Bayern 1 - Experten-Tipps


28

Bio-Honig Wann ist Honig bio?

Eifrig sammeln Bienen Pollen und Nektar, um Honig zu erzeugen. Wohin die fleißigen Sammlerinnen fliegen, wissen nur sie selbst. Der Bayern 1-Umweltkommissar will wissen, wann ein Honig bio ist - und wie das kontrolliert wird.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 15.07.2017

Ein Glas Honig, daneben liegen Blümchen | Bild: mauritius-images

Waldhonig, Tannenhonig, Rapshonig, Blütenhonig - Honig gibt es in Deutschland in Hülle und Fülle. Sortenrein oder auch gemischt - ökologisch oder konventionell hergestellt. Darüber hinaus ist beim Honig sehr wichtig zu wissen, ob er aus regionaler oder deutscher Produktion stammt oder importiert worden ist.

In Deutschland werden nach Angaben des Deutschen Imkerbundes jährlich rund einhundert Millionen Kilogramm Honig verzehrt. Aber: Nur ein Viertel bis ein Fünftel dieser Menge wird hierzulande produziert. Daher können gar nicht alle Verbraucher ihren Bedarf mit Honig von deutschen oder gar regionalen Imkern decken. Rund 100.000 Imker mit etwa 750.000 Bienenvölkern sind in Deutschland registriert. Den Honig kann man natürlich auch importieren, die Bestäubung der heimischen Blüten hingegen nicht.

Honig-Ernte in Schwaben

Honig ist ein Naturprodukt und wird auch als solches beworben und geschätzt, aber genau deshalb ist die natürliche Umgebung der Bienen von besonderer Bedeutung. Liegt hier etwas im Argen, sei es durch den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft oder durch gentechnisch veränderte Pflanzen, findet sich das letztlich auch im Honig wieder. Gerade beim industriell gemischten Honig ist oftmals nur im Kleingedruckten zu lesen, dass der Honig aus EU- und auch Nicht-EU-Ländern stammt. Das muss nichts Negatives bedeuten, aber die Verbraucher möchten gerne wissen, ob der Honig aus Argentinien vielleicht von einem Feld mit gen-veränderten Pflanzen stammt.

"In jedem von einem deutschen Imker erzeugten Honig kann der Verbraucher sicher sein, dass sich darin kein gentechnisch veränderter Organismus entsprechender Pollen befindet."

Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.)

Grundsätzlich vertrauen wir auf Zertifikate, die uns Honig in Bio-Qualität versprechen, und es gibt auch keine Gründe, dies nicht zu tun. Aber gerade beim Honig ist dem Verbraucher oft nicht ganz klar, was der zertifizierte Bio-Imker eigentlich leisten muss, um das Label auf sein Glas zu kleben. Schließlich fliegen Bienen kilometerweit, um Blüten anzufliegen. Und das kann der Imker nicht hundertprozentig kontrollieren.

Was bedeutet Bio-Honig ganz genau?

Natürlich können auch Bio-Imker nicht die Nahrungssuche ihrer Bienen völlig beeinflussen, selbst wenn Bienen direkt neben oder umgeben von Feldern eines ökologisch geführten Landwirtschaftsbetriebes leben. Eine Biene hat einen durchschnittlichen Flugradius von bis zu fünf Kilometern. Angesichts der intensiven Landwirtschaft, die in Europa, aber auch in Deutschland betrieben wird, fast ein Ding der Unmöglichkeit. Bienenstöcke von Bio-Imkern müssen deshalb auch so aufgestellt sein, "dass im Umkreis von drei Kilometern um den Standort Nektar- und Pollentrachten im Wesentlichen aus ökologischen/biologischen Kulturen und/oder Wildpflanzen und/oder Kulturen bestehen, die nach Methoden mit geringer Umweltauswirkung behandelt werden", legt die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau fest.

