Bayern 1 - Experten-Tipps


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Spülmaschine spült nicht sauber Der Umweltkommissar: Wie gut sind Eco-Programme?

Ihre Spülmaschine macht das Geschirr nicht sauber? Könnte es am Programm liegen? Der Bayern 1 Umweltkommissar ermittelt.

Stand: 06.02.2018

Mann räumt Geschirrspüler ein | Bild: mauritius-images

Die gute Hausfrau und auch der Hausmann sind sich einig, dass der Geschirrspüler die beste Erfindung nach dem Bett war. Schmutziges Geschirr rein. Tabs oder Pulver ins entsprechende Fach, das richtige Programm gewählt und etwas später kommt das Geschirr sauber wieder raus.

Vor 132 Jahren hat eine US-amerikanische Hausfrau das Patent für den ersten, mit Wasserdruck betriebenen, Geschirrspüler eingereicht. Und schon 1929 hat Miele den ersten, elektrisch betriebenen Geschirrspüler Europas gebaut.

Mittlerweile haben die Maschinen, die Handarbeit in puncto Effizienz und Wasserverbrauch längst überholt, vorausgesetzt die Maschine ist voll und optimal eingeräumt.

Während das Standardprogramm einer herkömmlichen Geschirrspülmaschine 65 Grad erreicht, liegen die Eco- oder Sparprogramme durchweg bei 45 bis 50 Grad. Die Tendenz geht jedoch eher Richtung 40 Grad. Deshalb stellt sich die Frage, ob solche Spülprogramme auch noch hygienisch rein sind.

Spülergebnisse sind durchweg gut

Mit ECO-Programmen kann man richtig Geld sparen und die Hygiene bleibt auch nicht auf der Strecke.

Unter Umweltgesichtspunkten ist für eine Geschirrspülmaschine natürlich immer der Wasser- und Stromverbrauch entscheidend. Aber auch wie viel Reinigungspulver oder –Tabs sowie Salz und Klarspüler pro Waschgang eingesetzt werden. Die Verbraucherzentrale hat hochgerechnet, dass jährlich schnell mal 100 Euro Kosten zusammenkommen, wenn der Geschirrspüler etwa 300 Mal läuft.  Vorausgesetzt, sie läuft jeweils zur Hälfte im Normal- und im Sparprogramm (65 bzw. 45 Grad Celsius).

Für den Verbrauch, der auf dem Energielabel ausgewiesen ist, nehmen die Hersteller in der Regel die Ergebnisse der Öko- bzw. Sparprogramme her. Die laufen zwar länger als die Standardprogramme, aber eben auch mit wesentlich niedrigeren Temperaturen und einem geringeren Verbrauch. Bei den Spülmaschinen geht es dabei nicht nur um die Temperaturen beim Waschvorgang, sondern mittlerweile vor allem um die Energie, die für das Klarspülen aufgewendet wird, sagt der Mikrobiologe Dirk Bockmühl, Professor an der Uni Rhein-Waal, der die Hygiene in Spül- und Waschmaschinen untersucht hat.

"Die [Temperaturen] waren in der Vergangenheit immer sehr hoch, weil die dafür gesorgt haben, dass dann das heiße Wasser schnell vom Geschirr abgetrocknet ist und so das Geschirr trocken wurde, nach dem Spülen. Da gibt’s aber mittlerweile neue Technologien, die auch bei niedrigeren Temperaturen arbeiten."

Dirk Bockmühl, Mikrobiologe  

Die Stiftung Warentest hat zuletzt 109 Geschirrspüler untersucht (06/2017) und sich dabei auch die Reinigungsergebnisse in den jeweiligen Sparprogrammen angeschaut. Mit durchweg guten Ergebnissen, findet Stephan Scherfenberg von der Stiftung Warentest.

"Die meisten waschen und spülen total gut in diesen ECO-Programmen. Also selbst hartnäckigen Schmutz, den wir da raufbringen, wie angebrannte Haferflocken oder eingetrocknete Hackfleischsauce, kriegen die weg. Das machen die halt durch die Länge der Zeit. Damit gleichen die die niedrigeren Waschtemperaturen wieder aus."

