Bayern 1

Tomaten ausgeizen Warum Sie Ihre Tomaten unbedingt ausgeizen sollten

Wer seine Tomatenpflanzen regelmäßig ausgeizt, kann größere Tomaten ernten. Wie Sie ausgeizen und bei welchen Pflanzen, wir haben die Tipps für eine reiche Tomatenernte.

Stand: 02.03.2020

Frau erntet Tomaten | Bild: mauritius-images

Welche Tomatensorten ausgeizen

Ausgeizen muss man nur Stabtomaten - das sind alle Tomatensorten, die für ihren Wuchs an einem Stab, einer Schnur oder mit einem Rankgitter gestützt werden müssen und nur einen bis zwei, nicht sehr stabile, Haupttriebe ausbilden. Stabtomaten werden bis zu 2,50 Meter hoch. Und müssen ausgegeizt werden, damit sie viele und große Früchte tragen, denn die Seitentriebe rauben der Pflanze Kraft. Viele Gärtner beschränken auch deswegen den Wuchs ihrer Stabtomaten auf fünf bis sechs Blütenstände. Beschränken wir die Zahl der Blütenstände, sinkt die Gefahr, dass die Pflanze unter dem Gewicht der Früchte bricht.

Ausgeizen - wie geht das

Ausgeizen bedeutet nichts anders als Seitentriebe, die sogenannten Geiztriebe, die sich an den Blattachseln bilden, vorsichtig abzubrechen, abzuknipsen oder abzuschneiden. Ausgeizen sollten wir unsere Tomatenpflanzen jede Woche, empfiehlt BAYERN 1 Gartenexpertin Karin Greiner. Wenn wir die Befestigung unserer Tomatenpflanzen kontrollieren und sie gegebenenfalls "nachleiten", wie das die Gärtner nennen, können wir uns gleich auch um den Wildwuchs der Geiztriebe kümmern. Spätestens, wenn die wilden Triebe zehn Zentimeter Länge erreichen, sollten wir sie entfernen.

Vorsichtig vor- und zurückdrücken und abbrechen: So geizt man Stabtomaten aus.

Wenn wir schon mal dabei sind, sollten wir kranke, vergilbte und vertrocknete Blätter von den Tomatenpflanzen pflücken und auch die unteren Blätter abknipsen, damit die Pflanze mehr Luft bekommt. Blätter, die den heranwachsenden Tomaten Schatten bereiten, bitte dranlassen. Direkte Sonne vertragen die Tomaten nicht gut. Die herausgebrochenen Triebe und entfernten Blätter müssen wir nicht auf den Kompost tragen, wir mulchen damit unsere Tomatenpflanzen, indem wir sie unter die Pflanze auf die Erde legen.

Geiztriebe als Stecklinge

Unsere BAYERN 1 Gartenexpertin Greiner hat noch einen besonderen Tipp: "Besonders kräftige Geiztriebe können Sie auch als Stecklinge verwenden. Einfach in lockere, sandige Erde stecken, feucht halten. Das gibt dann gleich zusätzliche Tomaten."

Strauchtomaten nicht ausgeizen

Busch- und Strauchtomaten sollten wir nicht ausgeizen, denn sie sind eigens so gezüchtet, dass sie mehrtriebig in die Breite wachsen. Geiztriebe in dem Sinne gibt es bei diesen Tomatensorten nicht, jeder Trieb kann Früchte tragen.

Tomaten gießen

Das gilt für alle Sorten: Tomatenpflanzen müssen regelmäßig und oft ausgiebig gegossen werden, allerdings nie von oben. Die Blätter sollten trocken bleiben und möglichst vor Regen geschützt sein. Sind die Blätter - auch durch Regen - ständig feucht, kann sich Braunfäule auf ihnen entwickeln. Diese Pilzerkrankung befällt erst die Blätter, die sich schwarz-braun verfärben und vernichtet anschließend die Tomatenernte an der betroffenen Pflanze: Die Tomaten werden hart, sind oben braunverfärbt und unten grün. Essen kann man sie dann nicht mehr, denn sie enthalten die für den Menschen giftigen Pilzabwehrstoffe, die die Pflanze bei Befall entwickelt.

Tomaten düngen

Um den Ertrag zu steigern, sollten wir unsere Tomaten ab Juni auch regelmäßig düngen. Das geht mit Brennnessel- oder anderer Kräuterjauche. Wie man eine nicht stinkende Alternative zur Jauche herstellt und andere Hausmittel im Garten einsetzt: Kaffeesatz als Dünger - So düngen Sie Ihre Pflanzen mit Hausmitteln.

BAYERN 1 Pflanzenexpertin Karin Greiner beantwortet Ihr Frage zu Tomaten im Garten:

Was muss ich bei der Tomatenzucht im Gewächshaus beachten?

