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Induktion vs Ceran Sind Induktionsherde wirklich sparsamer?

Induktionskochfelder gelten als besonders sparsam. Und auch wenn sie deutlich teurer sind als vergleichbare Ceranfelder überlegen viele Hausmänner und -frauen den Umstieg. Der BAYERN 1 Umweltkommissar hat genauer untersucht, wann und ob sich ein Umstieg lohnt.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 05.11.2019

Kochplatten | Bild: mauritius-images

Über Jahrzehnte galt vor allem der Gasherd bei leidenschaftlichen Köchen als das Non-Plus-Ultra. Energie- und Stromverbrauch spielte dabei weniger eine Rolle. Entscheidend war hier vor allem, dass sich die Hitze - zum Beispiel beim Köcheln - besonders fein regulieren ließ. Die Induktionstechnik - also das Kochen mit elektromagnetischen Feldern - hat diese Möglichkeiten aber noch verfeinert. Gerade auf kleinster Stufe ist die Induktionstechnik der Gasflamme in dieser Hinsicht sogar überlegen (Stiftung Warentest 2/2015).

Wie funktioniert der Induktionsherd?

Induktionstechnik macht eine Spule möglich, die unter der Glaskeramikplatte sitzt und ein elektromagnetisches Feld erzeugt. Es wird also nicht – wie herkömmlich – die Herdplatte erwärmt, erklärt Energieberater Norbert Endres:

"Beim Induktionsherd wird ein elektromagnetisches Feld in den Topfboden induziert und von dem aufgenommen und genau an dieser Stelle ist dahinter auch das Wasser, das erwärmt werden soll und das nimmt die Wärme direkt auf."

Norbert Endres, Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern

Die eigentliche Platte bleibt dabei beinahe kühl. Schließlich sorgen die Magnetfelder für die Wirbelströme im Topf. Die flachen Induktionsspulen sind aus Kuper und erhitzen den Topf, indem die Energie des Magnetfeldes in Wärme umgewandelt wird, sobald er auf dem Kochfeld steht. Mittlerweile sind fast alle neuen Pfannen und Töpfe aus ferromagnetischem Metall und daher für den Induktionsherd geeignet.

Ist ein Ceranfeld ein Induktionsherd?

Stichwort "Ceran"

"CERAN" ist streng genommen ein Markenname für optisches Glas, v.a. Kochfelder. Ähnlich wie "Tempo" allgemein für Taschentücher verwendet wird. Korrekt und neutral müsste man von "strahlungsbeheizten Kochfeldern" sprechen.

Die Heizwendeln unter der Glaskeramik sind zwar nicht mehr ganz so träge wie die früheren gusseisernen Herdplatten, aber dennoch dauert es wesentlich länger, bis Speisen erwärmt oder Wasser zum Kochen gebracht werden können.

"Der Kundennutzen ist, dass diese Induktionskochfelder wesentlich schneller sind als die herkömmlichen, strahlungsbeheizten Kochfelder. Sie sind sicherer und sie sind sparsamer."

Robert Orsag, Abteilungsleiter 'Weiße Ware' beim Media Markt in Karlsfeld

Da bei diesem Verfahren die Kochfelder direkt erhitzt werden, kann übergelaufene Milch oder Sauce natürlich einbrennen. Dafür ist ein Herd mit strahlungsbeheizten Kochfeldern in der Regel wesentlich günstiger.

Welchen Vorteil hat Induktion gegenüber Gas?

DER Vorteil von Induktion gegenüber Gas: Auf niedrigen Stufen lässt es sich besser regulieren.

Prinzipiell muss ein Gasherd doppelt soviel Energie aufwenden wie ein Induktionsherd, um die gleichen Ergebnisse zu liefern. Vorausgesetzt man bezieht zuhause keinen Ökostrom, entstehen beim Heizen mit Gas dennoch weniger Treibhausgase. Auch die Betriebskosten sind geringer, was jedoch am günstigen Gaspreis liegt.

Das Handling auf niedriger Stufe ist jedoch dem Induktionskochfeld nicht gewachsen. Durch induzierte Wärme können auf der niedrigsten Stufe leicht 40 bis 50 Grad Celsius gehalten werden. So kann man beispielsweise Schokolade direkt im Topf zum Schmelzen bringen. Das schafft ein Gaskochfeld mit dem Flammenkranz nicht.

Induktion vs Ceran - Stromverbrauch

Induktionsherde verbrauchen in der Tat weniger Energie als Ceranfelder.

