Franken - Kultur


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Deutscher Bruderkrieg Die Entscheidung in Gräfenberg 1866

Die letzten Tage des Deutschen Bruderkriegs 1866: Nach gerade einmal 60 Jahren, die Franken zu Bayern gehörte, droht es an Preußen zu fallen. Preußische Truppen dringen tief in fränkische Gebiete ein. Doch der Waffenstillstand von Gräfenberg verhindert Schlimmeres.

Stand: 29.08.2011 | Archiv

Fresko an der Alten Post in Gräfenberg | Bild: Stadt Gräfenberg

Franken gehörte gerade einmal 60 Jahre zu Bayern, da drohte das neu gewonnene Territorium im Bruderkrieg 1866 an die Preußen zu fallen. Anders als 1806, als Preußen wenig Interesse an der hoch verschuldeten Reichsstadt Nürnberg zeigte, war die aufstrebende Industriestadt für die Kriegsgegner inzwischen attraktiv geworden. Preußen liebäugelte, Gebiete wie Ansbach-Bayreuth oder eben die Reichsstadt Nürnberg, zu einer fränkischen Provinz unter preußischer Vorherrschaft zu machen.

Wendepunkt: Bismarck fordert Waffenstillstand

Otto von Bismarck um 1860

Doch es sollte anders kommen: Der Gräfenberger Stadtchronik zufolge wurde in dem kleinen oberfränkischen Städtchen, das heute 4.000 Einwohner zählt, in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1866 ein Waffenstillstand zwischen Bayern und Preußen vereinbart. Hintergrund für diese Einigung war die Forderung des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarcks, maßvoll Frieden zu schließen. Der spätere Reichskanzler hatte darüber mit dem preußischen König Wilhelm I. hart gerungen und sogar mit Rücktritt gedroht. Bismarck wollte die süddeutschen Staaten nicht vergraulen. Sein Ziel war es schließlich, Deutschland unter Preußens Führung zu vereinigen - die sogenannte Kleindeutsche Lösung, die er dann auch 1871 auf den Weg brachte.

Der Friede von Gräfenberg

Fresko am ehemaligen Gasthof "Zur Alten Post"

Und so rückte also das kleine Gräfenberg am Ende des Bruderkrieges in den Blickpunkt der Politik. Das Treffen zwischen dem bayerischen Parlamentär Oberst Roth und dem Befehlshaber des II. Preußischen Reservekorps, Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin, am 30. Juli 1866 markierte einen Wendepunkt für die fränkischen Kriegsschauplätze. Im Waffenstillstand garantierte Preußen, nicht weiter wie bis Nürnberg vorzurücken und der Zivilbevölkerung keinen Schaden zuzufügen während Bayern im Gegenzug versicherte, keinen militärischen Widerstand zu leisten. Ein Fresko am ehemaligen Gasthof "Zur Alten Post" am Gräfenberger Marktplatz erinnert noch heute an den Waffenstillstand, der hier abgeschlossen wurde.

Preußen verlässt Franken

Das Hilpoltsteiner Tor in Gräfenberg

Nur wenige Wochen später zogen sich die preußischen Truppen wieder aus Franken zurück. Vom Nürnberger Hauptquartier aus proklamierte General Friedrich Franz am 30. August 1866 in seiner "Preußischen Proclamation an die Bewohner von Franken": "Das unter meinem Befehl stehende Königliche Preußische II. Reserve-Corps verlässt jetzt nach Herstellung des Friedens das bayerische Gebiet."

"Gräfenberger Friedensplätzla"

Die Gräfenberger Altstadtfreunde haben 140 Jahre nach diesem Friedensschluss die entscheidenden Szenen 2006 in einem Theaterstück nachgespielt. Professionelle Unterstützung bekamen die Laien von Erich Ude, einem langjährigen Mimen am Nürnberger Schauspielhaus, der mittlerweile im Ruhestand ist. Ude führte Regie und spielte die Hauptrolle des preußischen Großherzogs: "Das Spektakel dauerte etwa 40 Minuten. An den Aufführungen nahmen unter anderem auch die Stadtkapelle, ein Chor, Pferde und Kutschen teil", erklärte der Profi vom Schauspielhaus.


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