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Drohender Hausärztemangel im Spessart | BR24

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Drohender Ärztemangel im Spessart

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Drohender Hausärztemangel im Spessart

"Zukunft der hausärztlichen Versorgung in der Kommunalen Allianz Kahlgrund-Spessart" – unter dem Titel wurde am Abend in Geiselbach im Landkreis Aschaffenburg heiß diskutiert. Hintergrund ist der drohende Ärztemangel in der Region.

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Rund 100 Interessierte – Ärzte, Politiker, Apotheker, Vertreter der Krankenhäuser und Bürger – sind am Mittwoch zur Auftaktveranstaltung "Zukunft der hausärztlichen Versorgung in der Kommunalen Allianz Kahlgrund-Spessart" gekommen. Die Plätze im Geiselbacher Musikerheim waren bis auf den letzten Platz besetzt.

"Wir dürfen nicht mehr warten"

"Derzeit sind wir noch gut aufgestellt, doch viele unserer Ärzte sind über 50 oder 60 Jahre alt, und wenn wir da warten noch fünf oder zehn Jahre, dann ist es zu spät!" Reiner Pistner, Bürgermeister von Schöllkrippen und Sprecher der Allianz Kahlgrund-Spessart.

Zehn Gemeinden gehören der Allianz an und sie hatten zu der Auftaktveranstaltung geladen, weil sie Maßnahmen auf den Weg bringen wollen, um die hausärztliche Versorgung auch in Zukunft auf sicheren Beinen zu wissen. "Wir müssen Abschied nehmen von der Kirchturmpolitik, vom Irrglauben, dass es immer einen Hausarzt ums Eck geben wird. Wir müssen neue kreative Wege gehen und freuen uns, einen deutschlandweit agierenden Fachmann an unserer Seite zu wissen, der nun ein Gutachten erstellen wird, welche Maßnahmen für unsere Region Sinn machen.", so Pistner gegenüber dem BR.

Anwalt: Bevölkerung gefordert

Der Fachmann ist Hans-Joachim Stade, Fachanwalt für Medizinrecht von der Kanzlei Broglie, Schade & Partner GbR. Er machte in seinem Vortrag über das Thema "Hausärztliche Versorgung auf dem Land" deutlich, dass die Bevölkerung gefordert sein wird, umzudenken. Seit 10 Jahren werde nur die Hälfte des Bedarfs an Hausärzten in Deutschland ausgebildet – statt 2.400 seien es nur 1.200. Für die Region Kahlgrund-Spessart bedeute das: In fünf Jahren werden von aktuell 21 Hausarztpraxen noch elf übrig sein. Nachfolger zu finden gestalte sich schwer. Acht Praxen für 8.000 Patienten und 14.000 Einwohner insgesamt können Schade zufolge nicht nachbesetzt werden.

"Hier gilt es kurzfristig Maßnahmen zu finden. Im Moment brennt es. Bis die anderen Maßnahmen wie Weiterbildungen oder Studenten aufs Land wirken, werden 15 Jahren vergehen. Es muss gestartet werden über die Sensibilisierung der Bevölkerung, der Kommunen, um aus verschiedenen Möglichkeiten die für die Region auszuwählen." Hans-Joachim Stade, Fachanwalt für Medizinrecht

Großpraxen, Kooperationen zwischen Ärzten und Krankenhäusern, Telemedizin – Schade nennt einige Beispiele, wie dem Ärztemangel auf dem Land entgegengewirkt werden könne. Doch es brauche eine Bevölkerung, die bereit sei, umzudenken und ein regionales Gesundheitsnetz, bei dem alle Akteure an einem Strang zögen – Ärzte, Krankenhäuser, Kommunen und Kassenärztliche Vereinigung.