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Esma und Defne schauen im eigenen Kochbuch nochmal nach dem genauen Rezept.

Bildrechte: BR/ Carolin Hasenauer
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Kochen im Distanzunterricht: Würzburger Schule erhält Preis

Wie macht man guten Unterricht mit dem Computer? Die Frage hat eine Klasse der Würzburger Mittelschule Zellerau im zweiten Lockdown innovativ umgesetzt und ein eigenes Kochbuch gestaltet. Das Bayerische Kultusministerium verleiht dafür einen Preis.

Von
Carolin HasenauerCarolin Hasenauer
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Sie schneiden Zwiebeln, braten sie an, kochen Bohnen und Reis, rühren Teig bis er schön cremig aussieht. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8a stehen in der Schulküche der Mittelschule Zellerau in Würzburg und arbeiten an ihrem Speiseplan: Kuru Fasüle mit Reis, Pide mit Hackfleischfüllung, Fli und dazu Ayran. "Die Rezepte wurden von einigen gemacht, die vom Balkan kommen. Die meisten Gerichte kenne ich, weil sie alle ursprünglich aus dem Osmanischen Reich kommen", erklärt Defne stolz.

13 der 15 Rezepte wurden auf dem Handy getippt

"Als der erste Corona-Lockdown kam und der Distanzunterricht begann, wusste kaum jemand genau, wie man guten Unterricht nur mit dem Computer macht", sagt Gregor von Papp, Schulleiter der Mittelschule Zellerau. Gemeinsam mit Fachlehrerin für Ernährung Verena Rach hat Klassenlehrer Dirk Streubel für die Klasse 7a das Projekt "Kochbuch" gestartet - kurz vor dem zweiten Lockdown.

Rach: "Wichtig war es, den Kontakt aufrecht zu erhalten." Während des Projekts betreuten die Lehrkräfte die Klasse per Online-Unterricht. Gar nicht so einfach: Immerhin hatten nicht alle Schülerinnen und Schüler Zugang zu einem Computer. 13 der 15 Rezepte wurden dementsprechend auf dem Handy getippt, erzählt Streubel.

Eine von 200 bayerischen Schulen

Für ihren innovativen und kreativen Ansatz im coronabedingten Distanzunterricht erhält die Mittelschule Zellerau in Würzburg einen Preis vom Bayerischen Kultusministerium. Die Mittelschule ist eine von 200 Schulen in Bayern, die eine solche Auszeichnung mit dem Preisgeld von 1000 Euro erhalten.

Politik, Geographie, Geschichte, Sozialkunde, Informatik, Deutsch und Mathematik: Themen aus vielen Fächern seien beim Projekt zusammengekommen, sagt von Papp. Und das sieht auch das Kultusministerium so: "Prämiert werden besondere Eigeninitiative und Ideenreichtum bei der Gestaltung der coronabedingten Abläufe."

Fli und Pide aus dem Kosovo

Zurück in der Schulküche: An der nächsten Kochinsel stehen Edison, Leon und Donit. Die drei Jungs streichen gerade den cremigen Teig in einer großen runden Backform aus: Fli, ein Rezept, das Leon beigesteuert hat. Daneben auf einem Blech: eine Schlange aus Teig, die sieben Kurven macht, damit sie nicht überlappt. "Pide gibt’s in fast jedem Land. Im Kosovo ist das ein traditionelles Gericht. Man isst es oft mit Familie zum Beispiel", erklärt der 13-jährige Edison. An Silvester, an Weihnachten oder Ostern, an Geburtstagen und Hochzeiten wird das albanische Nationalgericht serviert. Gefüllt mit Hackfleisch, Kartoffeln oder Kürbis.

Traditionelle Gerichte mit persönlichem Bezug

Die Rezepte von Defne und Edison sind mit 13 weiteren in einem Kochbuch zusammengefasst. Und einige sehr persönliche Texte geschrieben: Was bedeutet traditionell für dich? Zu welchem Fest wird das Gericht gegessen? Gibt es einen religiösen Anlass? So wie etwa bei Esmas Lieblingsgericht: "Asure, das ist eine türkische Nachspeise, die aus sieben bis 41 Zutaten besteht. Diese Zahlen sind bedeutungsvoll im arabischen Kulturraum."

Für die Schülerinnen und Schüler war das Projekt "Kochbuch" mehr als Unterricht. So auch für die 14-jährige Defne: "Man nimmt viele internationale Rezepte mit, lernt andere Kulturen kennen. Das ist richtig schön."

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