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Borreliose Wie Sie eine Borreliose erkennen

Borreliose lässt sich eigentlich gut behandeln - doch oft wird die von Zecken übertragene Krankheit erst spät erkannt. Wie hoch das Risiko ist, an Borreliose zu erkranken und wieso Sie Zecken immer schnell entfernen sollten.

Stand: 13.06.2019 | Archiv

Zecken übertragen Borreliose. | Bild: picture-alliance/dpa

Borreliose Symptome: Wie erkenne ich eine Borreliose-Infektion

Eine Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, beginnt oft mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Abgeschlagenheit, Glieder- und Gelenkschmerzen oder auch Lymphknotenschwellungen und Kopfschmerzen. Lähmungserscheinungen im Gesicht, Schwellungen und Taubheitsgefühle können auch später auftreten. Ist das Nervensystem von einer Borreliose betroffen, spricht man von einer Neuroborreliose. Das betrifft drei bis 15 Prozent der Fälle.

Wanderröte

Typisch ist die sogenannte Wanderröte, ein roter Kreis, der sich auf der Haut um den Zeckenstich bildet und immer größer wird. Allerdings kann sich die rote Stelle auch an anderen Körperregionen bilden:

"Dabei handelt es sich um eine mindestens 5 cm  große ringförmige Hautrötung, die in der Mitte in der Regel blasser ist als am Rand und sich über Tage langsam nach außen verbreitet. Bei Erwachsenen tritt die Wanderröte am häufigsten an den Beinen auf, bei Kindern sind häufiger Kopf oder Hals betroffen."

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Eine Wanderröte tritt in 90 Prozent der Borreliose-Fälle auf, schreibt die BZgA. Auch, wenn die Wanderröte ein recht eindeutiges Zeichen für eine Infektion ist, heißt ihr Ausbleiben aber nicht, dass durch den Zeckenstich keine Borrelien übertragen wurden. Auch eine Blutuntersuchung bringt nicht immer einen Aufschluss darüber, ob eine Infektion mit Borrelien stattgefunden hat.

Ein deutliches Zeichen für eine Borreliose: die Wanderröte.

Was ist Borreliose

Borreliose ist eine Infektion, die durch Bakterien ausgelöst wird. Die Erreger, die Borrelien, werden durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen und können verschiedene Organe befallen. Etwa 10 bis 20 Prozent der Zecken tragen die Erreger in sich. Experten vermuten, dass die Übertragung der Borrelien erst nach etwa zwölf bis 24 Stunden passiert, was ein schnelles Entfernen der Zecken umso wichtiger macht:

"Nach einem Einstich dauert es bis zu 1 bis 2 Tagen, bis Borrelien übertragen werden. Die Übertragung von FSME-Viren erfolgt dagegen schon innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich. Das rechtzeitige Entfernen von Zecken vermindert also vor allem das Risiko einer Infektion mit Borrelien erheblich."

Robert-Koch-Institut (RKI)

Borreliose-Erkrankte sind nicht ansteckend.

Wie hoch ist das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken

Borrelien werden nur von befallenen Zecken übertragen und das auch nur, wenn sie nach einem Stich lange genug saugen können. Das Robert-Koch-Institut schätzt das Risiko, nach einem Zeckenbiss an Borreliose derzeit so ein:

"Nach Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz wurde nach einem Zeckenstich bei 2,6 bis 5,6 Prozent der Betroffenen eine Borrelien-Infektion nachgewiesen, charakterisiert durch die sogenannte Serokonversion, also das Auftreten von Antikörpern im Blut. Nur ein kleiner Teil der Infizierten erkrankt. Insgesamt ist bei 0,3 bis 1,4 Prozent der Zeckenstiche mit Krankheitssymptomen zu rechnen."

RKI

Ähnliche Symptome kann allerdings auch der Hantavirus auslösen - hier finden Sie alle Informationen dazu.

Borreliose Behandlung - Antibiotika

Ist es zu einer Infektion gekommen, bekommt der Patient Antibiotika verschrieben, die in den meisten Fällen über einen Zeitraum von mehreren Wochen eingenommen werden müssen. Die Bakterien lassen sich dadurch meist gut bekämpfen.

Eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika nach einem Zeckenbiss wird dagegen nicht empfohlen.

Eine überstandene Borrelliose-Infektion schützt nicht vor einer erneuten Ansteckung. Gründe: Die bei einer Infektion gebildeten Antikörper reichen nicht als Schutz vor einer erneuten Ansteckung, außerdem gibt es viele verschiedene Arten von Borrelien.

Wie kann man sich gegen Borreliose schützen

Gegen Borreliose gibt es - anders als gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Frühsommer-Meningitis (FSME) - keine Impfung. Schützen können Sie sich nur, indem Sie versuchen, Zeckenstiche zu verhindern. Also, indem Sie lange Kleidung tragen, die Socken über die Hose ziehen, ein Schutzspray auftragen und wenn möglich, hohe Wiesen und Wälder meiden. Nach einer Wanderung sollten Sie sich immer auf Zecken kontrollieren. Eltern sollten ihre Kinder, die im Freien gespielt haben, immer genau auf die Blutsauger untersuchen.

"Zecken bevorzugen Stichstellen wie zum Beispiel Haaransatz, Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehle. "

Robert-Koch-Institut

Zecken schnell entfernen

Wenn Sie doch eine Zecke entdecken, sollte die möglichst schnell, vor allem aber sicher entfernt werden. Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Infektionsrisiko. Trauen Sie sich das nicht zu oder sitzt die Zecke an einer schwer erreichbaren Stelle, lassen Sie die Zecke vom Arzt entfernen.

Auch, wenn die Stelle um den Zeckenstich sich nicht rötet, sollten Sie in den Wochen nach dem Stich beobachten, ob sich andere Symptome zeigen und im Zweifelsfall mit einem Arzt sprechen. Nicht jeder Zeckenstich führt zu einer Borreliose. "In Deutschland infizieren sich etwa 1 bis 6 von 100 Gestochenen mit Borrelien", so die BZgA. 

Warum Borreliose so gefährlich ist

Erste Symptome ähneln häufig denen einer Grippe, weshalb die Borreliose nicht immer gleich erkannt wird. Dazu kommen Gelenkschmerzen, die Ärzte unter Umständen auf ein Rheuma-Leiden zurückführen. Wirklich eindeutig sind die Symptome nicht sehr häufig, die Diagnose fällt dadurch oftmals schwer.

Doch eine unbehandelte Borreliose kann in Schüben immer wieder auftreten und Spätfolgen wie Gelenk-, Herzmuskel- oder Nervenentzündungen nach sich ziehen.

Borreliose-Impfung gibt es in Deutschland noch nicht

Einen Impfstoff gegen Borreliose gibt es in Deutschland noch nicht. In den USA gab es einen Impfstoff, der allerdings nicht für Europa zugelassen wurde, da er nur gegen eine bestimmte Art der Borrelien wirkte und nicht gegen die zwei Arten, die in Europa für 80 bis 90 Prozent der Borreliose-Infektionen verantwortlich sind, schreibt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Mittlerweile wurde der Impfstoff in den USA wieder vom Markt genommen - wegen zu geringer Nachfrage.

Eine Impfung ist nur gegen FSME, die sogenannte Frühsommer-Meningo-Enzephalitis möglich.

Lyme-Borreliose: in Bayern meldepflichtig

Die Lyme-Borreliose ist seit 2013 in Bayern eine meldepflichtige Krankheit. Der behandelnde Arzt muss jeden Fall von Borreliose anonym melden.