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Enten füttern Warum Brot für die Tiere tödlich sein kann

Enten füttern macht Spaß. Aber es gibt einen Entenfutter-Klassiker, der zur tödlichen Gefahr für die Vögel werden kann. Wenn schon füttern, dann richtig: Was Sie dem Federvieh mit guten Gewissen geben können.

Stand: 24.04.2019

Frau füttert Enten | Bild: picture-alliance/dpa

Enten fressen so ziemlich alles, was ihnen vor den Schnabel kommt und halbwegs verdaulich ist: Sie ernähren sich hauptsächlich von (Wasser-)Pflanzen, Früchten und Samen, setzen aber gerne auch tierische Kost auf ihren Speiseplan, wie etwa Insekten, Froschlaich, Kaulquappen, Würmer und Schnecken. Bietet sich ihnen eine Futterquelle, die ohne viel Mühe reichen Ertrag liefert - wie etwa Enten fütternde Menschen - lassen sie dafür aber gerne auch alles andere stehen und liegen.

Falsches Futter schadet Enten mehr als es nützt

Doch auch wenn die Tiere sofort angeschwommen kommen, sobald sie irgendwo eine Futtertüte vermuten: "Die Fütterung von Wasservögeln ist eigentlich unnötig", betont Sonja Dölfel vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern, "sie finden in ihrer Umgebung genug zu fressen." Dazu kommt: "Falsches Füttern schadet mehr als es nützt - daher empfehlen wir, die Tiere nur zu beobachten statt sie zu füttern."

Warum Enten kein Brot füttern?

Ausgerechnet der "Entenfutter-Klassiker" Brot ist das gefährlichste Futter für die Tiere, wie nicht nur die Vogelschutz-Experten vom LBV immer wieder betonen: "Brot ist kein geeignetes Futter, denn es enthält für die Vögel zu viel Salz und Zucker - und es quillt im Magen auf", erklärt Sonja Dölfel. Das kann je nach gefressener Menge für die Tiere tödlich enden.

Gefährlicher Sattmacher für Enten - Brot

Brot statt natürlicher Kost, das ist für die Enten zudem auf lange Sicht ungesund: "Die Enten haben zwar vom Brot ein Völlegefühl, aber es enthält für sie keine Nährstoffe." Was die Brotreste dagegen oft enthalten, ist Schimmel - und der ist für die Vögel genauso giftig wie für Menschen.

Nicht gefressenes Brot belastet zudem die Seen und Teiche: Es zersetzt sich und gibt dabei Nährstoffe frei, die wiederum das Algenwachstum fördern. Eine mögliche Folge: Ein Gewässer "kippt", weil es nicht mehr genug Sauerstoff zum Überleben von Pflanzen und Tieren bietet.

Warum man Enten nicht füttern soll

Durch regelmäßiges Füttern verlieren die Vögel ihre Scheu vor dem Menschen, und das kann für sie tödliche Folgen haben, betont LBV-Sprecherin Dölfel:

"Durch regelmäßiges Füttern werden sie zutraulicher und entfernen sich weiter aus dem Wasser oder dem geschützten Gebiet - und können dadurch dann leichter Opfer von Straßenverkehr, von Katzen oder Hunden werden."

Sonja Dölfel vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV)

Warum Füttern die Enten-Weibchen in Lebensgefahr bringt

Gerade für die weiblichen Enten hat es immer wieder tödliche Folgen, wenn in ihren Revieren regelmäßig gefüttert wird: Die Fütterung durch den Menschen nimmt den Enten ihre eigentliche "Arbeit", die Futtersuche, weg. Die Folge ist extreme Langeweile bei den Tieren, die sich oft darin kanalisiert, dass mehrere Männchen versuchen, ein Weibchen zwanghaft zu begatten. Dabei passiert es immer wieder, dass die Weibchen unter Wasser gedrückt werden und ertrinken.

Warum ist Enten füttern verboten?

Futterreste ziehen Ratten an

Abgesehen von tierschützerischen Gründen geben oft auch ganz praktische Probleme den Ausschlag dafür, dass Kommunen an Seen und Gewässern die Fütterung von Wasservögeln verbieten: "Die Tiere gewöhnen sich an eine Futterstelle, an der sie etwa im Winter gefüttert wurden", sagt LBV-Sprecherin Dölfel, "und das kann dazu führen, dass dann auch im Sommer Badewiesen verdreckt werden." Der Vogelkot am Uferbereich im Wasser und an Land ist nicht nur lästig, sondern auch hygienisch bedenklich. Verschärfend wirkt, dass herumliegende Futterreste oft auch noch Rattenkolonien als Nahrungsquelle dienen.

Viele Städte und Gemeinden beschränken die Fütterungsverbote auf bestimmte Seen oder Parks. Nicht überall sind die Verbote entsprechend beschildert - wer sicher straffrei bleiben will, muss sich bei der Kommune erkundigen. Zuwiderhandlungen werden als Ordnungswidrigkeit geahndet. Über die Höhe entschiedet jede Gemeinde selbst. So kann etwa in Kötzting verbotenes Füttern bis zu 2.500 Euro kosten, in Ingolstadt können sogar bis zu 50.000 Euro fällig werden.

Was kann ich Enten füttern?

Wenn Sie die Tiere füttern wollen, bitte immer nur kleine Portionen nacheinander anbieten - so dass möglichst wenig Reste liegen bleiben, wenn die Tiere satt sind. Damit die Gewässer sauber bleiben und nicht mit zusätzlichen Nährstoffen belastet werden, zudem ausschließlich an Land füttern. Geeignet sind laut LBV neben speziellen Wasservogelfuttermitteln auch Haferflocken, und nahezu jedes Obst und Gemüse - bitte in schnabelgerechte Stücke geschnitten.

"Besonders beliebt sind wohl Salat oder Salatstrünke; gekochte Kartoffeln schmecken ihnen auch. Auch klein geschnittene Trauben, Bananen, Tomaten sind als Futter geeignet."

Sonja Dölfel vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV)


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