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Schufa Warum Sie einmal im Jahr eine kostenlose Schufa-Auskunft anfordern sollten

Eine Schufaauskunft brauchen Sie für größere Anschaffungen oder, wenn Sie eine Wohnung mieten. Die Schufa-Daten entscheiden auch darüber, ob wir online auf Rechnung einkaufen können. Warum Sie unbedingt einmal im Jahr eine kostenlose Auskunft anfordern sollten.

Stand: 27.08.2019 | Archiv

Ein Paar sitzt am Tisch und prüft Dokumente. | Bild: mauritius images

Schufaauskunft - was steht drin

Die Auskunft über unsere finanzielle Zuverlässigkeit, eine sogenannte Bonitätsauskunft, entscheidet in vielen Fällen darüber, ob wir den Mietvertrag für die neue Wohnung bekommen, das Haus kaufen, den neuen, teuren Fernseher per Ratenkauf abzahlen dürfen oder online auf Rechnung kaufen dürfen. Aus den Daten von Banken und Unternehmen wie zum Beispiel Online-Versandhändlern und Mobilfunkanbietern, aber auch aus den Daten einer Vergleichsgruppe errechnet die Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ein so genanntes "Scoring", das die Wahrscheinlichkeit ausdrücken soll, dass wir unsere Kredite und anderen Schulden auch tatsächlich zurückzahlen.

Wie die Schufa den Score genau berechnet, das muss sie nicht offenlegen. Das hat der Bundesgerichtshof 2014 entschieden. Verbraucherschützer kritisieren das: "Was das Scoring problematisch macht, ist die fehlende Transparenz. Der Verbraucher kann nicht verstehen, wie ein schlechter Score entsteht und das macht es so schwer, sich dagegen zu wehren", sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern.

Geo-Scoring bei der Schufa

In manchen Fällen kann theoretisch schon die Adresse in einer schlechten Wohngegend zu einer Abwertung Ihres Scores führen. Das nennt man Geo-Scoring. Die Schufa sagt dazu, dass sie in den allermeisten Fällen keine Adressdaten auswertet: "Aufgrund unseres besonderen Datenbestandes mit kreditrelevanten Informationen führen wir standardmäßig - das heißt bei 99,7 % aller Scoreberechnungen - kein Geoscoring durch."

Schufaeinträge - negative Daten, schlechter Score

Negative Daten können sich auch angesammelt haben. Und dazu zählen nach zweimaliger Mahnung nicht geleistete Zahlungen, von der Bank wegen ausgebliebener Ratenzahlungen gekündigte Kredite oder auch eine hohe Anzahl an Krediten. Haben wir Privatinsolvenz angemeldet oder eine Zwangsvollstreckung hinter uns, weiß das die Schufa auch.

Selbstauskunft online

Jeder Verbraucher hat das Recht, einmal im Jahr eine kostenlose Selbstauskunft zu erhalten und sich zu informieren, welche Daten die Schufa gespeichert hat. Das hieß früher "Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz", seit 25.05.2018 "Kopie der personenbezogenen Daten (nach Art. 15 DS-GVO)". Bei der Schufa finden Sie das Anforderungsformular unter diesem Link: Schufa-Datenkopie nach Art. 15 DS-GVO. Dort können Sie auch Dokumente wie Ausweiskopien hochladen. Die Antwort bekommen Sie allerdings immer auf dem Postweg.

Eine Bonitätsauskunft kostet, eine "Kopie der personenbezogenen Daten (nach Art. 15 DS-GVO)" bekommt man einmal im Jahr kostenlos.

Die Schufa ist die größte und älteste der Auskunfteien, es gibt aber auch andere Anbieter wie Deltavista, Bürgel, Infoscore Consumer Data GmbH oder Boniversum. Auch sie sammeln Daten aus verschiedenen Quellen, auch hier dürfen Verbraucher die Daten einmal im Jahr kostenlos einsehen.

Auskunfteien machen es einem nicht leicht, die kostenlose Datenabfrage zu finden, denn sie bieten ja auch Auskünfte an, die man bezahlen muss. Und daher wird man gerne zu diesen "umgeleitet". Ist das Bestellformular gefunden, ausdrucken, ausfüllen und per Post an die Auskunftei senden.

Zusätzlich eine Kopie des Personalausweises mitsenden (Vorder- und Rückseite). Lesbar müssen sein: Vor- und Nachname, die Anschrift, Geburtsdatum und Geburtsort. Alle anderen Angaben und das Foto können geschwärzt werden.

Selbstauskunft kostenlos nur per Post

Eine "Kopie der personenbezogenen Daten (nach Art. 15 DS-GVO)" bekommt man nur auf dem Postweg. Das kann eine bis mehrere Wochen dauern.

