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Saatgut tauschen So finden Sie samenfestes Saatgut

Wo und wie kann ich Saatgut tauschen? Ist Saatguttauschen nicht eigentlich verboten? Welche Gemüsesorten sind geeignet? Tipps und Links für Einsteiger.

Stand: 08.08.2022

Samen liegen auf zwei Handflächen | Bild: mauritius images

Innerhalb der letzten 150 Jahre sind drei von vier Gemüsesorten für immer aus unseren Gärten verschwunden. Das hat eine Studie der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im April 2018 ergeben. Von rund 7.000 Gemüsesorten, die es zwischen 1836 und 1956 gab, gelten 75 Prozent als verschollen - unter anderem etwa, weil sie von ertraghaltigeren Sorten verdrängt wurden. Nur ein kleiner Teil der Gemüsesorten (9 Prozent) wird durchgehend angebaut - die restlichen 16 Prozent existieren nur noch in Gendatenbanken oder dank sogenannter Saatgutinitiativen, die alte Sorten weiter anbauen und damit am Leben erhalten.

Was sind "alte Sorten"?

Hybridsamen vs. "alte Sorten"

Das meist von Konzernen hergestellte und weit verbreitete Hybrid- oder F1-Saatgut liefert zwar höhere Erträge, ist in Sachen natürliche Vermehrung aber eine Sackgasse: Die Samen können nur einmal ausgesät werden, da in der nächsten Pflanzengeneration die sortentypischen Eigenschaften verlorengehen. Hybrid-Samen müssen immer wieder neu nachgekauft werden.

Ein Glück für diese so genannten "alten Sorten", dass auch immer mehr Hobby-Gärtner ihren Teil zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen wollen und beim Anbau von Tomaten, Kartoffel & Co auf diese alten Kultursorten zurückgreifen. Der Vorteil: Ihre Samen sind "samenfest" und liefern damit auch im nächsten Jahr Früchte, die genauso aussehen und schmecken wie die der Mutter-Pflanze. Das spart Geld für Samenkäufe und gibt das gute Gefühl, genau zu wissen, was auf dem eigenen Teller landet.

Erbsen, Gurken, Salat oder Radieschen - wie lange welches Saatgut haltbar ist, lesen Sie hier: Jedes Jahr neue Samen kaufen? So hält Ihr Saatgut länger

Wie und wo kann man Saatgut tauschen?

Wer von Nachbarn oder Freunden (noch) keine Samen zu tauschen bekommt, kann es auch übers Internet: Unter Stichwörtern wie "Samen(tausch)börse" organisieren etwa Gartenblogger im Herbst Tauschaktionen, und auch auf Facebook gibt es einige Garten-Gruppen, in denen nicht nur Sämereien getauscht werden, sondern auch Hintergründe und dazu nötiges Wissen weitergegeben wird (Stichwort "Samengärtnerei").

Wer sich lieber persönlich informieren und austauschen will, kann es auch einfach mal beim nächstgelegenen Schrebergartenverein versuchen (Übersicht beim Landesverband Bayerischer Kleingärtner e.V. ) - auch hier gibt es immer mehr Hobbygärtner, die samenfeste Pflanzen kultivieren und untereinander tauschen.

Eine Terminübersicht zu geplanten Saatgut-Tauschbörsen, Kursen und Veranstaltungen zum Thema in Deutschland gibt es auf der Website des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN). Es kann sich zudem aber auch lohnen, online nach entsprechenden Aktionen von Urban Gardening Gruppen zu suchen oder auch die Websites einzelner Sektionen des Naturschutzbunds Deutschland NABU daraufhin zu checken. Eine private Initiative aus Ilsfeld im Landkreis Heilbronn bietet auf ihrer Website eine Umkreissuche für samenfestes Saatgut.

Es lohnt sich in jedem Fall, sich erstmal ein bisschen in das Thema "Samengärtnerei" einzulesen (siehe Links unten), bevor man selbst Hand anlegt. Einfach und daher für Einsteiger in die Samengärtnerei gut geeignet sind Tomaten - hier erklären wir, wie's funktioniert: So gewinnen Sie Tomaten-Samen selber

 Saatgut tauschen, ja – verkaufen nein

Vorsicht: Das Ganze sollte ein Hobby bleiben und ein Tauschgeschäft. Denn verkauft werden dürfen nur Sorten, die beim Bundessortenamt bzw. den entsprechenden Behörden in anderen EU-Ländern zugelassen worden sind – und genau diese Zulassung haben viele "alte" Sorten nicht. Nach dem Saatgutverkehrsgesetz macht man sich strafbar, wenn man solche Sorten verkauft - das gilt nicht, wenn man die Samen einfach nur an Nachbarn oder Freunde weitergibt, in einem Verein oder bei einer Saatguttauschbörse tauscht, betont Nora-Sophie Quett, Pressesprecherin beim Bundessortenamt. Entscheidend ist, dass die die Samen weitergegeben werden, ohne dass damit ein Gewinn erwirtschaftet werden soll.

Link-Tipps:

Vereine, die sich dem Erhalt alter Kultursorten verschrieben haben, Tauschbörsen organisieren, samenfestes Saatgut anbieten und Infos dazu, wie man es selbst herstellen kann:

Die Arche Noah in Österreich verfügt mit rund 5.800 alten Obst-, Gemüse und Getreidesorten über eine der größten privaten Sorten-Sammlungen in Europa.
Ihr Pendant in der Schweiz ist Pro Specie Rara
In Deutschland widmet sich der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) dieser Aufgabe.

Allgemeine Tipps zur Saatgut-Ernte vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN):

Auch interessant: So pflanzen Sie Ihre eigenen Tomaten: Tomaten selber ziehen. Oder: Wann wir unser Hochbeet wieder auffüllen können - Hochbeet befüllen.


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