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Zugvögel Vögel im Winter

Im Herbst fliegen Gänse über den Himmel, Mauersegler sitzen auf Telefonmasten und der Grünfink sucht Körner im Futterhäuschen. Wie Zugvögel ihre Reise meistern und wie Sie den daheimgebliebenen Vögeln im Winter helfen können.

Stand: 24.10.2018

Mann füttert Vögel | Bild: mauritius-images

Die ersten Vögel fliegen schon Mitte Juli in den Süden, die letzten im Dezember. Wann und wohin ein Vogel zieht, das ist genetisch festgelegt. Jeder Vogel spürt, wann die Zeit gekommen ist, in den Süden zu ziehen.

Ob ein Vogel wegfliegt oder hier bleibt, hängt davon ab, was er frisst. Fast alle Zugvögel sind Insektenfresser. Sie fliegen weg, weil sie im Winter an ihren Brutorten nicht mehr genug Futter finden. Die Käfer, Spinnen, Larven und Würmer verstecken sich in Baumrinden oder tief in der Erde, um dort an den geschützten Stellen zu überwintern. Weil viele Vögel keine Nahrung mehr finden, fliegen sie in warme Gebiete, wo es genug Nahrung gibt. Im Gegensatz dazu finden körnerfressende Vögel auch im Winter genug Nahrung. Sie bleiben hier bei uns in Bayern.

Welche Vögel sind Zugvögel?

Ornithologen unterscheiden zwischen Standvögel, Zugvögeln und Teilziehern. Vögel, die das ganze Jahr über an einem Ort bleiben, nennt man Stand- oder Jahresvögel. Dazu gehört zum Beispiel der Spatz, die Amsel, die Kohlmeise und viele mehr. Teilzieher nennt man die Vogelarten, bei der manche Tiere wegziehen und manche nicht. Meistens fliegen die im Norden beheimateten Populationen vollständig in den Süden. Die in Mitteleuropa heimischen Vögel bleiben einfach, wo sie sind. Beispiele dafür sind Rotkehlchen und Buchfink. Unter den Zugvögeln wird je nach zurückgelegter Strecke auch zwischen Langstrecken-, Mittelstrecken und Kurzstreckenziehern unterschieden.

"Langstreckenzieher, wie der Kuckuck oder der Mauersegler, fliegen tausende von Kilometer bis nach Südafrika südlich der Sahara."

Markus Erlwein, Pressesprecher im Landesbund für Vogelschutz in Bayern

Auch Nachtigall, Rauchschwalbe, Mehlschwalbe, Weißstorch und Schreiadler nehmen eine lange Reise auf sich. Mittelstreckenzieher wie der Kranich oder der große Brachvogel fliegen ins südliche Europa oder das nördliche Afrika. Kurzstreckenzieher wie Buchfink, Rotkehlchen oder Star fliegen gerade mal über die Alpen und verbringen dort in Mitteleuropa den Winter.

Essen und schlafen Zugvögel im Flug?

Grundsätzlich ist es für Wissenschaftler noch immer ein Rätsel, wie die Tiere diese langen Strecken zurücklegen können. Viele Vogelarten machen auf ihrer Reise regelmäßige Pausen, um zu fressen, zu schlafen und auch Kraft zu tanken. Vögel wie der Mauersegler fangen auch im Alltag Insekten im Flug. Sie fressen unterwegs auf ihrer Reise in den Süden.

2016 hat ein internationales Forscherteam unter Leitung von Niels Rattenborg vom Max-Planck-Institut für Ornithologie durch Messungen der Gehirnaktivität bei Fregattvögeln herausgefunden, dass diese beim Fliegen mit beiden Gehirnhälften gleichzeitig oder nur mit einer Hälfte schlafen. Tagsüber blieben die Vögel wach und jagten nach Beute.

Die Formationen der Zugvögel

Im Herbst kann man häufig Wildgänse in der ganz typischen V-Formation am Himmel beobachten. Das versetzte Fliegen hat aerodynamische Vorteile. Der erste Vogel, der Leitvogel, hat am meisten Kraft und Erfahrung, deshalb führt er die Gruppe an. Die Nachzügler fliegen in der sogenannten Wirbelschleppe. Das ist der Sog, den der Leitvogel mit seinem Flügelschlag erzeugt. Wer hinterher fliegt, wird quasi mitgezogen. Experimente und Messungen im Windkanal haben ergeben, dass im Schleppflug bis zu einem Fünftel der Energie eingespart wird. Obwohl der Leivogel sehr stark ist, ist das für einen Vogel alleine auf Dauer zu anstrengend. Daher lässt er sich immer wieder von anderen in der Staffel ablösen, um sich zu erholen.

Heimische Vögel im Winter

Dank der milden Winter bleiben immer mehr Vögel über die Wintermonate in Bayern. Typische Standvögel sind Amsel, Bergfink, Blaumeise, Buntspecht, Dohle und viele mehr. Mittlerweile bleiben aber auch Stare hier.

Eichelhäher | Bild: mauritius-images zum Artikel Wintervögel-Quiz Welcher Vogel ist das? Testen Sie Ihr Wissen

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All diese Vögel sind evolutionär darauf vorbereitet, dass es im Winter Minusgrade gibt. Als gleichwarme Tiere müssen Vögel versuchen, ihre Körpertemperatur, die zwischen 38 und 42 Grad Celsius liegt, aufrecht zu erhalten. Deshalb besitzen sie die Fähigkeit, ihr Gefieder so stark aufzuplustern, dass es wie eine Daunenjacke funktioniert. Zusätzlich verhindert ein spezielles Wärmeaustauschsystem, dass die Vögel über ihre unbefiederten Beine Wärme verlieren. Enten zum Beispiel können ihre Beine bis auf fast null Grad herunterkühlen. Das abwärtslaufende Blut gibt seine Wärme an das in den Körper zurückfließende Blut ab. So können Enten auf Eis laufen, ohne anzufrieren und ohne, dass ihre Füße absterben. 

Vögel im Garten

Wenn Sie heimische Vögel im Winter unterstützen wollen, dann können Sie das mit Samen, Nüssen und Körnern tun. Typischerweise füttert man im Winter von November bis Ende Februar. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern empfiehlt Futterspender, die so gebaut sind, dass die Tiere nicht im Futter herumlaufen. So kann das Futter nicht mit Kot in Verbindung kommen und die Übertragung und Ausbreitung von Krankheitserregern wird minimiert. Auch im Winter ist Hygiene für die Tiere sehr wichtig. Reinigen Sie ihr Vogelhäuschen deshalb regelmäßig.

Der ideale Platz für eine Futterstelle ist dort, wo das Futter auch bei starkem Wind, Schnee und Regen nicht durchnässt werden kann. Andernfalls verdirbt es oder die Körner vereisen. Platzieren Sie den Futterspender an einer übersichtlichen Stelle, so dass Katzen keine Chance haben, sich anzuschleichen.

Vögel füttern

Als Basisfutter für heimische Vögel eignen sich am besten Sonnenblumenkerne, egal, ob geschält oder ungeschält. Die häufigsten Körnerfresser an Ihrer Futterstelle sind Meisen, Finken und Sperlinge. Sie lieben die harten Körner. Für Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Amseln, Wacholderdrosseln oder Zaunkönig können Sie Rosinen, Obst und Haferflocken anbieten. Vergessen Sie nicht, dass Vögel auch im Winter Wasser brauchen. Markus Erlwein, Pressesprecher im Landesbund für Vogelschutz in Bayern empfiehlt einen Untersetzer aus Ton mit einem Stein in der Mitte. So gefriert das Wasser nicht allzu schnell.


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