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Historische Karte mit einer Mutter und mehreren Kindern mit Blumensträußen

Wer erfand den Muttertag?

Bildrechte: picture alliance/arkivi
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    Muttertag am 8. Mai: Wer hat ihn erfunden?

    Vor allem für Kinder ist der Muttertag ein wichtiger Termin: Mit Blumen und Selbstgebasteltem wollen sie ihrer Mutter eine Freude machen. Die Blumenhändler freut es. Haben sie den Muttertag eingeführt oder woher rührt die Tradition?

    Von
    Marlene RiedererMarlene Riederer
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    Gegen die Redewendung "Kochen, waschen, bügeln, putzen - diesen Tag sollst du anders nutzen" lässt sich grundsätzlich nichts einwenden. Leider beschränkt sich dieses "Geschenk" an die Mutter - verbunden mit einem Blumenstrauß - meist nur auf einen Tag im Jahr, den zweiten Sonntag im Mai - heuer am 8. Mai 2022. Da darf Mutter die Beine hochlegen - jedenfalls theoretisch. Die Einführung des Muttertags ist keine Vermarktungsstrategie der Blumenhändler, auch wenn dieser Verdacht naheliegen mag, da sie aufgrund des Muttertags ordentlich Umsatz machen. Der Ehrentag der Mütter hat eine andere Tradition.

    Uralte Traditionen zur Verehrung der Mutter

    Die Verehrung mütterlicher Tugenden ist keine neue Erfindung, sondern geht bis in die Antike zurück. Bei ihren Frühlingsfesten huldigten die alten Griechen zum Beispiel Rhea, der Göttin der Erde und der Fruchtbarkeit. Britische Historiker berichten vom "Mothering Day", dessen Tradition, zunächst "Mutter Kirche" gewidmet, im Mittelalter begann. Später durften an diesem Tag im Frühling vor allem Kinder im Dienste wohlhabender Familien zu ihren Müttern zurückkehren. Als kleines Geschenk brachten sie ihnen unterwegs gepflückte Blumen mit.

    Der Muttertag - eine amerikanische Erfindung

    Der Muttertag hat seinen Ursprung in der frühen amerikanischen Frauenbewegung. Die Pastorengattin Ann Maria Jarvis führte 1858 "Mothers' Day Works Clubs" ein, mit denen die soziale Situation von Arbeiterfamilien verbessert werden sollte. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg gründete sie zudem "Mothers' Friendship Days". In dieser pazifistischen Bewegung sollten künftige Kriege verhindern werden.

    Der Muttertag, so wie wir ihn heute feiern, kommt aus Grafton in den USA. Dort lebte Anna Marie Jarvis, die Tochter von Ann Maria Jarvis. Zum zweiten Todestag ihrer Mutter ließ sie am 12. Mai 1907 einen Gedenkgottesdienst für ihre Mutter abhalten, verbunden mit einem "Memorial Mother's Day Meeting". Sie verteilte, um ihre Liebe auszudrücken, 500 weißen Nelken vor der Kirche an andere Mütter. Im Jahr darauf fand in eben dieser Kirche eine Andacht zu Ehren aller Mütter statt. Diese Idee des Muttertages fand so viel Anklang, dass sie die USA eroberte. Man trug zu Ehren der eigenen Mutter eine farbige Nelke im Knopfloch, im Andenken an verstorbene Mütter eine weiße Nelke.

    Ab 1914 offizieller "Mother's Day" in den USA

    Anna Marie Jarvis widmete ihr Leben dem Ziel, einen offiziellen Feiertag zu Ehren der Mütter durchzusetzen. Die Muttertags-Bewegung gewann schnell Anhänger, 1909 wurde der "Mother's Day" bereits in 45 Staaten der USA begangen. 1914 kam dann der große Durchbruch für den amerikanischen Muttertag: Der Kongress legte den zweiten Sonntag im Mai offiziell als "Mother's Day" fest, der noch im gleichen Jahr erstmals in den ganzen USA gefeiert wurde.

    Doch anstatt erfreut zu sein, ihr Ziel erreicht zu haben, kämpfte die streitbare Methodistin Anna Marie Jarvis alsbald gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Muttertages. Sie versuchte sogar, die Feier des "Mother's Day" gerichtlich zu verhindern.

    Eine Idee geht um die Welt

    Aber die Verbreitung der Muttertagsidee war nicht mehr zu bremsen. Von den Engländern übernommen, breitete sich diese neue Tradition rasch nach Norwegen, Schweden, Österreich, Deutschland und in die Schweiz aus. In Deutschland ist der Muttertag seit 1949 ein nichtgesetzlicher Feiertag.

    Muttertag: Propagandamittel der Nazis

    Am 13. Mai 1923 schwappte die Idee des Muttertags auch nach Deutschland über. Für den Muttertag wurde auf breiter Front die Werbetrommel gerührt - und zwar vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber als unpolitischer Termin für liebevolle Blumengrüße. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Muttertag Teil der Nazi-Ideologie: Bereits 1933 wurde aus dem Muttertag der "Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter". Man erklärte den dritten Sonntag im Mai zu einem offiziellen Feiertag und nutzte den Tag zu Propagandazwecken.

    Am Muttertag 1939 etwa wurde drei Millionen Frauen das "Ehrenkreuz der deutschen Mutter" verliehen - eine Medaille für besondere Gebärleistungen. Ab dem vierten Kind gab es die Auszeichnung in Bronze, ab dem sechsten in Silber, für acht und mehr Kinder die Variante in Gold.

    Die DDR feiert den "Internationalen Frauentag"

    In der Bundesrepublik dann wurde wieder der zweite Sonntag im Mai als Muttertag festgelegt - von den Floristenverbänden. Eine gesetzliche Verankerung erhielt der Muttertag nicht. In der DDR wurde der Muttertag gar nicht gefeiert - er galt als reaktionär. Stattdessen beging man den "Internationalen Frauentag".

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