Bürger anderer Staaten müssen beachten, dass sie neben dem Bestellformular eine Kopie ihres Reisepasses sowie eine aktuelle Meldebescheinigung mitschicken müssen.

Schufa-Daten überprüfen

Eine Untersuchung, die das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherministerium 2015 vorgestellt hat, kam zu dem Schluss, dass bei jedem vierten Verbraucher die Schufa-Daten falsche Einträge enthalten.

Die Daten, die die Schufa gesammelt hat, sollte man einmal im Jahr prüfen, denn falsche Einträge können weitreichende Folgen haben.

Falsche Einträge können sein: Namensverwechslungen, über die Frist hinaus gespeicherte negative Daten wie nicht gelöschte, bereits abgezahlte Kredite. Diese werden erst drei Jahre nach der letzten Rate gelöscht. Auch Kreditanfragen sind zwar in der Schufaauskunft nach zehn Tagen verschwunden, werden aber intern bis zu einem Jahr gespeichert. Und das kann den Score schlechter ausfallen lassen.

Dazu sagt Verbraucherschützerin Halm: "Es darf eigentlich nicht sein, dass sich Verbraucher darum kümmern müssen, dass falsche Daten gelöscht werden. Dazu kommt, dass dem Verbraucher meist gar nicht klar ist, wo der Scorewert überall wichtig ist - zum Beispiel beim Onlineversandhändler. Man kann dann plötzlich nicht mehr online Waren auf Rechnung bestellen."

Was zu tun ist bei falschen Schufa-Einträgen

Seine Schufadaten sollte man regelmäßig überprüfen.

Wer falsche oder veraltete Einträge entdeckt, sollte sich schriftlich an die Schufa oder die betreffende Auskunftei wenden und gleichzeitig auch an das Unternehmen, das die Daten an die Schufa oder eine andere Auskunftei gesandt hat. Am besten gleich Kopien der Beweisdokumente mitschicken. Das kann das Verfahren beschleunigen, denn die Auskunfteien kontaktieren vor einer Löschung die Firmen, mit denen sie zusammenarbeiten.

Die Schufa ist verpflichtet, inkorrekte Daten zu ändern. Und tut dies nach Angaben von Schufa-Pressereferentin Anna-Lena Rawe in den meisten Fällen innerhalb von 48 Stunden. Kostenlos nachprüfen kann das der Verbraucher allerdings erst nach einem Jahr wieder.

Gibt es Schwierigkeiten bei der Löschung von Einträgen, können sich Verbraucher an den Schufa-Ombudsmann wenden. Vorher müssen Sie sich aber mit dem Privatkunden ServiceCenter der Schufa in Verbindung gesetzt haben.

Fließen Mahnungen in die Schufadaten ein

"Offene Forderungen dürfen - in der Regel - nur an die Schufa gemeldet werden, sofern sie vorher zweimal gemahnt wurden und vom Verbraucher unbestritten sind", sagt Anna-Lena Rawe von der Schufa. Zwischen den schriftlichen Mahnungen müssen vier Wochen liegen und bei der zweiten Mahnung muss der Verbraucher darüber informiert werden, dass ein Eintrag bei der Schufa erfolgen wird. "Unbestritten" heißt in diesem Fall, dass der Verbraucher die Rechnung akzeptiert hat und nicht zum Beispiel ein gerichtlicher Streit über dieses Geschäft geführt wird.

Schufaauskunft für Vermieter

Es hat sich eingebürgert, dass Vermieter schon bei der ersten Besichtigung einer Wohnung auf einer Schufa-Auskunft bestehen. Tipp von der Verbraucherzentrale Bremen:

"Wenn Sie unbedingt eine bestimmte Wohnung haben möchten, müssen Sie wohl oder übel auf diesen Missbrauch, gegen den selbst die Schufa machtlos ist, eingehen und dem Vermieter eine Selbstauskunft vorlegen. Schwärzen Sie aber die Angaben, die der potentielle Vermieter nicht wissen muss, wie etwa Konto- oder Kreditkartennummer."

Verbraucherzentrale Bremen

Hierbei gibt es ein Dilemma für den Verbraucher: In der kostenlosen Selbstauskunft stehen alle Daten, die die Schufa gesammelt hat. Also nicht nur frühere Adressen, sondern auch, bei welchem Mobilfunkanbieter ich meinen Handyvertrag habe, wieviele Girokonten ich bei welchen Banken besitze und wie viele Kredite und Leasingverträge laufen. Das heißt, da gibt es dann eine Menge Informationen zu schwärzen. Eine Bonitätsauskunft, die nur die für den Vermieter relevanten Informationen enthält, kostet rund 30 Euro.


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