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Mikrowelle Strahlung Tritt bei Mikrowellen gefährliche Strahlung aus?

Ist die Mikrowelle nur praktisch oder wegen der Strahlung vielleicht doch auch gefährlich? Der BAYERN 1 Nachhaltigkeitspodcast "Besser leben" erklärt's.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 04.04.2022 | Archiv

Hand an Mikrowelle | Bild: mauritius-images

Der Mikrowellenherd ist in deutschen Küchen mittlerweile ein Standardgerät. Drei Viertel aller Haushalte und sogar 80 Prozent aller Familien mit Kindern besitzen eine Mikrowelle. Eben weil sie praktisch ist, um schnell mal Milch zu erhitzen oder ein einzelnes Gericht zu erwärmen.

1946 wog das erste Mikrowellengerät noch 340 Kilogramm und war fast 1,80 Meter hoch, als es der Ingenieur Percy Spencer 1947 in den USA auf den Markt brachte. 5.000 Dollar kostete das Monster und auch die nachfolgenden Geräte konnten sich nur gut betuchte Amerikaner leisten. Mikrowellenherde wurden anfangs vor allem von Fluggesellschaften benutzt, um Speisen für die Passagiere zu erwärmen. Erst in den 1970ern eroberte die Mikrowelle Millionen von Haushalten, als die Geräte immer günstiger wurden und sie sich damit immer mehr Menschen leisten konnten.

Mikrowelle - Teufelszeug oder effizienter Helfer?

Gerade in vielen Familien mit Kindern ein unentbehrlicher Helfer - die Mikrowelle.

Dennoch scheiden sich an der Mikrowelle die Geister. Die einen verabscheuen die Mikrowelle als Teufelszeug, die anderen verweisen auf ihre Effizienz. Tatsächlich sind die Geräte immer ausgereifter geworden, so dass es nicht mehr nur möglich ist, energiesparend Tiefgefrorenes rasch aufzutauen, sondern es werden oft auch Kombinationen mit Heißluft, Grill und Dampfgaren angeboten.

Andererseits geht seit Jahrzehnten auch die Angst um. Die Angst, Strahlen könnten austreten und uns Menschen schädigen. Oder aber, dass eben diese Mikrowellen im Gerät die Struktur der Speisen oder Flüssigkeiten verändern und damit langfristig sogar gesundheitsschädlich wirken könnten.

Hier geht es deshalb nicht darum, zu beurteilen, ob Fertiggerichte, die in der Mikrowelle zubereitet werden, gut schmecken oder ob es Sinn macht, darin Kartoffeln zu garen. Vielmehr geht es darum, ob es stichhaltige Belege oder zumindest handfeste Indizien dafür gibt, dass der Mikrowellenherd in der Küche schädlich für Mensch und Umwelt ist.

Wie funktioniert eine Mikrowelle?

Warme und kalte Stellen sind typisch beim Erwärmen von Speisen in der Mikrowelle.

Um es ganz einfach auszudrücken: Wenn man Temperatur als ungeordnete Bewegung auf mikroskopischer Ebene versteht, geht es beim Erwärmen darum, diese Bewegung irgendwie zu erhöhen. Das kann man ganz klassisch auf dem Herd machen oder aber eben in der Mikrowelle: "Man strahlt da elektromagnetische Strahlung ein und regt mikroskopisch klein die Grundbausteine, aus denen Essen aufgebaut ist, zu Schwingungen an", erklärt Tobias Kießling, Physiker der Uni Würzburg - "und dadurch, dass sie stärker schwingen, wird es dann von außen wärmer."

Um überhaupt Mikrowellen erzeugen zu können, brauchen die Geräte ein so genanntes "Magnetron". Dort werden die Mikrowellen erzeugt, indem Elektronen mittels Magnetfeld in eine kreisförmige Bahn gebracht werden. Die metallische Innenverkleidung des Mikrowellengeräts, die positiv aufgeladen ist, erledigt dann den Rest und bringt die Elektronen in Schwung oder bremst sie ab.