Deshalb sind die Standards bei Bio-Honig auch eher auf die äußeren Rahmenbedingungen ausgerichtet. Der Bienenkasten besteht beispielsweise nicht aus Kunststoff, sondern aus Holz. Die Holzschutzanstriche dürfen wiederum nicht auf den Honig übergehen und dort mögliche Rückstände produzieren. Auch bei der Behandlung von Bienenkrankheiten gelten bestimmte Vorschriften. Wesentlich ist aber auch die Fütterung, sagt Walter Haefeker, der auf Gut Kerschlach bei Pähl im Pfaffenwinkel eine Bio-Imkerei betreibt: "Wenn wir den Honig durch eine Zuckerlösung ersetzen, dann ist es im Bio-Bereich wiederum Biozucker. Also indirekt sorgt ein Kunde, der Bio-Honig kauft, auch dafür, dass in der Landwirtschaft pestizidfrei Zucker produziert wird: Rohrzucker oder Biorübenzucker." Darüber hinaus dürfen auch bei der Honiggewinnung keine chemisch synthetischen Repellents (zum Beispiel Benzaldehyd oder Carbol) verwendet werden.

Bio-Imker Walter Haefeker

Da aber durch die Zertifizierung und die regelmäßigen Kontrollen Zusatzkosten für den Imker entstehen, lohnt sich eine Umstellung - laut Empfehlung der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau - betriebswirtschaftlich sowieso eher für größere Betriebe ab etwa 30 Völkern. Außerdem brauchen die Bio-Imker eine gute Vermarktungsstruktur, um die erforderlichen höheren Preise zu erzielen. Für Bio-Imker Haefeker gilt, dass "wenn es auffällig billig ist, man sich - egal ob 'bio' draufsteht oder nicht - die Frage stellen muss: Kann das wahr sein?"

Fair gehandelter Honig ist deshalb auch eine gute Alternative zu Bio-Honig oder Honig aus der Region. Schließlich kommt ein großer Teil des importierten Honigs aus Entwicklungsländern. So garantiert "Fairtrade", das der Bundesverband Verbraucherinitiativen empfiehlt, dass der Preis für Honig die Produktionskosten der dortigen Erzeuger deckt. Bei Honig aus fairem Handel fand Ökotest in einer Untersuchung (Januar 2012) keine Rückstände gentechnisch veränderter Pollen wie auch im Honig deutscher und südosteuropäischer Imker.

Eine Langzeitstudie (2007 bis 2011) des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) entdeckte in bayerischem Honig auch keinerlei Rückstände von Antibiotika. In ausländischen Bio-Honigen wurden hingegen sogar in sechs von 48 Bio-Honigproben geringe sowie in 23 von 64 Proben von konventionellem Honig Rückstände nachgewiesen.

Keine Kennzeichnung mehr von Gen-Pollen auf dem Etikett

Im April 2014 haben die EU-Staaten - fast nebenbei - die bestehenden hohen Standards für Honig kassiert. Verbraucher erfahren auch künftig nicht, ob Honig Pollen von genmanipulierten Pflanzen enthält. Pollen seien natürlicher Bestandteil von Honig und müssen deshalb nicht als Zutat aufs Etikett, so steht es in dem Gesetzesvorschlag, den das EU-Parlament in Straßburg mit knapper Mehrheit verabschiedete. Diese neuen Regeln sind seit Mai 2014 in Kraft. Allerdings haben die 28 EU-Staaten ein Jahr Zeit zur Übertragung in nationales Recht. Peter Maske, Präsident des deutschen Imkerbundes ist wie viele Kollegen darüber empört: "Honig ist ein Naturprodukt und ein gentechnisch veränderter Organismus hat darin nichts verloren".

Vorrausgegangen war ein knapp zweijähriges Rechtsvakuum nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom September 2011. Die Imker hatten sich damals erfolgreich gegen die Gentechnik-Lobby gewehrt. Damals hatten die Richter geurteilt, dass mit gentechnisch veränderten Pollen "verunreinigter" Honig als solcher gekennzeichnet werden muss. Jeder Honig sollte überprüft und ab einem Anteil von 0,9 Prozent an Gen-Pollen als "gentechnisch verändert" gekennzeichnet werden. Ein enormer Zulassungsaufwand, der mit der Neuregelung von der EU jetzt umgangen worden ist, indem sie den Pollen nicht als Zusatzstoff einstuft, sondern als natürlichen Bestandteil. Vor allem für die eher gentechnik-kritischen Verbraucher in Deutschland sowie die Imker ein fragwürdiges Vorgehen Auch Walter Haefeker, Präsident der Vereinigung der Europäischen Berufsimker, kann dies nur süffisant kommentieren: "Die jetzige Rechtslage ist, dass die Bienen eine, selbst den Imkern fremde, magische Fähigkeit besitzen. Sie haben nämlich die Fähigkeit, so möchte es die Kommission, gentechnisch veränderten Pollen von Mais [der kennzeichnungspflichtig ist], durch den Eintrag in den Honig in ein natürliches Produkt zu verwandeln, das nicht kennzeichnungspflichtig ist."

