BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Ina Fassbender

Gruppen von Vätern ziehen am Vatertag mit Bollerwagen und Bier um die Häuser.

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Christi Himmelfahrt und Vatertag – eine (un)heilige Allianz?

An Christi Himmelfahrt ist gleichzeitig auch Vatertag, an dem traditionell Gruppen von Papas mit Bollerwagen und Bier um die Häuser ziehen. Warum betrinken sich Gruppen von Vätern an dem Tag, an dem Jesu Auffahrt in den Himmel gefeiert wird?

1
Per Mail sharen
Von
  • Julia Mumelter
  • Andrea Neumeier

40 Tage nach Ostern feiern Christen das Fest Christi Himmelfahrt. Damals soll Jesus laut der Apostelgeschichte vor den Augen seiner Jünger in den Himmel emporgehoben, von einer Wolke aufgenommen und damit in die göttliche Herrlichkeit eingetreten sein. Die Himmelfahrt meint den "endgültigen Eintritt der menschlichen Natur Jesu in die göttliche Herrlichkeit", heißt es im Katechismus. Die Feier der Himmelfahrt Christi war in den ersten Jahrhunderten mit dem Pfingstfest verbunden. Erst seit dem vierten Jahrhundert entwickelte sich ein eigenständiges Fest.

Vatertagstradition: Mit Bier um die Häuser ziehen

Mit der Himmelfahrt verbunden ist das Versprechen Jesu, seinen Anhängern zur Stärkung seinen Heiligen Geist zu senden. In Deutschland ist Christi Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag. Normalerweise finden an vielen Orten Prozessionen durch Felder oder Weinberge statt, bei denen die Gläubigen für ein gutes Erntejahr beten. Was aber hat nun die Himmelfahrt mit dem Vatertag zu tun? Wie kam es zum Brauch, mit Leiterwagen und Bier um die Häuser zu ziehen – wenn nicht gerade eine weltweite Pandemie herrscht? Woher kommt der Brauch, diese unheilige Allianz aus Vatertag-feiern und dem Sich-Betrinken an Christi-Himmelfahrt?

Der Brauchtumsforscher und Theologe Manfred Becker-Huberti erklärt, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt. Der Ursprung findet sich im 17. Jahrhundert. "An Christi Himmelfahrt hatte sich eine Art Prozession ohne Geistlichkeit entwickelt. Nur die Männer zogen zu einem Ort, der angenommen wurde als Ort der Himmelfahrt Christi und sie zogen dorthin ohne Weihwasser, dafür aber mit Alkohol. So viel Alkohol, dass sich die Pfarrer irgendwann entschlossen hatten, an dieser Art von Prozession nicht teilzunehmen."

Pfarrer sperrten Kirchen ab, um Heiligenstatuen zu schützen

Eine Prozession als Alibi, um sich in guter Gesellschaft zu betrinken: Mancherorts führte das in der Vergangenheit dazu, dass die Kirchen an Christi Himmelfahrt sogar verschlossen wurden. Manfred Becker-Huberti hat das in den Protokollen eines Bischofs aus dem 17. Jahrhundert gelesen. 

"Darin wird berichtet, dass Pfarrer sagen, an diesem Tag schließen sie die Kirche ab, um zu verhindern, dass  die Bauern sich irgendwelche Heiligenfiguren aus der Kirche holen und die mitziehen lassen bei dieser Prozession. Denn dann würden die Heiligenbilder beschädigt irgendwo am Feldrand liegen bleiben, weil die besoffenen Männer alle Mühe hätten alleine nach Hause zu kommen", berichtet der Brauchtumsforscher.

1930er Jahre: Vatertag als Gegenstück zum Muttertag

Daraus entwickelten sich seit dem 19. Jahrhundert in manchen Großstädten "Schinkentouren": Fuhrunternehmer organisierten Ausflugsfahrten mit Pferdefuhrwerken aufs Land. Frauen waren bei diesen Herrenpartien nicht zugelassen. In den 1930er Jahren dann propagierten holländische Zigarrenfabrikanten und Metzger am Himmelfahrtstag den "Vatertag" als Gegenstück zum etablierten Muttertag. Ganz so schlimm wie im 17. Jahrhundert ist es heute nicht mehr. Doch was geblieben ist: In Deutschland wird an Christi Himmelfahrt Vatertag gefeiert. Die Antworten bayerischer Väter auf die Frage, wie der Vatertag gefeiert werden soll, sind unterschiedlich:

"Mich mehr darauf konzentrieren an dem Tag intensiv für meine Kinder da zu sein. Und manches auf die Seite legen, das im Alltag oft wichtiger ist: Handynachrichten, Mails, Arbeit oder eigene Interessen. Das auf die Seite stellen und wirklich für die Kinder da sein", sagt ein Vater. Ein anderer Papa meint: "Dieses Jahr würde ich wirklich gerne mit den Jungs von mir aus klischeehaft mit dem Bollerwagen gemeinsam losziehen, weil ich weiß, dass die Jungs im letzten Jahr ganz viel Sorgearbeit zuhause geleistet haben: Sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, sich unterstützen, sich einen Tag feiern."

Männer brauchen eine Auszeit unter sich

Wolfgang Tutsch ist Männerseelsorger in der Erzdiözese München und Freising. Er ist selbst zweifacher Vater und kann den Wunsch den Vatertag zu feiern absolut nachvollziehen. In seiner Arbeit als Seelsorger erfährt er immer wieder, wie wichtig für Männer Zeit mit anderen Männern sein kann. "Ein hundertprozentiges Ja zu der Tatsache, dass Männer auch Auszeiten unter sich, unter anderen Männern brauchen. Das ist ja die Grundidee unserer Männerseelsorge. Dass Männer, wenn sie unter sich sind, einerseits Spaß haben können und trotzdem tiefgehende Gespräche, Begegnungen passieren können und sich mal reflektiert."

Das muss aber nicht nur am Vatertag passieren, findet Wolfgang Tutsch. Aus seinem Umfeld nimmt der katholische Seelsorger wahr, dass die meisten Väter den Vatertag mittlerweile doch am liebsten mit ihrer Familie verbringen. Der Vatertag spiele mittlerweile für viele Papas auch eine wertschätzende Rolle. "Am Vatertag sollen die Kinder ein Bewusstsein dafür kriegen, dass die Lebensleistung des Vaters gewürdigt wird."

Vatertagstradition wandelt sich: Mehr Zeit mit Kindern

Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti findet es gut, dass sich die Vatertags-Tradition und die Vaterrolle in den vergangenen Jahren gewandelt hat. "Wegen der Erkenntnis etlicher Männer, dass ein Vatertag sich nicht nur auf die Väter bezieht, sondern auf ihrer Funktion und damit die Kinder einbeziehen sollte. Mit den Kindern etwas unternehmen an diesem Tag: Das sollte eigentlich Schule machen." 

Interessieren Sie sich für Themen aus Religion, Kirche, Glaube und Spiritualität? Unser Newsletter hält sie auf dem Laufenden - jeden Freitag frei Haus. Hier geht's zum Abo.