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Auwaldzecke Warum Sie Ihren Hund vor der Auwaldzecke schützen sollten

Sie lauert nicht mehr nur in Wassernähe - und ist eine echte Gefahr für Ihren Hund. Wie Sie die Auwaldzecke erkennen und was Sie tun sollten, wenn Ihr Vierbeiner gestochen wurde.

Stand: 19.04.2021 | Archiv

Eine Auwaldzecke kriecht auf dem Fell eines Hundes herum | Bild: mauritius images

In Zeitungen und im Internet werden Hundebesitzer derzeit intensiv vor einer gefährlichen, bisher weniger bekannten Zeckenart gewarnt - der sogenannten Auwaldzecke.

Wie erkenne ich die Auwaldzecke?

Die Auwaldzecke (lat. Dermacentor reticulatus) gehört zu den sogenannten Buntzecken, erklärt Tierärztin Dr. med. vet. Pamela Beelitz vom Lehrstuhl für Experimentelle Parasitologie der Tierärztlichen Fakultät der LMU München. Das Tier fällt schon durch sein ungewöhnlich strukturiertes Rückenschild auf, das schwarz-gelblich gemustert ist. Dazu kommt: Die Zecke ist mit 3,5 bis 6 mm größer als andere einheimische Zecken wie etwa der weit verbreitete sogenannte Gemeine Holzbock (lat. Ixodes ricinus), der bis zu 4 mm erreicht.

Warum ist die Auwaldzecke für den Hund so gefährlich?

Die Auwaldzecke kann einen Einzeller übertragen, der die sogenannte Babesiose auslöst - oft auch Hundemalaria genannt. Eine Infektionskrankheit, bei der die roten Blutkörpchern zerstört werden und die unbehandelt zum Tod des Tieres führt.

Warum wird man derzeit so sehr vor der Auwaldzecke gewarnt?

Eine ganze Reihe von Dermacentoren lauert an einem Grashalm auf Opfer...

Auch, wenn man es oft anders liest: Die Auwaldzecke ist kein "Neuzugang" in Deutschland. Sie war lange Zeit vor allem im Südwesten und Osten der Republik verbreitet und wurde vor allem in Wassernähe, also nahe Seen, Flussniederungen und Auwäldern nachgewiesen. Daher auch ihr landläufiger Name. Doch in Fachwelt ist lange bekannt, so Dr. Beelitz, dass sie sich schon seit Jahren immer mehr auch auf sonnigen Wiesen und Brachen ausbreitet, und auch entlang von Wegrändern mit höheren Gräsern zu finden ist. Dazu kommt, dass sich die Wiesenzecke, wie sie korrekterweise genannt werden sollte, sich mittlerweile immer mehr in ganz Deutschland verbreitet, wie eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover vom Januar 2021 zeigt.

Während Zecken wie der bekannte Holzbock erst bei Temperaturen um die 7 Grad aktiv werden, erweist sich der Dermacentor außerdem als kältetoleranter: Selbst bei Temperaturen um die 4 Grad und nächtlichem Bodenfrost geht die Buntzecke auf Opfersuche. Besonders aktiv ist die Auwald-/ Wiesenzecke im März/ April sowie im September/ Oktober.

Auwaldzecke Hund

Tierärzte gehen zudem davon aus, dass auch die Corona-Pandemie einen Anteil an der Verbreitung der Zecke hat: Denn viele Hundebesitzer sind wegen Corona nicht mehr im Ausland, sondern innerdeutsch auf Urlaubsreisen gegangen - und haben so unwissentlich zur Verbreitung der Zecke mitsamt des Erregers beigetragen.

Wie kann ich meinen Hund schützen?

Wirksamer Zeckenschutz das ganze Jahr über plus tägliche Handkontrolle - das schützt Vierbeiner zuverlässig.

