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#Faktenfuchs: Muss all dieses Plastik wirklich sein? | BR24

© Blume Bild Verlag

Spargel wird in Bayern oft unter Plastikfolien angebaut, damit er schneller wächst.

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    #Faktenfuchs: Muss all dieses Plastik wirklich sein?

    BR24 hat seine Nutzer gebeten, Fotos von unnötigem Plastik zu machen und einzusenden. Der Faktenfuchs hat drei Beispiele herausgegriffen und sich nach umweltfreundlicheren Lösungen umgesehen.

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    Wer rettet das Klima? Was können wir als Einzelne dazu beitragen? Ein Teil der Lösung liegt darin, die Plastikmenge zu reduzieren. Gerade bei Verpackungen ist Plastik noch weit verbreitet. Doch die Herstellung von Plastikverpackungen verbraucht Energie, die teilweise immer noch aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Ein Großteil der Plastikverpackungen landet nach einmaligen Gebrauch im Müll. Nur 36 Prozent der Kunststoffverpackungen werden recycelt. Der Rest wird verbrannt, dabei wird klimaschädliches CO2 ausgestoßen.

    Am besten Unverpacktes kaufen

    Deswegen ist es nach Ansicht des Umweltbundesamtes aus Klima- und Umweltschutzsicht wichtig, mehr Kunststoffabfälle zu recyceln. Mehrweg-Systeme, wie es sie zum Beispiel für Plastik-Pfandflaschen gibt, können dazu beitragen, dass weniger Verpackungsabfälle anfallen. "Die beste Lösung ist die Abfallvermeidung, also der Kauf unverpackter Produkte", sagt eine Sprecherin des bayerischen Landesamtes für Umwelt. Wenn sich Plastik nicht vermeiden oder recyceln lässt, kann man Kunststoffe aus biologisch abbaubaren Materialien verwenden.

    Im Rahmen des BR-Thementages Klimaschutz hat der BR seine Nutzer aufgerufen, Beispiele einzureichen: Wo wird unnötig viel Plastik verwendet? Wir haben drei Beispiele herausgegriffen und uns nach umweltfreundlicheren Alternativen umgesehen.

    © Josef Oestreicher

    Blumentöpfe sind oft aus Plastik, ebenso wie die Palette, in der sie verkauft werden.

    1. Blumentöpfe aus Plastik

    BR24-Nutzer Josef O. aus Karlstadt schreibt: "Alle Pflanzen in Garten- und Baumärkte werden in Plastiktöpfen verkauft. Könnte man nicht im Verkauf biologisch abbaubare Gefäße verwenden oder vorschreiben? Am besten wäre es, wenn man sie in die Erde mit einsetzen könnte. Selbst in meinem kleinen Garten entsteht dadurch viel Plastikabfall."

    Das, was Josef O. sich wünscht, gibt es bereits: Töpfe aus Holzfasern werden mit eingepflanzt. Die darin befindliche Pflanze kann durch die Topfwand hindurch wurzeln. Die Töpfe verrotten innerhalb einiger Monate.

    Darüber hinaus gibt es Pflanztöpfe aus Bio-Kunststoffen, also Kunststoffen, die aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden. Viele Hersteller werben damit, dass solche Töpfe "biologisch abbaubar" sind. Biologisch abbaubar heißt allerdings nicht, dass sie kompostierbar sind. "Manche dieser Bio-Kunststoffe sind nur industriell kompostierbar, also bei Temperaturen von 60 bis 70 Grad", sagt Nico Arbeck, Experte für Biokunststoffe beim Centralen Agrar-Rohstoff Marketing und Energie-Netzwerk CARMEN in Straubing zu BR24. Der Kompostvorgang dauere dabei etwa vier Wochen. Auf dem Komposthaufen im heimischen Garten werden nur Temperaturen von 30-35 Grad erzielt, hier dauert die Kompostierung etwa ein Jahr. Wer also einen als "biologisch abbaubar" beworbenen Pflanztopf kauft, sollte sich erkundigen, ob der Topf aus leicht kompostierbarem Material besteht, zum Beispiel aus Polymilchsäuren (PLA).

    Eine Alternative sind Mehrwegpflanztöpfe, die etwas stabiler sind als die Einwegpflanztöpfe. Im mittelfränkischen Schwabach gibt es zum Beispiel eine Gärtnerei, die seit diesem Jahr sechs Cent Pfand auf die Mehrwegpflanztöpfe erhebt. Seit der Einführung des Pfandsystems haben die Kunden nach Angaben von Geschäftsführer Heino Schwarz 70.000 Töpfe zurückgebracht, was einer Quote von 60 Prozent entspricht.

    Wir wollten von zwei Pflanzencentern wissen, wie viele Plastiktöpfe sie verwenden und welche Alternativen sie im Angebot haben: Dehner teilte mit, dass es "wegen der Hochsaison momentan keine Kapazität gibt, Ihre Fragen zu beantworten". Pflanzen Kölle antwortete auch auf Nachfrage innerhalb von zwei Tagen nicht.

