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Prozess gegen sogenannten Georgensgmünder Reichsbürger

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"Reichsbürger" hielt Polizisten angeblich für Einbrecher

Der Prozess gegen den "Reichsbürger" von Georgensgmünd hat unter hohen Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Der Mann soll einen Polizisten erschossen haben. Die Anwältin des Angeklagten weist den Mordvorwurf aber zurück. Von Andi Ebert und Inga Pflug

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Wie es zu der Anklage kommen konnte, "ist für uns unklar", sagte Susanne Koller, die Pflichtverteidigerin des Angeklagten. Ihr Mandant sei im vergangenen Oktober davon ausgegangen, dass Einbrecher in seine Wohnung wollten. Er habe weder Polizeirufe noch ein Martinshorn gehört. Auch die Nachbarn hätten nichts von einem Polizeieinsatz mitbekommen, so Koller.

Verteidigung: Polizeieinsatz "gnadenlos schiefgegangen"

Ihrem Mandanten gehe es nicht gut, so Koller. Er würde sich auch nicht als Reichsbürger sehen, sondern als "Mensch". Koller kritisierte zudem den harten Polizeieinsatz. Man hätte ihren Mandanten auch auf der Straße oder im Sportverein völlig unbewaffnet festnehmen können. Den Polizeieinsatz bezeichnete sie als "gnadenlos schiefgegangen" und als Desaster.

Angeklagter äußert sich zunächst nicht

Der erste Prozesstag begann mit einer Viertelstunde Verspätung. Der Angeklagte Wolfgang P. äußerte sich zunächst nicht zur Tat. Er nannte weder seine Personalien, noch machte er eine Aussage. Die Vorsitzende Richterin glich deshalb seine Personalien mit einem abgelaufenen Personalausweis ab – der Angeklagte Wolfgang P. bestätigte dazu lediglich, "dass die Person anwesend ist".

Der Verlesung der Anklageschrift folgte der kahlköpfige Mann aufmerksam, aber weitestgehend teilnahmslos. Die Beschreibung des SEK-Einsatzes durch den Staatsanwalt quittierte der Angeklagte stellenweise mit Kopfschütteln.

Ein Verschwörungstheoretiker

Ein Gutachter zitierte den Angeklagten mit den Worten, er habe bei dem Einsatz geglaubt, der Dritte Weltkrieg sei ausgebrochen. Der Gerichtspsychologe beschrieb Wolfgang P. weiter als freundlich auftretenden, interessierten Mann, der viel Zeit mit Internetrecherchen verbringe und Wert auf seine Sicherheit lege. Unter anderem habe der Angeklagte 1.000 Liter Diesel im Keller bevorratet und sich auch mit Waffen und Lebensmitteln eingedeckt, um für etwaige Angriffe gewappnet zu sein. In seiner Freizeit habe sich der ehemalige Finanzberater und Kampfsport-Trainer unter anderem mit Verschwörungstheorien beschäftigt.

Kurzer Verhandlungstag

Zeugen wurden am ersten Prozesstag nicht gehört. Nach einer guten Stunde wurde die Verhandlung unterbrochen. Am 2. Prozesstag (30.08.17) sollen die am Einsatz beteiligten Polizisten befragt werden.

Vorwurf: Mord und versuchter Mord

Der sogenannte Reichsbürger von Georgensgmünd muss sich vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Wolfgang P. wird Mord und versuchter Mord sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft ist zudem überzeugt, dass der 49-Jährige möglichst viele Polizisten verletzen oder töten wollte.

32-jähriger Polizist stirbt

Im Oktober 2016 stürmten vier Polizisten eines Spezialeinsatzkommandos das Wohnhaus. Wolfgang P. trug eine schusssichere Weste und verschanzte sich schwer bewaffnet in seiner Wohnung. Durch die teilverglaste Tür habe er dann elf Schüsse abgefeuert, so die Staatsanwaltschaft. Ein 32 Jahre alter Beamter wurde getroffen und starb einen Tag später im Krankenhaus. Drei weitere Beamten wurden beim Einsatz zum Teil schwer verletzt.