Bayern 1 - Experten-Tipps


280

Kühlschranktemperatur Was ist die perfekte Kühlschranktemperatur?

Lassen sich mit der richtigen Kühlschranktemperatur Geld und Energie sparen? Das hat unser BAYERN 1 Umweltkommissar hier recherchiert.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 17.05.2021 | Archiv

Kühlschranktemperatur | Bild: mauritius-images; Bearbeitung: BR

Das Grundprinzip ist geblieben, aber die Kältemaschine, die Carl von Linde entwickelte und vor knapp 150 Jahren zum Patent angemeldet hat, ist mit den High-Tech-Kühlgeräten, die heute in unserer Küche stehen, nicht mehr zu vergleichen.

Konstanter Stromverbraucher

Kühl- und Gefrierschrank haben großen Einfluss auf die Stromrechnung.

Kühlschränke oder auch Gefrierschrankkombinationen sind heutzutage die einzigen Geräte, die in unserer Küche oder im Keller fast rund um die Uhr im Einsatz sind. Die Energieeffizienz der Geräte hat sich im Lauf der vergangenen 20 Jahre enorm verbessert. Die Stromkosten von damals liegen um fast zwei Drittel höher als bei modernen Geräten.
Und doch lassen sich Strom und Geld sparen, wenn wir es richtig anpacken. Viele stellen die Temperatur nämlich niedriger ein, als es notwendig ist - und das läppert sich bei einer Laufzeit von 365 Tagen im Jahr.

Schon ein Grad Celsius spart Geld

Die meisten wissen eigentlich gar nicht ganz genau, wie kühl oder eisig es in ihrem Kühlschrank eigentlich ist. Die meisten stellen irgendeinen mittleren Wert ein und glauben, dass es schon passt.

Jedes Grad zu kühl schlägt mit fünf Prozent auf die Stromrechnung.

Gerade beim Stromverbrauch des Kühlschranks kann das aber entscheidend dazu beitragen, Geld zu sparen oder auch zu verschwenden. "Denn jedes Grad Celsius, das er zu kühl eingestellt ist, bedeutet eine Verbrauchserhöhung um fünf Prozent", sagt Norbert Endres, Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern. Da kommt ganz schön was zusammen. Kühl- und Gefrierschränke verbrauchen - weil sie im Dauerbetrieb laufen - etwa ein Fünftel des gesamten Stroms im durchschnittlichen Haushalt (Tipp: So erledigen Sie Abtauen und Reinigen richtig).

Welche Temperatur ist im Kühlschrank ideal?

Von der Europäischen Union sind auf dem Energielabel für Kühlschränke fünf Grad empfohlen. Allerdings werden hierzulande fünf Grad Celsius allgemein als zu niedrig, also zu kalt, angesehen. "Acht Grad wird empfohlen als richtige Kühlschranktemperatur für den mittleren Bereich des Kühlteils", sagt Energieberater Endres. Das ist für die Lebensmittel in Ordnung und für die Hygiene im Kühlschrank auch völlig ausreichend.

Joghurt oben, Hackfleisch unten: So geht Ordnung im Kühlschrank

Der Kühlschrank ist in mehrere Temperatur-, in Kälte- sowie in Gefrierzonen unterteilt. Die hintere Front ist dabei im Allgemeinen die kälteste Zone, weil sich dort das Kühlaggregat befindet. Es ist das Herzstück des Kühlschranks, vergleichbar mit dem Motor beim Auto.

In einem modernen, hochwertigen Kühlschrank lässt sich sogar jede Kältezone einzeln regulieren. Der Kühlschrank funktioniert dabei vollautomatisch. Das heißt, wenn sich durch das Öffnen der Tür oder durch das Einstellen von Lebensmitteln die Temperatur kurzzeitig erhöht, sorgt das Kühlaggregat dafür, dass die Temperatur wieder auf die vorgegebene Gradzahl sinkt. Je besser und leistungsfähiger der Kühlschrank ist, umso schneller geht das. Klar, dass sich in dieser Zeit der Strombedarf kurzfristig erhöht, weil der Kühlschrank mehr und aktiver arbeitet.

Die unterschiedlichen Temperaturzonen

Es haben also nicht alle Bereiche innerhalb eines Kühlschranks die gleiche Temperatur. Diese unterschiedlichen Temperaturzonen sind physikalisch bedingt, weil kalte Luft eine höhere Dichte hat als warme und demzufolge nach unten sinkt.

Das hat zur Folge, dass die kälteste Zone im Kühlschrank unmittelbar über der Glasplatte liegt, die das Gemüsefach abgrenzt. Dort unten können Temperaturen um zwei Grad herrschen. Also ist es das Beste, dort sehr leicht verderbliche Lebensmittel wie etwa frischen Fisch oder rohes Fleisch zu lagern.