Wassermoleküle haben eine positive und eine negative Seite und damit einen sogenannten elektrischen Dipol. Die Teilchen sind also unausgewogen und schwingen bzw. rotieren hin und her, wenn die Mikrowellen auf sie treffen. Durch die Reibung der beweglichen Teilchen entsteht Wärme. Am besten funktioniert das bei flüssigem Wasser. Wird die Auftau-Funktion des Mikrowellenherds betätigt, werden die Mikrowellen deshalb auch immer nur in Schüben ausgesendet. Das flüssige Wasser wird erwärmt und soll dann das Eis drum herum zum Schmelzen bringen.

Der Drehteller oder auch sogenannte "Wellenrührer" sorgt übrigens für die bessere Verteilung der Wärme in den Speisen, weil es in den Produkten "cold spots" und "hot spots" gibt, die sonst zu einer ungleichen Temperaturentwicklung führen würden. "Die Mikrowellen haben so typische Wellenlängen um zwölf Zentimeter", erklärt der Würzburger Physiker Kießling, "es gibt also ziemlich viele Bereiche, in denen eben kein großer Übertrag ist. Und das würde dafür sorgen, dass man kalte und warme Stellen im Essen bekommt." Um das zu vermeiden, dreht sich der Teller.

Mikrowelle Wirkung auf Menschen

Natürlich sind Mikrowellenstrahlen ohne schützendes Gehäuse schädlich für den menschlichen Körper. Aber genau deshalb sind Mikrowellengeräte auch bestmöglich abgeschirmt - eben damit aus dem Metallkäfig und durch das Metallgitter hinter der Glasscheibe keine Strahlen nach außen dringen können. Denn vereinfacht gesagt sind die Löcher im Metallgitter für die Mikrowellenstrahlung viel zu klein sind, als dass die Strahlen sie durchdringen könnten.

Allerdings können die Wellen nicht vollständig abgeschirmt werden: "Eine große Quelle für die Leckstrahlung ist einfach der Türspalt zwischen Gehäuse und der Tür", sagt Alexander Leymann, Physiker des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), "und die ist einfach unvermeidlich. Sie ist aber relativ schwach. Und es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass sie irgendeine gesundheitsrelevante Wirkung auf uns hat."

Mikrowelle Strahlung messen

Wie so vieles ist auch für Mikrowellengeräte ein genauer Emissionsgrenzwert festgelegt. Zur Sicherheit dürfen in einem Abstand von fünf Zentimetern zum Gerät fünf Milliwatt pro Quadratzentimeter nicht überschritten werden - das entspricht 50 Watt pro Quadratmeter. Gerade weil es bezüglich der Mikrowellengeräte große Vorbehalte und Bedenken gibt, führt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) immer wieder Tests durch und untersucht die Leckstrahlung bei verschiedenen Geräten:

"Unsere Messungen an älteren und neueren Geräten zeigen auch, dass die Leckstrahlung die austritt, in allen Fällen ungefähr gleich ist und in fast allen Fällen deutlich unterhalb der Richtwerte."

Alexander Leymann, Physiker des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS)

Zudem nimmt die Intensität der Mikrowellenstrahlung mit zunehmendem Abstand zum Gerät schnell ab. In 30 Zentimetern Entfernung ist beispielsweise nur noch etwa fünf bis zehn Prozent der an der Oberfläche gemessenen Mikrowellenintensität vorhanden: Somit sind keine gesundheitlich bedenklichen Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder nachgewiesen, wenn die Grenzwerte eingehalten werden.

Werden Nährstoffe in der Mikrowelle zerstört?

Mikrowellen liegen in einem Frequenzbereich, der als nicht-ionisierend eingestuft wird, d.h. sie haben keine zellverändernde Wirkung. Grundsätzlich hat die Erhitzung von Gemüse, Milch oder anderen Lebensmitteln in der Mikrowelle keinen Einfluss auf deren Inhaltsstoffe. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass es wie bei der konventionellen Zubereitung auf dem Herd darauf ankommt, ob schonend gekocht wird. Jedenfalls hat Gemüse, das in normalen Portionen und mit sehr wenig Flüssigkeit in der Mikrowelle gegart wird, nicht weniger Vitamine als Gemüse, das auf dem Herd gedünstet wird.