Tomaten brauchen Platz. Am besten hat jede Pflanze einen Quadratmeter für sich. Anfangs wirkt das Gewächshaus sehr leer. Allerdings wachsen die Pflanzen und brauchen dann viel Platz. Halten Sie auch genügend Abstand zur Wand, die Tomaten sollten etwa einen halben Meter davon entfernt stehen. Blätter, die an die Wand stoßen, einfach abschneiden. Es darf sich kein Schwitzwasser bilden.

Wenn Sie die Tomaten zu dicht stellen, rächt sich das später mit Krankheiten. Wenn die Tomaten nicht genügend Raum haben oder sich Schwitzwasser bildet, haben Pilzkrankheiten wie Kraut- und Braunfäule ein leichtes Spiel. Lüften Sie das Gewächshaus regelmäßig.

Außerdem wichtig: Verwenden Sie die richtigen Tomatensorten. Nicht jede Sorte ist fürs Gewächshaus geeignet. Schauen Sie einfach aufs Samentütchen oder fragen Sie Ihren Gärtner.

Was ist bei der Tomaten-Anzucht zu beachten?

Wenn Sie Tomaten selbst vorziehen, sollten Sie spezielle Anzuchterde verwenden. Die enthält keine Nährstoffe. Am besten geben Sie je drei Samen in ein Töpfchen. Nach dem Austreiben lassen Sie den stärksten Trieb stehen. Die anderen Triebe können Sie entweder verschenken oder wegwerfen. Nach dem Pikieren, also Umtopfen, scheint es so, als würden die Tomaten erst nicht wachsen. Das täuscht: Nach dem Umpflanzen müssen die Tomaten neue Wurzeln bilden, deshalb stockt das oberirdische Wachstum.

Beim Düngen müssen Sie sehr vorsichtig sein. Die jungen Pflanzen brauchen erst nach dem Pikieren Dünger, also Nahrung. Am besten verwenden Sie Flüssigdünger, allerdings sehr niedrig dosiert, höchstens ein Viertel der angegebenen Menge. Die Dosis erhöhen Sie allmählich. Die volle Dosis gibt’s erst, wenn die Tomaten ins Freie kommen. Wegen der Frostgefahr ist das erst Mitte Mai, nach den Eisheiligen.

Was kann man anstelle von "Pikiererde" verwenden?

Wer seine Tomatenpflänzchen selbst zieht, sät die Samen zuerst in Aussaaterde. Sie enthält keinen Dünger, weil das die Wurzeln der Jungpflanzen verbrennen würde. Wenn aus dem Samen ein stattlicher Sämling geworden ist, wird es Zeit zum Pikieren, also Umsetzen. Hierfür verwendet man Pikiererde. Diese gibt's jedoch kaum noch zu kaufen. Allerdings können Sie eine solches Substrat leicht selbst herstellen, denn Pikiererde ist einfach ein Zwischending zwischen ungedüngter Aussaat- und gedüngter Pflanzerde. Mischen Sie einfach Aussaat- und Pflanzerde halb-halb zusammen und setzen Sie dort die kleinen Pflänzchen ein.

Nutzgarten | Bild: mauritius-images zu den Meldungen Pflanzenfragen Nutzgarten

Gurken, Bohnen, Kräuter, Äpfel ... dem Nutzgarten sind schier keine Grenzen gesetzt. Für eine reiche Ernte gibt's einiges zu beachten. Die BAYERN 1 Pflanzenexpertin Karin Greiner beantwortet Ihre Fragen. [mehr]

Eine andere Variante: Sie verwenden Aussaaterde und düngen diese mit Flüssigdünger nach, niedrig dosiert. Ich empfehle, weniger als die Hälfte der laut Packungsaufschrift üblichen Menge zu verwenden. Die zarten Jungpflanzen brauchen weniger als gedacht und würden bei einer zu hohen Dosis regelrecht in die Höhe schießen. Solange die Pflanzen noch im Haus sind also lieber kurz halten. Erst im Freiland, nach den Eisheiligen, sollen sie richtig wachsen. Und dann werden sie auch gedüngt.

Welche Bedingungen brauchen pikierte Tomaten im Gewächshaus?

Tomaten sind wärmeliebende Pflanzen. Wenn die Sonne aufs Gewächshaus scheint, klettern die Temperaturen schnell auf über 30 Grad. Da können Sie den Tomatenpflänzchen beim Wachsen schon fast zuschauen. Allerdings schießen die Pflanzen zwar in die Höhe, bilden aber ihr Immunsystem kaum aus. Deshalb ist regelmäßiges Lüften wichtig, damit die Tomaten gegen Pilze und andere Krankheiten abgehärtet werden. Langsameres Wachstum sorgt auch dafür, dass die Stängel stabiler werden und die Pflanzen dann standfester sind. Achten Sie beim Lüften aber darauf, dass die Pflänzchen nicht verkühlen. Machen Sie die Gewächshaustür deshalb am Spätnachmittag, gegen 16 oder 17 Uhr, wieder zu. So wird die Tageswärme über Nacht gespeichert.

