BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
© BR / Lui Knoll
Bildrechte: Eavor

In Geretsried könnte bald mit einer neuen Technik Energie in der Tiefe gewonnen werden. Eine kanadische Firma will mit einem Unternehmen aus Kirchseeon das Geothermie-Projekt am tiefsten Bohrloch Europas fortsetzen.

3
Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Geothermie in Geretsried: Neue Technik für nachhaltige Energie

In Geretsried könnte bald mit einer neuen Technik Energie in der Tiefe gewonnen werden. Eine kanadische Firma will mit einem Unternehmen aus Kirchseeon das Geothermie-Projekt am tiefsten Bohrloch Europas fortsetzen.

Von
Lui KnollLui Knoll
3
Per Mail sharen

Die Bürgerstiftung "Energie-Wende Oberland" hat zur Information über die neue Geothermie-Technik die Bevölkerung von Geretsried zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Eavor-Loop heißt die neue Technik, bei der in einem geschlossenen Leitungssystem Flüssigkeit in die Tiefe geführt wird und an der Oberfläche saubere Energie gewonnen werden soll.

Fußbodenheizung in 4,5 Kilometern Tiefe

Wie eine Fußbodenheizung wird das Leitungssystem in 4.500 Metern Tiefe verlegt. In den heißen Gesteinsschichten wird die Flüssigkeit auf 120 Grad Celsius erwärmt und steigt ohne die Hilfe elektrischer Pumpen, also ohne zusätzlichen Energieaufwand, wieder an die Erdoberfläche. Bei der neuen Technik wird kein heißes Wasser aus tieferen Schichten gewonnen, die Tektonik im Untergrund bleibt deshalb stabil.

Ideale Bedingungen für Geothermie in Geretsried

Daniel Mölk vom kanadischen Investor Eavor Technologies sagte dem Bayerischen Rundfunk, Geretsried weise ideale Bedingungen für die neue Technik aus. So seien die Probebohrungen 2013 und 2017 zwar ohne Ergebnis abgebrochen worden, doch seien die Gesteinsschichten mit bis zu 170 Grad Erdwärme ideal, um damit Energie zu gewinnen. 200 Millionen Euro kostet der Bau von vier Rohrsystemen im Gestein tief in der Erde und des Kraftwerks auf dem bestehenden Bohrgelände, das daraus bis zu 8 Megawatt elektrische Energie liefern kann. Wenn die Stadt Geretsried die Energie als Fernwärme nutzt, wird weniger Strom an die Netze abgegeben.

Erste Bohrung in Geretsried im Jahr 2022

Der Stadtrat hat sein Interesse am Bau eines Fernwärmenetzes bestätigt. Die Energie-Wende Oberland hat errechnet, dass mit der gewonnenen sauberen Energie pro Jahr 40.000 Tonnen CO2 eingespart werden können. Das Genehmigungsverfahren über das Bergamt Süd bei der Regierung von Oberbayern sei in der entscheidenden Phase. Wenn alles so verläuft, wie es die Investoren und Betreiber erhoffen, soll im Frühjahr 2022 mit dem Bau der ersten Bohrung begonnen werden. Insgesamt sind vier sogenannte Loops mit jeweils zwei Bohrlöchern geplant. Die Technik wird erstmals in Deutschland eingesetzt. Das kanadische Technikunternehmen Eavor Technologies hat in den Rocky Mountains ein Probekraftwerk in Betrieb. Die neue Technik in Geretsried könnte weltweit eine neue Entwicklung in der Gewinnung thermischer Energie einleiten.

© BR/Lui Knoll

Bohrplatz zwischen Gelting und Geretsried im Mai 2020.

© Eavor

Geothermieprojekt der Firma Eavor. (Entwurf)

© Eavor

Geothermieprojekt der Firma Eavor. (Entwurf)

© BR/Günther Rehm

Geothermie in München.

"Hier ist Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

BAYERN 1 am Morgen

Schlagwörter