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Faschingsdienstag am Viktualienmarkt: Kein Tanz, viel Hoffnung | BR24

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Bildrechte: BR / Sandra Demmelhuber

Normalweise ist die Münchner Innenstadt im Fasching eine Partymeile. Doch dieses Jahr ist coronabedingt alles anders - sehr zum Leidwesen aller Jecken.

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Faschingsdienstag am Viktualienmarkt: Kein Tanz, viel Hoffnung

Eigentlich ist es ja der traditionelle Höhepunkt im Münchner Fasching: Der "Tanz der Marktweiber" auf dem Viktualienmarkt. Wegen der Corona- Pandemie wurde die Veranstaltung aber schon im November abgesagt. Vor Ort war die Stimmung heute bedrückt.

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Von
  • Sandra Demmelhuber

Faschingsdienstag, 11 Uhr am Münchner Viktualienmarkt: Zwischen den Standln laufen fast nur Verkäuferinnen und Verkäufer umher - unverkleidet. Ein paar einzelne Besucher sind unterwegs, einige von ihnen haben einen Krapfen in der Hand. Ansonsten sind die Gassen zwischen den Verkaufsbuden fast leer - keine Musik, kein fröhliches Faschingstreiben, nur die nahen Kirchenglocken sind zu hören.

Tanz seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Münchner Faschings

Eigentlich wäre der Markt schon seit Stunden voll mit Faschingsfans, Reportern und Kamerateams. Eigentlich hätte um 10.30 Uhr das Bühnenprogramm begonnen. Eigentlich würden pünktlich um 11.30 Uhr die Marktfrauen unter dem Jubel der Menge ihren lange zuvor einstudierten Tanz aufführen - so wie seit vielen Jahrzehnten und sogar noch im letzten Jahr, als Corona schon in der Tür stand.

"Es wäre schrecklich, wenn das nächstes Jahr wieder ausfallen würde"

Die Stimmung bei den drei Marktfrauen, mit denen wir uns zu einem Interview verabredet haben, ist gedrückt. Immerhin sind sie ein bisschen verkleidet, bringen durch die bunten Hüte und Blumen ein bisschen Stimmung in den grauen Vormittag. Ein paar Passanten drehen sich sich um und machen Fotos.

Eine der Frauen ist Christine Lang. Sie hat früher selbst Blumen auf dem Viktualienmarkt verkauft. Mittlerweile ist sie zwar in Rente, doch seit 31 Jahren organisiert sie den "Tanz der Marktweiber".

Ihre größte Hoffnung ist, dass nächstes Jahr wieder alles ganz normal wird - schließlich treten die Marktfrauen nicht nur einmal auf dem Viktualienmarkt auf, sie besuchen auch Altenheime oder andere Einrichtungen, um den Menschen mit ihrem Programm eine Freude zu machen.

„Ja, das hoffen wir natürlich ganz schwer, dass auch die Tradition nicht vorbeigeht. Weil wenn das wieder ausfallen würde, das wäre ja schrecklich. Und das ist ja auch mit den ganzen Leuten, die kommen, viele sitzen ja auch daheim, sind depressiv und können nicht raus, das macht natürlich alles was aus. Dadurch hoffen wir schon, dass wir 2022 wieder da sind und unser Tanzbein schwingen können.“ Marktfrau Christine Lang
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Christine Lang organisiert seit 31 Jahren den "Tanz der Marktweiber".

Faschingsdienstag am Viktualienmarkt: "Eine Art Pflichttermin" in München

An einer Bäckerei stehen zwei ältere Besucher ein bisschen verloren rum. Die Männer haben eine Thermoskanne dabei und trinken Kaffee, während sie auf die Stände blicken. Die beiden, Rolf Schwindler und Günter Vikari, erzählen, dass es für sie - für "waschechte Münchner", wie sie sagen - vollkommen normal sei, dass man am Faschingsdienstag zum "Tanz der Marktweiber" geht. Das sei einfach "so eine Art Pflichttermin" hier in München.

"Gerade am Viktualienmarkt gehört das dazu. Ein bisschen was wäre nicht schlecht gewesen, ein paar Maskierte und so. Das ist wirklich schade.“ Marktbesucher Rolf Schwindler
"Ja, das muss ich auch sagen. Noch dazu, wo ich persönlich eine Marktfrau kenne, die mitgetanzt hat. Das ist so vieles, auf das wir momentan verzichten müssen und wir können nur hoffen, dass irgendwann mal wieder normale Zeiten einkehren.“ Marktbesucher Günter Vikari

Keine Faschingsstimmung in München

Während mancherorts trotz Corona die eine oder andere Faschingsveranstaltung geboten ist, ist die Stimmung im Zentrum der Millionenstadt München eher bedrückend. Es sind keine verkleideten Menschen oder Verkäuferinnen und Verkäufer auf dem Markt unterwegs, gute Laune und ausgelassene Stimmung sucht man auch vergebens.

Eines gibt es aber: Hoffnung, dass es nächstes Jahr wieder so wird wie früher. Mit dem "Tanz der Marktweiber" als Höhepunkt des Münchner Faschings.

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