Warum faulen die Tomaten am Fruchtansatz?

Diese etwa münzgroße Faulstelle ist die sogenannte Blütenendfäule. Sie tritt nicht nur bei Tomaten, sondern auch bei Zucchini, Kürbis und Paprika auf. Ursache dafür ist Kalziummangel. Es wurde wohl zu viel mit Stickstoff gedüngt oder Trockenheit hat den Pflanzen zu schaffen gemacht, so dass das Kalzium nicht richtig transportiert werden konnte. Die Früchte sind noch genießbar. Schneiden Sie die Stelle ab, die Fäule ist nicht gefährlich, nur hässlich. Vorbeugend können Sie mit speziellem Kalziumdünger düngen und gießen. Achten Sie beim Gießen darauf, dass Sie viel Wasser geben. Wenn Sie zu wenig Wasser geben, verdunstet das an der Oberfläche. Das fördert einerseits die Fäule, andererseits gelangt das Wasser nicht zu den Wurzeln und kann so von der Pflanze nicht aufgenommen werden.

Was ist zu tun, wenn Tomaten mit der Krautfäule befallen sind?

Krautfäule ist eine Pilzerkrankung, die über Sporen übertragen wird, zum Beispiel vom Regen. Besonders häufig kommt das vor, wenn in der Umgebung Kartoffeln gepflanzt werden.

Auf den nassen Blättern und Früchten der Tomaten keimen die Sporen. Wenn das Blatt nass ist, können sie eindringen und binnen Stunden kann es dazu führen, dass die Tomatenpflanzen absterben. Dann ist alles verloren. Sie müssen auch die Früchte entsorgen, sie sind nicht mehr genießbar.

Tipps, um der Krautfäule vorzubeugen:

  • Tomaten immer nur von unten gießen. Bei Gießen darauf achten, dass keine Erde hochspritzt. Mit der Erde können Sporen auf die Blätter gelangen. Am besten entfernen Sie die erdnahen Blätter.
  • Tomaten am besten an einer regengeschützten Stelle pflanzen oder ein Dach über die Pflanzen bauen. So bleiben die Blätter trocken und die Pilzsporen haben kaum eine Chance.
  • Nach einem Befall alle Gerätschaften reinigen: Stäbe, Scheren und sonstiges Werkzeug gut abwaschen oder mit Essig desinfizieren. So beugen Sie einem Befall im nächsten Jahr vor.
  • Den Boden müssen Sie nicht austauschen. Sie sollten aber alle befallenen Tomatenreste gründlich entsorgen, damit hier im Folgejahr kein neuer Schaden entsteht.

Warum werden die Tomaten am Blütenansatz braun?

Das ist die sogenannte Blütenendfäule. Das tritt auf, wenn die Tomaten zu wenig Kalzium bekommen. Und das wiederum kann an schwankender Wasserversorgung und Düngung liegen. Wenn Sie also einmal richtig viel gießen und dann wieder zu wenig. Mein Tipp: Finden Sie einen Gießrhythmus und gießen Sie dann immer gleichmäßig, egal, ob’s grad regnet oder brütend heiß ist. Ebenso mit dem Düngen. Düngen Sie gleichmäßig und wenig, verwenden Sie am besten organischen Dünger mit Langzeitwirkung. Außerdem können Sie Algenkalk oder Gesteinsmehl in die Erde einarbeiten. Mit der Zeit laugt der Boden einfach aus und das macht sich dann an den Tomaten bemerkbar.

Wie viel Wasser braucht eine Tomate?

Das kann man weder pauschal sagen noch mathematisch berechnen. Es hängt von vielen Faktoren ab: Wie groß ist die Pflanze? Wie ist das Wetter? Wie viel Feuchtigkeit kann der Boden speichern? Anfangs brauchen die Tomatenpflanzen noch wenig Wasser, weil sie klein sind. Je größer sie werden, desto öfter müssen sie gegossen werden. Am besten prüfen Sie, ob der Boden trocken oder feucht ist. Auch an den Pflanzen selbst können Sie das sehen. Wenn die Blätter straff aussehen, sind die Tomaten noch gut versorgt. Wenn das Grün jedoch schlaff und welk aussieht, sollten Sie gießen. Auch wenn’s mit dem Gartenschlauch einfacher wäre: Ich nehme zum Gießen immer eine Gießkanne. Darin kann sich das Wasser von der Sonne erwärmen und das mögen die Pflanzen.

Bis wann muss ich meine Tomaten ernten?

Die Tomaten dürfen keinen Frost erleben, deshalb sollten Sie die letzten Früchte möglichst bald ernten. Die ersten Nachtfröste kommen oft schon Mitte Oktober.