufig auch zusätzliche Unterstützung - etwa in der Naturheilkunde und anderen sogenannten komplementärmedizinischen Behandlungsformen.

"Beides hat seinen Stellenwert, und dafür sind wir offen und für die Patienten ein Ansprechpartner", sagt Wolfgang Doerfler. Er ist Facharzt für Neurologie, Arzt für Naturheilverfahren und arbeitet in der Beratungsstelle für Komplementärmedizin und Naturheilkunde in Kooperation mit der Bayerischen Krebsgesellschaft.

Hanfsamen-Öl gegen Taubheitsgefühle

Leistungsschwäche, Schleimhautentzündungen, Verdauungsstörungen, Neuropathie, Schmerzen - Krebs und auch seine Behandlung führen oftmals zu weiteren Beschwerden. Wo kann da Naturheilkunde helfen? "Also ich muss ehrlich gestehen ich bin manchmal selber überrascht, wie viel man doch erreichen kann", so Doerfler im Gespräch mit dem BR.

Beispiel: Neuropathien. Also Taubheitsgefühle, Kribbeln, die durch manche Chemotherapeutika verursacht werden. "Da kann man Hanfsamen-Öl besorgen und dann so ein Zucker-Peeling daraus machen und somit tatsächlich auch leichtere Formen von solchen Beschwerden in Schach halten oder auch verbessern," erklärt Doerfler. Das Durchhaltevermögen für die gesamte Therapie ließe sich dadurch unterstützen.

Wichtig: Zusammenarbeit mit dem Onkologen

"Grundsätzlich bin ich immer offen für die Gespräche mit den behandelnden Onkologen", so Doerfler. "Ich lasse mich aber auf alle Fälle immer auch mit einem Arztbrief informieren: Wie ist der Stand der Dinge? Welche Therapien laufen? Und verlasse mich da jetzt nicht nur auf die Patientenberichte". Anhand der zusammengetragenen Informationen richte er dann seine Beratungen aus.

Natürliche Substanzen können auch kontraproduktiv wirken

Es gebe aber auch Substanzen aus der Natur, die zumindest theoretisch die Therapie schwächen könnten. Ein Beispiel sei das Cannabidiol CBD. Das würde mittlerweile recht viel genommen. "Das kann tatsächlich auch manche Chemotherapeutika abschwächen." Es könnten also auch pflanzliche Stoffe eine Antihormontherapie bei Brustkrebspatienten stören, so Doerfler. "Also da muss man dann genau hingucken und auch aktiv abraten."

In seiner Beratung gehe es darum, "dass wir möglichst auch wissenschaftliche Belege haben, einerseits für die Wirksamkeit, aber eben auch für die Schädlichkeit und uns daran entlang hangeln."

Experte rät: Heilsversprechen von Anbietern hinterfragen

Er könne es nachvollziehen, so Doerfler, dass manche Patienten "dringend auf der Suche" seien. "Aber man muss einen kühlen Kopf bewahren und manchmal auch einfach die Ängste in den Griff kriegen, die dahinter stehen." Um "schwarze Schafe" unter den naturkundlichen Anbietern zu erkennen, rät Doerfler, sich folgende Fragen zu stellen:

Macht dieser Anbieter Heilsversprechen mit naturkundlichen Verfahren? "Wenn ja, wäre ich schon mal sehr zweifelnd. Man muss nicht gleich aussteigen, aber sehr hinterfragend sein". Weitere Frage: Rät er von den onkologischen Therapien ab? "Wenn er das macht: nicht hingehen", sagt Doerfler.

Auch die Abrechnung der Leistung müsse transparent ablaufen und nachvollziehbar sein. "Also, das würde ich immer mal so abklopfen, am Anfang so einer Therapie, um da einigermaßen sicher zu sein, dass man nicht in die falschen Hände gerät."

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