Übrigens: Wenn es in Ihrer Küche um die 30 Grad warm ist, verdirbt Brot, Obst, Vollkornmehl schneller. Mehr dazu lesen Sie hier: Diese Lebensmittel sollten bei Hitze in den Kühlschrank

Wo ist es am wärmsten im Kühlschrank?

Sieben Grad sind die ideale Kühlschranktemperatur.

Gemäß den Gesetzen der Thermik steigt "warme" Luft nach oben und daher liegen in den beiden oberen Fächern im Kühlschrank die Zonen mit den höheren Temperaturen. Dort sind Wurst oder Käse ganz gut aufgehoben, weil die Aromastoffe dort besser erhalten werden können.

Eine der wärmsten Zonen im Kühlschrank ist übrigens die Tür, weil diese am weitesten vom Verdampfer an der Rückwand entfernt liegt. Hier können Getränke und Eier optimal gelagert werden.

Das Gemüsefach ist durch die Schubfächer aus Plastik nach vorn und nach oben hin durch die Glasplatte geschützt, so dass die kalte Luft nicht bis in die Gemüsefächer absinken kann. Hier herrschen meist Temperaturen um acht Grad, die das Gemüse frisch halten und es dennoch nicht einer zu großen Kälte auszusetzen.

Was darf in den Kühlschrank - und was nicht?

In das Obst- & Gemüsefach des Kühlschranks dürfen: Äpfel, Aprikosen, Birnen, Erdbeeren, Feigen, Kirschen, Kiwis, Nektarinen, Pflaumen, Pfirsiche, Tafeltrauben - und Kohlrabi, Lauch, Artischocken, Blumenkohl, Brokkoli, Fenchel, Karotten, Radieschen, Salat, Spinat und Spargel.

NICHT in den Kühlschrank sollten Ananas, Avocados, Bananen, Granatapfel, Mangos, Papayas, Zitrusfrüchte - und Auberginen, Gurken, Grüne Bohnen, Kartoffeln, Kürbis, Paprika und Zucchini.

Bei Tomaten sagen die meisten "Auf keinen Fall in den Kühlschrank!". Das stimmt aber nicht unbedingt, wie eine Studie der Universität Göttingen gezeigt hat. Lesen Sie hier: Und sie dürfen doch! Tomaten in den Kühlschrank

Kühlschrank-Temperatur Stufen

Neben den klassischen Temperaturzonen im Innenraum trumpfen moderne Kühlschränke mittlerweile noch mit einer ganzen Reihe weiterer Kältezonen auf: Zum Beispiel mit "Kellerzonen", in denen die Temperatur höher ist als in einem herkömmlichen Kühlschrank üblich. Oder es gibt Zonen mit einer unterschiedlichen Luftfeuchtigkeit.

Bei Umluft-Kühlschränken bleibt die Temperatur im Inneren des Kühlschrankes mehr oder weniger gleich. Ein Ventilator erzeugt hier die die Umluft. Die Geräte sind wesentlich teurer als herkömmliche Kühlschränke und werden vorwiegend in der Gastronomie eingesetzt. Der Vorteil: Durch die bessere Verteilung der Kälte, vereisen die Geräte kaum und müssen nicht abgetaut werden. Andererseits verlangen viele Lebensmittel eine unterschiedliche Kühlung und die Austrocknung kann durch den Ventilator auch ein Problem werden. Zudem ist der Stromverbrauch dadurch natürlich höher.

Übrigens: Je voller der Kühlschrank, desto weniger kalte Luft kann entweichen, wenn Sie die Tür öffnen, weil die Kälte dann gebunden ist.

Welche Temperatur im Gefrierschrank?

Ein voller Kühlschrank ist energetisch gesehen besser als ein leerer, denn die gekühlten Lebensmittel halten die Temperatur mit konstant.

Auch wenn viele Kühlschränke schon eine Anzeige haben, muss das nicht unbedingt für den mittleren Bereich des Kühlteils gelten. Es kommt immer auch darauf an, wo der Fühler angebracht ist. Der Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern, Norbert Endres, empfiehlt, sich ein Thermometer anzuschaffen und es zum Temperaturtest in die Mitte des Kühlschranks zu legen: "Ein Flüssigkeitsthermometer. Auch mit der richtigen Skala bis in den Gefrierbereich. Bis Minus 20 Grad Celsius sollte es messen können. Kostet wenige Euro." Gibt’s in jedem Baumarkt zu kaufen. Damit lässt sich dann auch gleich die Temperatur im Gefrierfach messen. Hier sind 18 Grad Minus empfohlen.

Gut zu wissen vor dem Kauf eines Kühlschranks

Die Größe des Kühlschranks ist entscheidend, was den späteren Stromverbrauch angeht. Die Faustregel lautet: Pro Person und pro Haushalt jeweils 50 Liter Nutzvolumen. Bei vier Personen, die zusammen in einem Haushalt leben, ergibt die Rechnung in dem Fall, dass ein Kühlschrank mit 250 Liter Fassungsvermögen sinnvoll wäre.

Ab wieviel kWh weniger im Verbrauch lohnt sich Neuanschaffung?