    © Werner Binkowski

    Bei Sturm können sich Plastikfolien von Spargelfeldern lösen und in Bäumen hängen bleiben. Dieses Bild hat einer unserer Nutzer eingereicht.

    2. Folienspargel

    BR24-Nutzer Werner B. aus Biburg stört sich an den vielen Plastikfolien, die im Spargelanbau eingesetzt werden und sich nach starkem Wind teilweise in Bäumen verfangen. Er schreibt: "Das ist in Niederbayern, das Land der Spargelbauern, teilweise werden auch Folien eingepflügt."

    Viele bayerische Bauern decken ihre Spargeldämme mit Folien aus Plastik ab, damit sich der Boden aufheizt und der Spargel schneller reift. So können Spargelanbauer früher mit der Ernte beginnen und niedrige Temperaturen ausgleichen. Die Abdeckungen werden nach Angaben des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) zwischen fünf und zehn Jahre lang verwendet. "Wenn die Bauern auf den Einsatz der Folien verzichten würden, würde das kürzere Saisonzeiten, geringere Verfügbarkeit, höhere Preise und mehr Pflanzenschutzmittel bedeuten", sagt BBV-Pressesprecher Markus Peters.

    Es gibt auch biologisch abbaubare Folien für Spargel. Diese sogenannten Mulchfolien bestehen aus Maisstärke, die mit PLA oder PBAT gemischt wird, damit sie wasserabweisend ist. Die Mulchfolien verrotten innerhalb weniger Monate im Boden. "Der große Vorteil von Mulchfolien besteht darin, dass sie nicht vom Acker geräumt werden müssen", sagt Bio-Kunststoff-Experte Nico Arbeck von CARMEN. Bei herkömmlichen Folien würden immer Fetzen im Boden hängenbleiben und für eine Kunststoffablagerung im Boden sorgen. Eine Mulchfolie kostet in etwa doppelt so viel wie eine herkömmliche Spargelfolie. Der Mehrpreis werde aber zumindest teilweise durch die Arbeitsersparnis ausgeglichen, da die Mulchfolie ja nicht mehr entfernt werden müsse, so Arbeck.

    Spargelbauern können auch komplett auf Folien verzichten, was laut BBV-Sprecher Peters eine "verkürzte und spätere Saison" zur Folge habe. Spargelbauern, die ganz auf die Folie verzichten, sind die Ausnahme.

    © picture alliance

    Ein Großteil der Verpackungen von Fast-Food-Ketten besteht ganz oder teilweise aus Plastik

    3. Eisbecher aus Plastik

    BR24-Leserin Bettina P. aus Nürnberg schreibt uns: "McSundae Eis von McDonalds wird in einem Plastikbecher mit Plastikdeckel und einem Plastiklöffel verpackt, in Plastikfolie serviert, bzw. zum Mitnehmen so umweltverschmutzend für einen Euro verkauft."

    Im März hat das Europäische Parlament ein Verbot für eine Reihe von Einweg-Kunststoffartikeln beschlossen: Für Schnellrestaurants wie McDonald’s bedeutet das, dass bis 2021 Strohhalme und Besteck aus Plastik aus dem Sortiment verschwinden müssen. Einweg-Plastikbecher sind zwar nicht davon betroffen, sollen aber auch reduziert werden.

    McDonald’s bietet momentan verschiedene Eisprodukte an. Bei einem soll im Laufe des Jahres 2020 der Plastikdeckel entfallen und der Plastiklöffel durch eine Version aus Holz ersetzt werden, wie eine Sprecherin zu BR24 sagt. Das oben genannte Eis soll "durch eine nachhaltigere Lösung" ersetzt werden, wie die genau aussehen soll, verrät das Unternehmen aber noch nicht. Eine naheliegende Variante wäre eine Waffel. Tatsächlich wurde dieses Produkt früher in einer Waffel serviert. Weil es bei der Anlieferung "immer wieder zu großen Bruchmengen kam", wurde die Waffel durch den Plastikbecher ersetzt. Auch die Glutenunverträglichkeit mancher Kunden spiele bei der Entscheidung gegen die Waffel eine Rolle, so die Sprecherin.

    Laut Holger Beeck, Vorstandsvorsitzender von McDonald’s Deutschland, strebt das Unternehmen an, dass bis 2025 alle Verpackungsmaterialien aus erneuerbaren, recycelten oder zertifizierten Quellen stammen.

    Fazit

    Für Pflanztöpfe gibt es verschiedene umweltfreundlichere Alternativen, etwa Töpfe aus Holzfasern oder kompostierbare Töpfe. Ressourcen spart auch ein Mehrwegsystem für Pflanztöpfe. Beim Spargel gibt es biologisch abbaubare Mulchfolien, manche Bauern verzichten ganz auf die Folie, nehmen aber dafür eine kürzere Saison in Kauf. McDonald’s ist dabei, den Plastikanteil an seinen Eisbechern zu reduzieren. Es gibt also durchaus umweltfreundlichere Alternativen, allerdings haben sie sich noch nicht durchgesetzt.