Bienen von Imker Walter Haefeker | Bild: Walter Haefeker

Wo die Bienen ihren Pollen sammeln, wissen sie nur selbst ...

Dass die Verbraucher bei so einer Regelung nicht mehr zwischen "Honig mit und ohne Gentechnik" unterscheiden können, hat auch die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert. Die Imker wollen deshalb auch darum kämpfen, dass der Abstand von Bienenständen und Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen eingehalten beziehungsweise ausgebaut wird. Wenn man bedenkt, dass Bienen eine Strecke von mehreren Kilometern zurücklegen können, wirkt ein gesetzlicher Sicherheitsabstand von 500 Metern zu gentechnisch verändertem Mais eher lächerlich.

Den deutschen und insbesondere den bayerischen Imkern bleibt derzeit nur, ihr Label "Echter deutscher Honig" besser herauszustellen. Bayern ist schließlich gentechnikfrei. Der Freistaat hat im April 2014 außerdem die Beitrittsurkunde zu einem Netzwerk gentechnikanbaufreier Regionen in Europa unterzeichnet. Deshalb haben auch die Lebensmittelkontrolleure bislang noch keine Gen-Pollen in bayerischem Honig gefunden. "Allerdings nützt uns ein Anbauverbot in Bayern nichts", sagt Peter Maske vom D.I.B., "wenn dann brauchen wir das gesamte Anbauverbot für Deutschland. Ich gehe sogar noch weiter: für ganz Europa."

Honig mit dem Qualitätssiegel "Echter deutscher Honig"

Honig mit der Bezeichnung "Echter deutscher Honig" entspricht den Qualitätsrichtlinien des Deutschen Imkerbundes e.V. Dieser Honig ist dann garantiert in Deutschland erzeugt und enthält alle natürlichen Inhaltsstoffe. Die Produktkontrollen werden nach festgeschriebenen Qualitätsstandards regelmäßig durchgeführt. Imker, die diese Standards erfüllen, verwenden die Gläser des Imkerbundes mit entsprechender Banderole. Für Honig wird außerdem das Zeichen "Lebensmittel TÜV geprüft" von der in Bayern ansässigen Vitacert GmbH vergeben. Honig mit diesem Zeichen ist unter anderem in der Region gewonnen und schonend verarbeitet. Die festgelegten Qualitätsstandards gehen über gesetzliche Bestimmungen und die nicht näher bestimmte "gute fachliche Praxis" hinaus.

Für andere Länder weltweit gelten diese Standards vielleicht nicht in dem Maße wie hierzulande. Insbesondere, wenn die Herkunft des Honigs Fragen aufwirft, sagt Bio-Imker Haefeker: "Das einzige Land, in dem die Produktion steigt, ist China, und damit beschäftigen wir uns weltweit, wo kommt dieser Honig her?"

Imker fürchten weiteres Bienensterben

Mehr zum Thema

Wegen des Bienensterbens bedroht: Imker mit Waben | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Bienensterben Bedrohte Honigsammlerinnen

Viele Imker begleitet, wenn sie im Frühjahr in ihre Bienenstöcke sehen, die Sorge: Wie viele Völker hat im vergangenen Winter das Bienensterben dahingerafft? Schuld sind Milben, Viren und auch der Mensch. [mehr]