Beim Auftauen von Tiefgefrorenem kann die Mikrowelle sogar ihren Vorteil ausspielen, dass sich mit ihrer Hilfe die Auftauzeit extrem verkürzt. Gleiches gilt, wenn in einer Familie jeder zu anderen Zeiten essen möchte und nur die eigene Portion in der Mikrowelle erwärmt. Da geht es nicht nur um Inhaltsstoffe, die bewahrt werden, sondern auch um Energie, die eingespart wird.  

Ist Essen aus der Mikrowelle verstrahlt?

Babynahrung sollte nicht in der Mikrowelle erwärmt werden, weil dort nicht alle Keime abgetötet werden.

Eine schnelle Erwärmung ist sogar nährstoffschonender, wenn man die Mikrowelle richtig einstellt und darauf achtet, dass auch hier die Lebensmittel nicht heißer und länger erhitzt werden als nötig. Während beim Kochen viele Vitamine ins Kochwasser übergehen und anschließend weggeschüttet werden, ist in der Mikrowelle extrem wenig Wasser notwendig, um schonend zu garen. Es bleiben auch keine Rückstände von Mikrowellen in der Nahrung zurück. Die Zusammensetzung des Essens wird also nicht verändert. 

Allerdings gibt es auch Grenzen der Leistungsfähigkeit. Wegen der unterschiedlichen Temperaturverteilung in den Produkten ist zum Beispiel die Zubereitung von Babynahrung oder heiklen Lebensmitteln (Eiern oder Geflügel) problematisch, was die Abtötung von Erregern wie Salmonellen oder Listerien angeht. Hier ist es jedenfalls immer sinnvoller, den Herd zu benutzen. 

Mikrowelle gesundheitsschädlich

Die Mikrowellen erhitzen nur die Nahrung, nicht das Geschirr.

Immer wieder tauchen vor allem im Internet fragwürdige Belege für die schädliche Wirkung von Mikrowellengeräten auf. Meistens sind diese angeblichen Untersuchungen in pseudowissenschaftliche Texte eingebettet, halten aber einer Überprüfung nicht stand. Zumal nicht nur die Bedingungen zweifelhaft sind, sondern auch die genannten "Wissenschaftler", die dahinterstehen.

So geistern immer wieder die Ergebnisse einer Untersuchung durchs Netz, die angeblich eine Verschlechterung des Blutbildes nachweisen, wenn Menschen ihr Essen ausschließlich in der Mikrowelle zubereiten oder erhitzen. Die Ergebnisse einer Schweizer Studie aus den 80er-Jahren haben einer Überprüfung in keiner Weise standgehalten. Auch dass Aminosäuren in der Milch eine L/D-Isomesierung aufweisen, wenn sie erhitzt wird und somit neurotoxisch wirken, ist mittlerweile widerlegt. Die Versuchsanordnung entsprach nicht den üblichen Bedingungen.

Warum stört die Mikrowelle manchmal das WLAN?

Eine Art von besorgter Meldung erreicht das Bundesamt für Strahlenschutz aber dennoch ab und an, sagt Alexander Leymann: "Dass die Mikrowellen das WLAN oder den Bluetooth-Empfang gestört haben. Aber das ist eben auch kein Wunder, denn die Mikrowelle arbeitet bei 2,45 Gigahertz, und in diesem Frequenzbereich sind eben auch WLAN und Bluetooth unterwegs.“"Auch wenn die Mikrowelle sehr gut abgeschirmt ist, kann eben die so genannte Leckstrahlung beim Betrieb der Mikrowelle auch mal unseren WLAN-Empfang stören, wenn die Geräte in unmittelbarer Nähe stehen. Das mag vielleicht nervig sein, ist aber vollkommen harmlos.

Weiterführende Links und Quellen

Harvard Medical School: Microwave cooking and nutrition

Übrigens: Selbst Plastikbehälter, die das Symbol "Mikrowellen-geeignet" tragen, können gefährlich werden. Wie? Lesen Sie dazu "Plastik in der Mikrowelle: Diesen Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden"

Podcast "Besser leben. Der BAYERN 1 Nachhaltigkeitspodcast"

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Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie auf der Übersichtsseite "Besser leben. Der BAYERN 1 Nachhaltigkeitspodcast".

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