Einsatzkräfte üben mit Förstern den Notfall
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Sicherheitstraining in Freisinger Forst

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Unfall im Wald - Sicherheitstraining im Freisinger Forst

Die Forstwirtschaft zählt zu den gefährlichsten Arbeitsbereichen. Seit Jahren sind die Unfallzahlen hoch. Um das zu ändern, bietet die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Gefahrenübungen an.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Ein schwüler Morgen im Weltwald bei Freising. Über 100 angehende, aber auch schon ausgelernte Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rotem Kreuz haben sich zum Sicherheitstraining eingefunden.

Die Lehrbeauftragen Florian Rauschmayr und Ralph Kisslinger führen das Gefahrentraining heute durch. Beide sind schon lange in der Forstwirtschaft tätig und haben zusätzlich viel Erfahrung als Rettungsassistenten. Sie wissen, was für Gefahren im Wald lauern.

"Wir haben im Wald mit vielen Problemen zu kämpfen: Klimawandel, Trockenheit, Borkenkäferbefall. Unter anderem daraus resultieren hohe Unfallzahlen. Im letzten Jahr gab es 30 Todesfälle in Deutschland. Außerdem fünf- bis sechstausend schwere Unfälle bei der Waldarbeit." Florian Rauschmayr

Wo geht's hier zum Rettungstreffpunkt?

Das größte Problem bei einem Unfall ist die Koordination und Logistik der verschiedenen Rettungskräfte im Waldgebiet. Diese Aufgabe fällt dem Forstigenieur zu. Essenziell für die Koordination sind sogenannte Rettungstreffpunkte. Von dort werden Feuerwehr, Sanitäter und Notärzte vom Förster zum Unfallort gelotst. Denn ohne Revierkenntnis würden die Einsatzkräfte den Verletzten bei über tausend Hektar Waldfläche kaum finden, geschweige denn retten können.

Im Ernstfall zählt jede Sekunde!

Testanruf bei der angehenden Forstingenieurin Laura Pöhn: Schwerer Forstunfall! Bei Waldarbeiten ist ein Baum auf einen der Kollegen gefallen! Jetzt muss es schnell gehen. Die Feuerwehr wartet bereits am vereinbarten Treffpunkt, aber werden noch andere Einsatzkräfte eintreffen? Und wenn ja, soll sie auf deren Ankunft warten? Laura Pöhn entscheidet sich, die Feuerwehrleute so schnell wie möglich zum Einsatzort zu lotsen. Pöhn springt in ihren Seat Ibiza und fährt dem Feuerwehrauto voraus zum Unfallort.

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Angehende Forstingenieurin Laura Pöhn im Probe-Einsatz

"Jetzt schießt der Puls schon ganz schön nach oben. Mit so viel Blaulicht fühlt es sich nicht mehr wie eine Übung an." Laura Pöhn, angehende Forstingenieurin

Koordination und Logistik im Forststraßen-Labyrinth

Auf der Fahrt geht es die verschachtelten Forstwege entlang. Plötzlich sieht Pöhn das Feuerwehrauto nicht mehr im Rückspiegel. Also Rückwärtsgang einlegen und zurück zur Kreuzung. Der Einsatzwagen kann jetzt wieder folgen, aber da lauert das nächste Problem. Wanderer haben ihre Fahrräder so abgestellt, dass das Feuerwehrauto nicht durchkommt. Das kostet wieder kostbare Sekunden. Am Unfallort angekommen bekommt Pöhn die Info: Noch weitere Einsatzkräfte warten am Rettungstreffpunkt. Ein typisches Problem: Denn die verschiedenen Einsatzkräfte kommen nicht zur gleichen Zeit an und müssen daher koordiniert werden.

Befreiung des "Opfers" mit Motorsäge

Inzwischen sind alle Einsatzkräfte vor Ort. Auch wenn dieses Mal nur eine lebensgroße Puppe unter dem Baum eingeklemmt ist, spielen die Einsatzkräfte den Fall durch als wäre er Realität. Das heißt in diesem Fall: Befreiung des Opfers mit einer Motorsäge, Wiederbelebung und Transport in den Krankenwagen durch dickes Gestrüpp. Beim letzten Schritt ist wieder Laura Pöhn gefragt: Sie muss den Rückweg sichern und begehbar machen. Das heißt zum Beispiel auch Äste wegsägen.

Mit dem Übungseinsatz zufrieden

Nach knapp 40 Minuten liegt die lebensgroße Puppe im Rettungswagen. Anwärterin Laura Pöhn und der Lehrbeauftragte Florian Rauschmayr sind zufrieden. Bis auf ein paar wenige Fehler hat die Koordinationskette der Einsatzhelfer gut funktioniert. Pöhns Puls hat sich inzwischen wieder im Normalbereich eingependelt. Sie ist sich sicher, die Fehler, die sie heute bei der Übung gemacht hat, wird sie später im echten Berufsleben als Revierleiterin nicht nochmal machen.

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