Stephan Scherfenberg, Stiftung Warentest

Und tatsächlich brauchen die Programme sehr lange. Zwischen drei und vier Stunden waren im Test die Regel. Testsieger im Sparwaschgang waren übrigens gleich zwei Modelle von Miele.

Keine Keime in der Spülmaschine

Auch in den so genannten ECO-Programmen werden noch Temperaturen erreicht, die Pulver oder Tabs optimal auflösen, sagt Stephan Scherfenberg von der Stiftung Warentest: "Wir haben die Temperaturen in der Lauge oder im Wasser gemessen und  da wurden Temperaturen zwischen 45 und 55 Grad erreicht. Das ist ausreichend warm, damit die Wirksubstanzen den Schmutz lösen."

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Das bedeutet für die Verbraucher, dass auch in den Sparprogrammen die Hygiene gewährleistet ist. Grundsätzlich gehen die Experten sogar davon aus, dass Geschirrspüler Bakterien und Keime besser entfernen, als bei Geschirr, das von Hand gewaschen  wird. Mikrobiologe Dirk Bockmühl hat jedenfalls in den untersuchten Spülmaschinen nichts Besorgniserregendes gefunden: "Wenn man wirklich Bakterien und Pilze loswerden will, auf Besteck und Geschirr, ist eigentlich der Geschirrspüler immer noch das Mittel der Wahl. Das heißt: So was gehört in den Geschirrspüler und das kommt dann auch nahezu keimfrei raus." Weder auf den Innenwänden der Spüler noch auf dem Geschirr oder dem Besteck selbst fanden sich nach den Spülprogrammen noch Keime, die als Krankheitserreger gelten.

Einzig im Bereich des Siebs ist der Mikrobiologe fündig geworden, aber das Sieb ist schon konstruktionsbedingt prädestiniert dafür: "Weil da nach dem Spülen immer Wasser steht. Das heißt bezeichnenderweise auch 'Sumpf'. Man muss sich da jetzt keine Sorgen machen, wenn man da Keime findet, weil dieses Wasser kommt dann im nächsten Spülgang mit dem Geschirr nicht mehr in Berührung."

Das schwarze Hefepilz-Monster

Ende 2016 verunsicherten Forscher der Universität Ljubljana in Slowenien die Verbraucher, als sie plötzlich den "schwarzen Hefepilz" auf den Dichtungen von Geschirrspülern nachgewiesen haben. Der Schimmelpilz Exophiala dermatitidis soll Krankheiten auslösen und gilt als unempfindlich gegenüber Kälte, Säuren und Laugen.

Tatsächlich wurde in zahlreichen Artikeln und Internetforen ausdrücklich davor gewarnt, die Öko- oder Sparprogramme zu nutzen, weil der Monsterhefepilz damit nicht vernichtet werden könne. Alles Quatsch, meint Dirk Bockmühl von der Uni Rhein-Waal:

"Das mit dem schwarzen Hefepilz hat uns sehr beschäftigt, weil das waren Forschungsergebnisse.  Was hier ein bisschen vernachlässigt wurde, ist der Infektionsweg. Die Tatsache, dass Sie irgendwo auf der Dichtung ihres Geschirrspülers Keime finden, die möglicherweise Krankheiten auslösen können, heißt ja nicht, dass wir krank werden. Denn niemand, ich mache das immer sehr plakativ, leckt ja an den Dichtungen seiner Geschirrspüler."

Dirk Bockmühl, Mikrobiologe

Zumal mittlerweile auch davor gewarnt wird, der Schimmelpilz könne durch den Dampf, beim Öffnen des Geschirrspülers, in die Atemluft gelangen. Dann wäre es auch egal, ob man ein Öko- oder das heißere Standardprogramm benutzt. Diese "Gefahr" können Sie vernachlässigen, sagt der Bayern1-Umweltkommissar.

Und in der Waschmaschine?

