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Wespe mit langen Beinen Warum diese Hippie-Wespe ein Image-Problem hat

Insekten haben's nicht leicht mit uns Menschen: Wer als fies oder gar gefährlich gilt, wird platt gemacht. Oft zu Unrecht, wie diese Tierchen zeigen...

Stand: 28.04.2021 | Archiv

Feldwespe | Bild: mauritius-images

Sucht keinen Streit, nur ihre Ruhe - die Feldwespe

Sie haben sie bestimmt auch schon mal gesehen: Die Wespe mit den megalangen Beinen, die sie im Flug lässig im Fahrtwind nach hinten hängen lässt. Doch im Unterschied zu ihrer eher auf Krawall gebürsteten Verwandtschaft ist die Feldwespe (Polistes dominula) eher der Typ Hippie: Sie hat keinerlei Interesse an Open air-Kaffeetafeln oder Grillbuffets. Und schon gar nicht an eisverschmierten Kinderhänden.

Unterwegs im Hippie-Style: Lässig lässt die Feldwespe ihre langen Beine im Flug nach hinten baumeln.

Im Gegenteil, die Feldwespe jagt Fliegen, Spinnen und Stechmücken und wird daher zu Unrecht mit der Deutschen und der Gemeinen Wespe in die Aggro-Ecke der Insektenwelt gesteckt: Sie sticht, wenn überhaupt, nur dann, wenn ihr kleines Nest (maximal 20 bis 30 Tiere) extrem gestört wird - und verursacht allenfalls einen kleinen Piks, da ihr Stachel die menschliche Haut nur schwer durchdringen kann.

Und auch wenn sie lästig sind - Wespen sind auch nützlich. Lesen Sie dazu: Warum gibt es Wespen? Fünf Gründe

Langbeinige Schnake: Von wegen Männchen der Stechmücke ...

Zu Unrecht als Männchen der Stechmücke verschrien - die Schnake (Tipula maxima).

Auch die langbeinige Schnake (Tipula maxima) hat ein Imageproblem, wird sie doch nach wie vor oft für das Männchen der viel kleineren Stechmücke gehalten - und daher rigoros platt gemacht. Dabei sind die Schnaken (je nach Region auch als Mückenhengste, Schuster oder Habergaukler bezeichnet) nur entfernte Verwandte der lästigen Blutsauger, gehören wie diese zu den sogenannten "Mückenartigen".

Im Unterschied zu den Stechmücken haben die Schnaken nur sehr schwache Mundwerkzeuge, mit denen sie Wasser, Saft, Nektar oder andere freiliegende Flüssigkeiten aufnehmen. Keine Chance, damit die menschliche Haut durchstechen zu können.

Die Hornissenschwebfliege: Stachellose Hochstaplerin

Der Überlebenstrick der Hornissenschwebfliege (Volucella zonaria) rettet sie zwar einerseits vor hungrigen Vögeln, wird ihr aber Menschen gegenüber oft zum Verhängnis: Die sehen in ihr nämlich oft eine Hornisse und rücken dem Tier entsprechend vehement zu Leibe. Dabei ist die Hornissenschwebfliege wie alle Schwebfliegenarten für den Menschen völlig ungefährlich: Sie sticht nicht, sondern ernährt sich von Blütenpollen und Nektar, die sie mit ihren Mundwerkzeugen aufsaugt.

Harmlose Hochstaplerin - die Hornissenschwebfliege (Volucella zonaria).

Zudem ist sie eine von Gärtners Lieblingen: Ihre Larven ernähren sich von Blattläusen. Wie alle Schwebfliegen ist auch die Hornissenschwebfliege ein wahrer Flugkünstler - mit bis zu 300 Flügelschlägen pro Sekunde kann sie wie ein Kolibri in der Luft stehen und blitzschnell in alle Richtungen manövrieren.

Übrigens ist sie zumindest für Menschen sehr einfach von ihrem wehrhaften Vorbild zu unterscheiden: Ihr fehlt die sprichwörtliche Wespentaille, also die Einschnürung zwischen Brust und Hinterleib.

Image-Opfer der Verwandtschaft: Amerikanische Kiefernwanze

Sie ist die größte in Deutschland vorkommende Wanze - die Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis).

Die Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis) sticht allein schon durch ihre Größe ins Auge: Sie wird bis zu 2 Zentimeter groß und ist damit die größte in Deutschland vorkommende Wanzenart. Ursprünglich aus Nordamerika kommend wurde sie nach Europa eingeschleppt (1999 erstmals nachgewiesen), wo sie sich seither zwar ausgebreitet hat, ohne aber nennenswerten Schaden zu verursachen.

Als Wanze verfügt sie über einen Stechrüssel, mit dem sie allerdings nur Nadelbäumen wie etwa den namensgebenden Kiefern und deren Zapfen zu Leibe rückt. Mit Menschen hat das Tierchen dagegen nichts am Hut - auch wenn sie nach einem heißen Sommer im Herbst gerne mal massenhaft in Häuser und Wohnungen einfällt. Weil es ihr draußen zu kalt wird. Doch so beängstigend wie so eine Invasion einerseits auf die menschlichen Bewohner wirken mag, so harmlos ist sie andererseits. 

Haben Sie sie auch schon gesehen? An warmen Frühlingstagen rudeln sich die rot-schwarz gepanzerten Feuerwanzen oft zu Hunderten an sonnigen Stellen im Garten zusammen. Darum sehen Sie draußen gerade so viele Feuerwanzen

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