Das Römerkastell Abusina an der Donau.

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Donaulimes wird Welterbe

Donaulimes wird Welterbe

Die Unesco hat den Donaulimes zum Weltkulturerbe erklärt. Im bayerischen Abschnitt erstreckt sich der römische Grenzwall von Bad Gögging im Landkreis Kelheim über Regensburg und Straubing bis nach Passau.

Das Unesco-Welterbekomitee hat auf seiner 44. Sitzung den Donaulimes in die Welterbeliste aufgenommen. Den entsprechenden Antrag hatten Deutschland, Österreich, Ungarn und die Slowakei hatten gemeinsam eingereicht.

Ungarn steigt kurzfristig aus

Am Montag noch hatte sich das Unesco-Welterbekomitee allerdings dagegen entschieden, den Titel Welterbe zu verleihen. Der Grund: Ungarn hatte sich kurzfristig zurückgezogen, woraufhin nur noch der Donaulimes in Bayern, Österreich und in der Slowakei zur Debatte stand.

Gerade deshalb wurde die Entscheidung mit Spannung erwartet. Doch die Unesco störte sich offenbar nicht daran, dass die ungarischen Kastelle entlang der Donau ausgeklammert werden.

Neun Welterbeteilstätten in Ostbayern

Der Donaulimes als Teil der römischen Grenze erstreckt sich über mehrere Orte in Niederbayern und der Oberpfalz: Von Bad Gögging im Landkreis Kelheim über Regensburg und Straubing bis nach Passau. Von dort geht er weiter bis ans Schwarze Meer. In Niederbayern und der Oberpfalz gibt es damit jetzt neun sogenannte Welterbeteilstätten:

  • Bad Gögging – Heilbad (Stadt Neustadt an der Donau/Bad Gögging)
  • Eining-Weinberg – Wachturm und Heiligtum (Stadt Neustadt an der Donau/Eining)
  • Weltenburg-Galget – Kleinkastell (Stadt Kelheim/Weltenburg)
  • Regensburg Großprüfening – Kastell und Vicus (Stadt Regensburg)
  • Regensburg Kumpfmühl – Kastell und Vicus (Stadt Regensburg)
  • Regensburg – Legionslager (Stadt Regensburg)
  • Straubing – Ostkastell und Kastell St. Peter (Stadt Straubing)
  • Künzing – Amphitheater und Vicus (Künzing)
  • Passau Altstadt – Kastell/Passau Boiotro – Kastell/Passau Haibach – Burgus (Stadt Passau)

Verlauf des Donaulimes in Bayern

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Große Freude über Auszeichnung

Die Freude in der Region ist groß. Thomas Maurer, der Leiter des Passauer Römermuseums, reagierte geradezu euphorisch auf die Entscheidung des Unesco-Welterbekomitees: "Das war nach den schweren Geburtswehen ja kaum noch zu glauben. Die Wehen waren sehr lange, aber das Baby ist gesund. Der Donaulimes ist Weltkulturerbe. Da haben viele darauf hingearbeitet." Es werde einen Schub für Passau und das Römermuseum geben, zum Beispiel durch mehr Besucher. Außerdem rückten auch die nicht sichtbaren römischen Denkmäler im Boden mehr in den Mittelpunkt.

Endlich werde auch der Donaulimes als Grenze erkennbar und verstanden. "Der Hadrianswall in Großbritannien ist ja schon Kulturerbe. Da hat man Hang und Graben, das kann man viel leichter als Grenze erkennen. Bei der Donau ist der Fluss selbst die Grenze. Und viele hundert Kastelle und Zivilsiedlungen, die an dem Fluss lagen. Das in Verbindung zu bringen, fällt schwer. Jetzt werden Zusammenhang und Zusammenhalt erkennbar."

Hoffnung auf Schub für den Tourismus

Maurer geht davon aus, dass die Welterbe-Stätten in Bayern von dem Titel touristisch profitieren werden. Es gebe Touristen, die nur Welterbe-Stätten abklappern. Die würden nun auch nach Passau kommen, hofft er.

Mehr Touristen für die Region erwartet auch Michael Braun, der Vorstand des Tourismusverbandes Ostbayern mit Sitz in Regensburg. "Der Titel Unesco-Welterbe schafft neue Interessierte und neue Gäste für Niederbayern und die Städte an der Donau. Die römische Geschichte entlang unseres Donauabschnitts verlässt den regionalen Charakter und wird Teil der Weltgeschichte", gab sich Braun überzeugt.

Ähnlich äußerte sich der Passauer Landrat Raimund Kneidinger (CSU): "Das weltweit anerkannte Siegel des Weltkulturerbes ist ein starker Impuls sowohl für den Qualitäts-Tourismus, auf den wir setzen, als auch für die gute Zusammenarbeit mit den Touristikern an der österreichischen Donau."

Auch kleinere Orte könnten profitieren

Museums-Leiter Maurer glaubt derweil, dass vor allem kleinere und bislang eher unbekannte Orte entlang des Donaulimes profitieren.

So hatte man auch in Künzing auf die Auszeichnung gehofft. Hier wurde beispielsweise eines von nur zwei hölzernen Amphitheatern in Deutschland gefunden. Die Entdeckung der Überreste im Boden war eine Sensation. Die Umrisse hat die Gemeinde mit Holzpfählen rekonstruiert. So können sich Besucher besser vorstellen, wie die Menschen damals auf der Tribüne jubelten, während in der Arena Tiere oder Gladiatoren kämpften.

Auch die Museen entlang des Donaulimes zeigen Funde aus der Römerzeit. Im Straubinger Gäubodenmuseum beispielsweise sind Gegenstände vom Gelände des Ostkastells zu sehen, das unter einem bewirtschafteten Acker verborgen liegt.

3D-Rekonstruktion des Ostkastells für das Gäubodenmuseum Straubing: Steinbauphase aus der Mitte des 2. Jh. n. Chr.

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Limes als paneuropäisches Welterbe

Die Welterbe-Auszeichnung beschränkt sich aber nicht allein auf den bayerischen Abschnitt. Die Unesco hat den gesamten westlichen Teil des sogenannten Donaulimes auf die Liste gesetzt. Er verläuft durch mehrere Länder entlang der Donau. Ihre Grenze hatten die Römer mit Kastellen, Wachtürmen und Festungen gesichert.

Der sich im Norden anschließende Obergermanisch-Raetische Limes war bereits 2005 zum Weltkulturerbe ernannt worden, als Teil der Welterbestätte "Grenzanlagen des Römischen Reichs". Auch hier ist Bayern tangiert: Der 550 Kilometer lange Abschnitt der ehemaligen Außengrenze des Römischen Reichs erstreckt sich zwischen Rhein und Donau, bis zum Kastell Eining an der Donau.

Staatsministerin Müntefering fordert Ergänzung

Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, sieht mit der Ernennung die Arbeit am Projekt Donaulimes noch nicht beendet: "Nun gilt es, die westlichen Abschnitte des Limes um Stätten im östlichen Segment der Donau zu ergänzen", betonte sie in einer Mitteilung der deutschen Unesco-Kommission. Zugleich sieht sie die Auszeichnung auch in anderer Hinsicht als bedeutsam: "Mit dem Donaulimes wird nicht nur eine besondere Denkmallandschaft ausgezeichnet, sondern auch die langjährige Zusammenarbeit mit Österreich und der Slowakei gewürdigt."

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