„Also so niedrige Temperaturen wie bei den Waschmaschinen, haben wir bei den Geschirrspülern nicht festgestellt“, sagt Stephan Scherfenberg von der Stiftung Warentest. "Bei den Waschmaschinen haben wir ja schon 27 Grad in den 60 Grad-Programmen gemessen." Hier wollen die Hersteller bei den Verbrauchswerten für das Energielabel punkten und gleichen deshalb niedrigere Temperaturen mit länger andauernden Waschvorgängen aus. Das ist legal und das machen ausnahmslos alle Hersteller so, aber den Verbrauchern ist es nicht immer so klar, dass da, wo 60 Grad drauf steht, nicht immer auch 60 Grad im Sparprogramm erreicht werden.

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In Sachen 'Hygiene' ist das dennoch nicht unbedingt bedenklich, zumal die Waschmaschine anders konstruiert ist und deshalb mit dem Geschirrspüler nur schlecht zu vergleichen. Dennoch hat Mikrobiologe Dirk Bockmühl bei seinen Untersuchungen, Keime in der Waschmaschine gefunden. Und zwar dort, wo es der Verbraucher nicht unbedingt vermuten würde: Im Einspülkasten, also dort, wo Waschmittel, Antikalktabs oder Weichspüler eingefüllt werden.  Darüber können Keime natürlich auch auf die Wäsche gelangen, allerdings ist das Infektionsrisiko hier auch geringer als bei Geschirr. Dennoch ist es ratsam, den Einspülkasten regelmäßig gründlich zu reinigen und vor allem austrocknen zu lassen.

Ab und zu ist es auch hier ratsam, einen höher temperierten Waschgang, also mindestens 60 Grad zu wählen, gerade bei hygienisch problematischen Stücken, wie Unterwäsche. Es ist dann außerdem besser Waschpulver zu nehmen, weil in den Flüssigwaschmitteln grundsätzlich keine Bleiche enthalten ist, die hilft, Keime zu bekämpfen.  

Tipp vom Experten für Experten

  • Die Verbrauchswerte des Energielabels können von der tatsächlichen Leistung abweichen. Eine Maschine der Effizienzklasse A+++ ist zwar etwa 15 Prozent effizienter als ein Gerät mit A+, aber neben der Effizienz für die Spülleistung ist eben auch die Trocknungswirkung wichtig. Unter der Bestnote A sollten Sie gar nicht anfangen zu überlegen.
  • Die wirklich wichtigen Verbrauchszahlen finden Sie auf einem Produktdatenblatt, das für jedes Gerät vorgeschrieben ist.
  • Wer in Sachen 'Hygiene' auf Nummer sicher gehen will, sollte zwischendurch auch mal das Standardprogramm benutzen. Das ist etwas, das auch der Mikrobiologe Dirk Bockmühl empfiehlt: "Bei fast allen Hausgeräten, wo man das kann, wirklich einmal im Monat einen wirklich höheren Temperaturgang zu wählen."
  • Das hilft vor allem auch gegen eventuell entstehende Gerüche. Das ist nämlich tatsächlich das, worüber Verbraucher am häufigsten klagen: Über schlechte Gerüche in Folge von niedrigeren Temperaturen.  
  • Bei der Waschmaschine die Einspülkammer nach dem Waschen immer öffnen, damit der Bereich gut austrocknen kann. Keime mögen es feucht. Je trockener desto weniger Keime finden sich dort und kommen später wieder auf die Wäsche.

Fazit

Zwischen vier und 13 Cent pro Spülgang kann der Verbraucher mit einem guten Geschirrspüler einsparen, wenn er statt des Standardprogramms, mit üblicherweise 65 Grad, das ECO-Programm wählt. Weil Kleinvieh auch Mist macht, sind das übers Jahr immerhin auch zwischen 12 und 39 Euro Ersparnis.

Nicht alle Spülmaschinen der 109 getesteten Modelle waschen das Geschirr im Sparprogramm wirklich befriedigend, aber insgesamt geht die Waschleistung in Ordnung und viele Geschirrspüler bekamen ein „gut“ in der Bewertung.

Über Keime oder Bakterien, die aufgrund der etwas niedrigeren Spültemperaturen auf dem Geschirr oder im Besteckkasten zurückbleiben könnten, müssen sich die Verbraucher keine Gedanken machen. Bei Untersuchungen an der Uni Rhein-Waal wurden schlichtweg keine Keime gefunden, die in irgendeiner Art und Weise besorgniserregend gewesen wären.


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