Franken - Kultur


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Mundart Die Franken und ihr Dialekt

Nicht nur zwischen Nordseeküste und Allgäu tun sich die Deutschen manchmal schwer, einander zu verstehen, auch innerhalb von Bayern ist das möglich. Das liegt an der Dialektvielfalt: "das Bayerische" oder "das Fränkische" gibt es nicht - stattdessen ostfränkisch, mainfränkisch, nord-, mittel- oder südbairisch oder das Schwäbische.

Stand: 21.01.2014 | Archiv

Dialektforscherin Monika Fritz-Scheuplein schreibt an Würzburger Schule an die Tafel | Bild: picture-alliance/dpa

Über Entstehung und Geschichte der Dialekte weiß die Forschung wenig, die Mundart ist, wie der Name schon sagt, immer nur mündlich tradiert worden. Aufzeichnungen gibt es kaum. Aber bei allen Unterschieden, einen gemeinsamen Ursprung haben Fränkisch und Bayerisch doch: "Beide Dialekte sind Teile des Oberdeutschen", erklärt der Erlanger Dialektforscher Alexander Mang.

"Während man in Norddeutschland das Niederdeutsche findet, in Mitteldeutschland das Mitteldeutsche, ist im Süden das Oberdeutsche vorherrschend. Es besteht aus Alemannisch, Fränkisch und Bairisch. Natürlich hat das Fränkische mit dem Bairischen mehr Gemeinsamkeiten, als mit dem Plattdeutschen." Trotz eines gemeinsamen Ursprungs ist es trotzdem manchmal schwer, den jeweils anderen Dialekt zu verstehen - vor allem wenn es völlig andere Vokabeln gibt: Da ist in dialektfesten Gebieten der Dienstag nämlich der Ertag und der Donnerstag der Pfinztag.

Allmächd: Die Nürnberger sind Oberpfälzer

Dialekte in Bayern (bitte Anklicken)

Geographisch verläuft die Dialektgrenze in Bayern entlang einer Südwest-Nordost-Linie von Gunzenhausen über Pegnitz und Bayreuth zur tschechischen Grenze. Einen mundartlichen Sonderfall bildet Nürnberg. Das sind doch echte Franken, meinen Sie? Falsch gedacht: "Wenn man sich den Nürnberger Dialekt genau anschaut, kann man ungefähr genau so viele fränkische wie oberpfälzische Merkmale ausmachen", erklärt Mundartforscher Mang. "Das Oberpfälzische ist ja vor allem für die markante "ou"- und "äi"-Laute bekannt. So heißt die Kuh in der Oberpfalz "Kou", die Kühe sind die "Käi". Das Brot ist das "Brout" und die Waage ist die "Wouch". Und genau diese Laute finden sich auch in Nürnberg." Die Nürnberger sind also halbe Oberpfälzer, allmächd, wer hätte das gedacht?

Zweisprachig mit dem Dialekt

In ganz Bayern ist der Dialekt inzwischen auf dem Rückzug. Mundartforscher warnen, die Großstadt München könnte bald ganz eine dialektfreie Zone werden. Und das, obwohl die Mundart manche Dinge viel präziser ausdrücken kann als die Standardsprache, meint Alexander Mang: "Wenn es im Dialekt heißt 'Geh amol um die Eckn umma', dann heißt das 'Komm zu mir um die Ecke her'. Und wenn ich sag 'Geh amol um die Eckn ummi', dann heißt das dagegen 'Geh um die Ecke von mir weg'. Der Dialekt bildet also die räumlichen Verhältnisse viel deutlicher ab, als es die Standardsprache kann." Forscher haben außerdem herausgefunden, dass Kinder, die sowohl Dialekt als auch Hochdeutsch beherrschen, sich besonders leicht tun, eine Fremdsprache zu lernen - weil sie ja quasi schon zweisprachig sind.


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websaurier, Dienstag, 21.Februar, 11:51 Uhr

2. Mei Fraaaaa holt die Wegggh


Zusätzlich ist ja auch noch der sprachliche Duktus entscheidend, wie etwas "rüberkommt" bzw. rüberkommen soll...

M. Stahl, Dienstag, 17.Januar, 00:45 Uhr

1. Halbe Oberpfälzer?

Die Nürnberger halbe Oberpfälzer? Ursprünglich eher nicht. Hier muss man berücksichtigen, dass es spätestens mit der Industrialisierung und einem entsprechenden Arbeitsplatzangebot eine recht starke Zuwanderung aus der Oberpfalz in den nahen Nürnberger Raum gab. Diese Menschen brachten natürlich ihre Sprache mit, die dann im Fränkischn des Nürnberger Raumes ihren Fußabdruck hinterließ.