Spot-on-Zeckenmittel, Zecken-(und Floh-)Halsbänder, Tabletten - es gibt eine ganze Reihe sogenannter Anti-Zeckenmittel. "Alles, was von außen aufgetragen wird - wie etwa Spot-on-Mittel oder Zecken-Halsbänder - ist empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen, wie etwa Regen, Abduschen oder dergleichen", erklärt Dr. Beelitz. Bei Tabletten, die je nach Präparat zwischen einem und drei Monaten wirksam sind, hat man dagegen keine derartige Wirkstoffverluste, so die Tiermedizinerin. Zudem sind sie im Unterschied zu vielen äußerlich wirkenden Präparaten meist sehr gut verträglich und töten die Zecken, bevor sie ihre Erregerlast in das Blut des Hundes abgeben. Das geschieht in etwa zwei Tage, nachdem sich der Parasit festgebissen hat.

Dr. Beelitz betont allerdings auch: "Kein Wirkstoff hat eine 100-prozentige Wirkung." Deshalb sollte jeder Hundebesitzer seinen Vierbeiner täglich bürsten/kämmen und nach Zecken absuchen. Deren "Lieblingsplätze" sind unter dem Kinn, im Ellbogenbereich, in der Kniefalte, am Gesäuge und generell überall da, wo die Haut fein und weich ist und wenig Behaarung aufweist, so Tierärztin Dr. Beelitz.

Was tun, wenn mein Hund von einer Auwaldzecke gebissen wurde?

Wenn Sie an Ihrem Hund eine Auwaldzecke finden, sollten Sie sie schnellstmöglich entfernen. Und zwar am besten mit einer Zeckenzange: Das Tier dicht am Kopf, direkt über der Haut mit der Zange packen und senkrecht mit sanftem(!) Zug nach oben herausziehen. Nicht drehen, und die Zecke nicht quetschen!

In der Folge sollten Sie Ihren Hund genau beobachten: Die Inkubationszeit des Babesiose-Erregers liegt zwischen 10 und 21 Tagen, verändert sich das Allgemeinbefinden Ihres Vierbeiner in dieser Zeit auffällig (er ist matt, trinkt und frisst nicht mehr, hat Fieber über 40 Grad oder sogar Anzeichen von Anämie - blasse, gelbliche Schleimhäute, die auf den Zerfall der Blutkörperchen hinweisen) dann sollten Sie ihn sofort zum Tierarzt bringen.

Zecke einschicken

Die Tierärztliche Hochschule Hannover untersucht die Verbreitung der Buntzecke. Helfen Sie mit und schicken Sie Wiesenzecken, die Sie gefunden haben ein - tot oder lebendig. Infos zur Zeckenstudie

Zecken entfernen beim Menschen funktioniert ähnlich - lesen Sie dazu: Anleitung und Tipps, wie Sie Zecken richtig loswerden

Auwaldzecke Impfung Hund

Einen Impfstoff gegen die Auwaldzecke selbst gibt es nicht, erklärt Dr. Beelitz - wohl aber gegen die Erreger, die Babesien. Dieser Impfstoff ist allerdings in Deutschland derzeit nicht im Handel.

Auwaldzecke Mensch

Menschen dürften von der Auwaldzecke nicht viel mehr zu befürchten haben als von deren Artverwandten. Eine Übertragung des Erregers der Babesiose (Babesia canis) auf den Menschen ist zumindest derzeit nicht bekannt. Allerdings hat die Uni Hohenheim schon 2017 die Auwaldzecke als neuen Überträger für FSME entdeckt. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft weist zudem darauf hin, dass Stiche der Auwaldzecke beim Menschen relativ selten vorkommen und sie wohl kein Überträger der weit verbreiteten Lyme Borreliose sei. Im Zweifelsfall sollte man es allerdings wohl besser auf überhaupt keinen Zeckenstich ankommen lassen, sicher ist sicher: Corona und viele Zecken - Die Zahl der Borreliose-Fälle steigt


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