Das ist schon groß. Der Unterschied im Verbrauch auch, sagt der Energieberater. "Während so ein kleiner, 80 Zentimeter hoher Kühlschrank weit weniger als 100 Kilowattstunden jährlich braucht, heißt maximale Stromkosten von 25 Euro, verursacht so ein Doppeltürkühlschrank die vier- bis fünffachen Stromkosten." Achten Sie beim Neukauf auf die Effizienz. 0,1 kWh weniger im Verbrauch rechtfertigen Mehrausgaben bei der Anschaffung von gut 160 Euro. 

Die Frage, ob sich die Neuanschaffung lohnt, ist rechnerisch komplizierter. Laut eines Wegweisers für Privathaushalte des Bauzentrums München, ist der Ersatz des Altgeräts in der Regel dann wirtschaftlich, "sofern die Differenz zwischen dem Tagesverbrauch des Altgeräts und dem auf die Raumtemperatur umgerechneten  Verbrauch des Neugeräts größer als 0,4 kWh/Tag ist." Um so etwas exakt zu messen, gibt’s Energieberater.

Die EU sieht gerade bei Kühl- und Gefriergeräten im Dauereinsatz noch viel Energiesparpotential. Nach dem neuen EU-Label schafft bislang auch kein Gerät die beste Kategorie, nämlich A. "Außerdem ist gerade bei Kühl- und Gefriergeräten der Abstand zu den einzelnen Energieklassen relativ festgelegt, indem nun Verbrauchsunterschiede von 20 Prozent zwischen den einzelnen Klassen die Regel sind", sagt Norbert Endres, "man will die Hersteller motivieren, um das zu erreichen, was eben heutzutage schwieriger sein wird als vor 20 Jahren." Nämlich aufzusteigen. Aber immerhin: Ein Energieklassenunterschied von E zu D bedeutet ein Fünftel weniger Energieverbrauch. Alle Infos zum neuen Energielabel, das seit März 2021 gilt, lesen Sie hier: Was bringt das neue EU-Energielabel A bis G?

Was beim Kühlschrank Geld und Strom spart

  • Sobald sich Eis im Kühlschrank bildet, sinkt die Leistung und erhöht sich der Stromverbrauch. Regelmäßiges Abtauen ist also gut für die Energiebilanz des Kühlschranks.
  • Je kühler die Raumtemperatur, desto weniger Leistung muss das Gerät erbringen, um im Innern für die notwendige Kühlung zu sorgen. Am besten ist natürlich Gefrierschränke oder Truhen in den Keller zu stellen. In der Küche ist die Temperatur durch das Kochen, Braten oder Backen natürlich immer etwas höher. Deshalb sollte das Kühlgerät, nicht direkt neben dem Herd oder einem Heizkörper stehen bzw. direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein. 
  • Ein voller Kühlschrank ist energetisch besser als ein leerer: Ein vollgestellter Kühlschrank hält die Temperatur besser. Das hat einfach damit zu tun, dass ein leerer Kühlschrank nur kalte Luft enthält, die entweicht, wenn Sie die Tür aufmachen und die neue wärmere Luft muss erst wieder runtergekühlt werden. Sind aber Lebensmittel im Kühlschrank, dann binden sie Kälte und kühlen diesen mit.
  • Auch klar: Bevor Sie etwas in den Kühlschrank stellen, wie zum Beispiel Reste einer Mahlzeit, sollten diese erst auf Zimmertemperatur abkühlen. Denn je wärmer das Essen ist, desto mehr Energie, also Strom, muss der Kühlschrank aufwenden, um diese auf Kühlschrank-Temperatur (8 Grad Celsius) herunterzukühlen.
  • Je kürzer die Tür offen bleibt, desto geringer ist der Temperatur-Verlust und somit die Stromkosten für das erneute Wiederherstellen der richtigen Temperatur im Kühlschrank.
  • Wer Gefrorenes im Kühlschrank langsam auftaut, hilft, die Temperatur abzusenken.

Weiterführender Link:

Video: So geht's!

Podcast "Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar"

Alle Episoden zum Nachhören oder auch den Podcast im Abo gibt's jederzeit und kostenlos im BR-Podcast Center, bei iTunes, Spotify und der ARD Audiothek.
Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie auf der Übersichtsseite "Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar".

Sie haben auch eine Frage? Schreiben Sie uns!

Ist das Eco-Programm der Spülmaschine wirklich umweltfreundlich, auch wenn es stundenlang braucht? Dürfen Bioplastiktüten in die Biotonne? Wenn Sie auch so eine Frage aus Ihrem Alltag haben, schreiben Sie uns.

Ihre Frage an den BAYERN 1-Umweltkommissar

Mit * gekennzeichnete Felder sind verpflichtend.

Bitte geben Sie höchstens 500 Zeichen ein.

Einwilligungserklärung *

Informationen nach Art. 13 der Datenschutz-Grundverordnung


280