Bayern 1


24

Schwanzmeise - ein Porträt Vögel zu beobachten macht glücklicher als Geld

Die Schwanzmeise ist einer der auffälligsten und außergewöhnlichsten Singvögel in Bayern. Warum, lesen sie hier. Plus: Infos zu einer Studie, die sagt, Vögel zu beobachten mache glücklicher als Geld.

Stand: 07.01.2021

Schwanzmeisen auf Zweig | Bild: mauritius-images

Die Schwanzmeise (Aegithalus caudatus) ist nur 13 bis 15 Zentimetern groß und davon sind 7 bis 9 Zentimeter Schwanz. Es ist also nicht schwer zu erraten, woher der kleine Vogel seinen Namen hat. Man erkennt ihn jedoch auch an seinem kugeligen, hellen Körper. Die Kopfzeichnung ist je nach Unterart und geographischem Verbreitungsgebiet ganz verschieden.

In Bayern leben laut Landesbund für Vogelschutz 7.500 bis 14.000 Schwanzmeisenpaare. In ganz Deutschland sind es 92.000 bis 170.000. Das entspricht 1 bis 2 Prozent des europäischen Gesamtbestands.

Vögel beobachten macht so zufrieden wie Geldgeschenke

Wissenschaftler*innen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, von iDiv und der Universität Kiel haben in einer Studie auf Basis der Daten des „2012 European Quality of Life Survey“ von mehr als 26.000 Erwachsenen aus 26 europäischen Ländern, untersucht, ob eine vielfältige Natur auch das Wohlbefinden steigert. Und kamen zum Ergebnis, dass 14 Vogelarten mehr im Umfeld, also im eigenen Garten oder auch im nahegelegenen Park, die Lebenszufriedenheit der Teilnehmenden genauso positiv beeinflusste wie ein monatliches Plus von 124 Euro auf dem Konto, ausgehend von einem durchschnittlichen Einkommen in Europa von 1237 Euro pro Monat.

"Wenn man im Garten Vögel beobachten kann und sich daran erfreut, dann ist das auf jeden Fall positiv und [...] gesundheitsfördernd. Und je mehr man hat und je mehr Variationen, desto besser", so Joel Methorst, Autor der Studie, vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Die Zahl von 124 Euro diente bei der Studie als eine Art Vergleichswert, um zu wissen, wieviel Wert die Natur habe, sagte Methorst in dem BAYERN 1 Interview mit Susanne Rohrer.

Was frisst die Schwanzmeise?

Den langen Schwanz braucht die Schwanzmeise, um auf den äußeren Enden sehr dünner Zweige zu balancieren. Dort sucht sie nach kleinen Insekten, Blattläusen, Raupen oder Mücken. Auch kleine Knospen, kleine Beeren, Baumsaft, Flechten oder Algen zupft die Schwanzmeise vor allem in den kalten Monaten hin und wieder von den Zweigen. Den Großteil ihrer Nahrung findet sie an den dünnen Zweigenden. Sie nutzt damit eine ökologische Nische.

Schwanzmeisen sind kleine Zirkusartisten. Durch den Schwanz und dem guten Gleichgewichtssinn kann sie kopfüber an einen Zweig hängen und daran entlanghüpfen. In dieser Haltung kann sie ihren Körper um 90 Grad drehen und damit das gesamte Umfeld nach Nahrung absuchen. Sie kann sich sogar mit einem Fuß halten und zum nächsten Zweig weiterhangeln.

Nest der Schwanzmeise

Schwanzmeisen lieben feuchte Wälder, Hecken und dichte Sträucher oder Unterholz. Je abwechslungsreicher die Natur und ihr Umfeld ist, umso besser. Im Frühling baut die Schwanzmeise gemeinsam mit ihrem Partner ein eiförmiges Nest aus Moos, Fasern, Spinnweben, Haaren und Federn. Es kann in Bäumen, in rankenden Pflanzen, Hecken oder Büschen, in Wurzel- oder Dorngestrüpp oder in Reisighaufen hängen - Hauptsache, es ist gut versteckt. Das Nest sieht aus wie ein großes geschlossenes Osterei, kompakt, mit einer dicken Wand und einer winzigen Öffnung an der Sonnenseite. Es ist fest mit den umliegenden Zweigen verbaut und daher kaum anfällig gegen Wind, Kälte und Regen. Es wird innen gut gepolstert mit Feder und ist damit eines der weichsten Nester der Vogelwelt. Das Nest wird von beiden Geschlechtern gemeinschaftlich in rund 33 Tagen erbaut.

"Ein zu Forschungszwecken auseinandergenommenes Nest eines Schwanzmeisenpaars enthielt weit über 2.000 Einzelteile. Der Großteil waren Federn. Gelegentlich werden aber auch Fetzen von Papiertaschentüchern verbaut."

Sonja Dölfel, Landesbund für Vogelschutz Bayern

Schwanzmeise EIgenschaften

Schwanzmeisen sind sehr soziale Tiere. Außerhalb der Brutzeit lebt die Schwanzmeise in kleinen Schwärmen von 20 bis 30 Vögeln. Sie halten zusammen und beanspruchen ein bestimmtes Territorium, das gegen andere Schwärme verteidigt wird.

Zwischen Ende März und Ende April legt die Schwanzmeise bis zu 13 Eier und brütet sie aus. In der Brutzeit wird das Weibchen vom Männchen gefüttert. Sind nach 14 Tagen die kleinen Jungvögel geschlüpft, dann helfen alle zusammen. Neben den beiden Eltern werden die Nestlinge auch von Geschwistern der Eltern gefüttert. Nur durch die Hilfe der Tanten und Onkel ist es möglich, dass eine so große Zahl Jungvögel großgezogen werden. Welche Vögel genau eine Helferrolle einnehmen, ist nicht abschließend geklärt. Es kann es sich beispielsweise um Paare handeln, deren Brutversuch gescheitert ist. Diese helfen dann aber nicht gemeinsam am gleichen Nest, sondern bei ihren jeweiligen Nestgeschwistern. Nach 14 bis 18 Tagen verlassen die Jungen das Nest, werden aber noch weitere 14 Tage von Eltern und Helfern gefüttert.

"Im Frühsommer schließen sich die Jungvögel verschiedener Bruten zu großen Trupps zusammen. Zum Schlafen kuscheln sich bis zu 15 Tiere eng aneinander an einem geschützten Plätzchen."

Sonja Dölfel, Landesbund für Vogelschutz Bayern

Facebook-Vorschau - es werden keine Daten von Facebook geladen.

BAYERN 1

Die Schwanzmeise ist ein besonderer Singvogel.Was für ein hübscher Vogel! Ist die Schwanzmeise auch in Ihrem Garten zu Hause?Gepostet von BAYERN 1 am Montag, 2. März 2020


24