Die gute Nachricht zuerst: Im vergangenen Winter hat sich die Sterblichkeit in deutschen Bienenvölkern mit 9,6 Prozent im grünen Bereich bewegt: "Das natürliche Mittel liegt bei zehn Prozent", sagt Petra Friedrich, Sprecherin des Deutschen Imkerbundes in Wachtberg-Villip bei Bonn. Im kommenden Winter jedoch, und das ist die schlechte Nachricht, dürfte die Rate wieder auf das Niveau der Vorjahre ansteigen: "Forscher warnen schon jetzt, dass die Verluste erneut sehr hoch ausfallen könnten", sagt Friedrich. Bienensterben ist kein neues Phänomen. Seit Anfang der 2000er-Jahre beobachten Wissenschaftler und Naturfreunde die Verluste mit wachsender Sorge. Weltweit sterben seit Jahren ganze Stämme von Bienen. Experten warnen, dass einzelne Arten bereits in zehn Jahren ausgestorben sein könnten. In Deutschland bereiten Imkern die Verluste durch Überwinterung und bestimmte Pflanzenschutzmittel die größten Sorgen.

Die Langzeitstudie "Bienen-Monitoring" hat ergeben, dass die Varroa-Milbe in Nordamerika und Europa der größte natürliche Feind der Biene ist. Andere Faktoren machen es der blutsaugende Milbe leicht. Wenn die Pollenversorgung mäßig ausfällt, leiden die Bienen an Eiweißmangel und haben dem Schädling weniger entgegenzusetzen. Außerdem wird die Nahrung für Bienen durch Veränderungen in der Landwirtschaft insgesamt knapper. "Mittlerweile genügt eine geringe Milbenbelastung, um ein Bienenvolk sterben zu lassen", sagt Petra Friedrich.

Hoffnung macht den Imkern, dass viele Menschen inzwischen für das Thema sensibilisiert sind. "Viele Berichte, gerade aus den USA, wo die Lage wesentlich dramatischer ist als in Europa, haben die Menschen aufgerüttelt", so die Einschätzung des Imkerbundes. Bundesweit steigen die Imkerzahlen wieder.

Bienen sind ein Wirtschaftsfaktor: Weltweit sorgen sie für eine Wertschöpfung von etwa 200 Milliarden Euro, hat das Labor für theoretische und angewandte Wirtschaft des wissenschaftlichen Forschungszentrums CNRS in Montpellier ermittelt. Es geht also auch um Arbeitsplätze.

Aber "nicht jeder muss Imker werden", sagt Friedrich, "jeder kann sich fragen, wie der eigene Garten oder die eigene Terrasse aussieht." Viele Menschen hätten nur noch einen kurzgemähten Rasen und pflegeleichte Pflanzen. Fischer empfiehlt dagegen etwas mehr Mut zum Wildwuchs oder blühende Kräuter. Das sei Nahrung für die Bienen.

Tipps: Bienenfreundlicher Garten

Fazit

Klick-Tipp

Fließender Honig | Bild: colourbox.com zum Artikel Heilender Honig Süßes aus Wald und Wiese

Seit Jahrtausenden versüßt Honig unser Leben, der "Nektar der Götter" erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Längst kann das heimische Angebot die Nachfrage nicht mehr bedienen. Hintergründe und Tipps zum flüssigen Gold. [mehr]

Für Bio-Honig gibt's Kriterien und anerkannte Standards. Wer Bio-Honig kauft, unterstützt indirekt auch die ökologisch kontrollierte Landwirtschaft. Aber für deutschen Honig gilt, sagt selbst Bio-Imker Walter Haefeker: "Der Abstand zwischen Bio-Produktion und konventioneller Produktion ist im Bereich der Imkerei nicht so groß, wie vielleicht in einigen Teilen der Landwirtschaft". Natürlich ist es wünschenswert, den regionalen Imker - ob bio oder nicht - zu bevorzugen, weil allein schon im Transport die positive CO2-Bilanz zu Buche schlägt.

Aber, wie gesagt, die Deutschen schmieren sich ein Vielfaches des in Deutschland produzierten Honigs auf Brot. Deshalb ist Honig aus fairem Handel ein Alternative für den Verbraucher, wenn er ein gutes Gefühl haben möchte. Nicht nur, weil damit garantiert ist, dass die Erzeuger auch tatsächlich ihre Produktionskosten decken können, sondern weil der Honig von dort auch mit Sorgfalt hergestellt wird. "Nach meiner Erfahrung", sagt Walter Haefeker, "und ich bin weltweit unterwegs, gibt's schon einen guten Grund, den Imkerkollegen in den anderen Ländern zu vertrauen."


28