Der Energiespareffekt ist für viele der Hauptbeweggrund, auf einen Induktionsherd umzusteigen. Tatsächlich müssen sich Köche bei Induktion erstmal umstellen, weil beispielsweise Öl in der Pfanne sehr schnell heiß wird. Und trotzdem, sagt Norbert Endres, verbrauchen Induktionskochfelder wesentlich weniger Energie:

"Induktionsherde brauchen im Vergleich zu einem Ceranherd schon weniger Strom. Zwischen 15 und 20 Prozent kann man pauschal sagen." Norbert Endres, Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern

Das Induktionskochfeld kann es dabei in Sachen Schnelligkeit locker mit einem herkömmlichen Wasserkocher aufnehmen - der ansonsten sehr effizient Wasser zum Sprudeln bringt: Fünf bis acht Minuten für 1,5 Liter Wasser, mit der so genannten "Boost"-Funktion sogar noch schneller, erklärt Verkäufer Robert Orsak:

"Induktionskochfelder sind etwa dreimal so schnell wie strahlungsbeheizte Kochfelder. Mit der 'Boost'-Funktion hat man die Möglichkeit die ganze Leistung auf eine Kochstelle zu konzentrieren und kriegt das Wasser schneller aufgeheizt. Fast schneller als mit dem Wasserkocher selber."

Robert Orsag, Abteilungsleiter 'Weiße Ware' beim Media Markt in Karlsfeld

Wann lohnt sich ein Induktionsherd?

Nicht vorschnell auswechseln: Der Umstieg lohnt sich nur auf lange Sicht und bei starker Nutzung

Auch wenn Induktion energiesparend ist: Nicht für alle Haushalte lohnt sich der Umstieg, weil Induktion weniger Strom verbraucht. Nur bei starker Nutzung, hat die Stiftung Warentest bei einem Test 2015 (02/2015) errechnet, kommen über zehn Jahre etwa um die 900 Euro Ersparnis zusammen.  

"Also ein Singlehaushalt spart - wenn man voraussetzt, dass etwa 10 Prozent für Koch- und Backverbräuche anfällt - beim Umstieg etwa zwischen 7,50 und zehn Euro jährliche Stromkosten. Aus meiner Sicht ist da kein vorzeitiger Neukauf zu empfehlen."

Energieberater Norbert Endres

Wie viel kostet ein Induktionsherd?

200 bis 300 Euro mehr kostet ein Induktionsherd im Schnitt.

Induktionsherde sind immer noch 200 bis 300 Euro teurer als vergleichbare, herkömmliche Herde mit strahlungsbeheizten Kochfeldern.  Bei Haushalten mit zwei Personen können diese Werte noch verdoppelt werden, bei drei oder mehr Personen nimmt der entsprechende Verbrauch jedoch dann anteilig immer stärker ab. Während bei Singlehaushalten noch von typischen 200 kWh Kochstromverbrauch ausgegangen werden kann, sind es bei einem Vier-Personen-Haushalt nur noch etwa 600 kWh.

Tatsächlich gelten gerade bei Elektroherden, die sich nicht - wie Kühlschrank oder Tiefkühltruhe – im Dauerbetrieb befinden, andere Verschleißzeiten für den Umstieg. "Frühestens nach 15 Jahren, spätestens nach 20 oder 25 Jahren sollte ich solche Geräte wie Waschmaschine, Spülmaschine und auch Elektroherd ausgetauscht haben", sagt Norbert Endres, "bei Kühlgeräten kann man schon nach 12 bis spätestens 15 Jahren damit rechnen."

Ist ein Induktionsherd gesundheitsschädlich?

So ganz geheuer sind vielen die magnetischen Streufelder, die beim Kochen mit Induktion zwangsläufig entstehen, trotzdem nicht. Elektronische Implantate, wie Herzschrittmacher oder Defibrillatoren, könnten gestört werden. Deshalb sollten die Träger solcher Geräte immer vorher ihren Arzt fragen, bevor sie sich einen solchen Herd zulegen.

Ein Sicherheitsabstand von 10 bis 15 Zentimetern zum Induktionsfeld sollte eingehalten werden.

Grundsätzlich besteht aber laut Bundesamt für Strahlenschutz keine Gefahr für die Gesundheit durch ein Induktionskochfeld. Es wird lediglich empfohlen einen Sicherheitsabstand zum Herd von etwa 10 bis 15 Zentimeter einzuhalten. Die Technik erledigt den Rest, erklärt Energieberater: "Moderne Induktionsfelder schalten sich ab, wenn der Topf vom Herd genommen wird."

Dieser Sicherheitsaspekt ist übrigens vor allem für Familien interessant: Kinder können sich dadurch eigentlich nicht mehr die Finger auf der heißen Herdplatte verbrennen, sagt Verkäufer Robert Orsag, "weil die Hitze durch das magnetische Feld unter dem Topfboden nur entsteht. Das ist der Aspekt Sicherheit, dass man sich nicht verbrennen kann. Weil der Rest vom Glaskeramikfeld dann auch nicht heiß ist." 

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