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Windpocken und Gürtelrose: ein Virus - zwei Krankheiten | BR24

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Windpocken und Gürtelrose: ein Virus - zwei Krankheiten

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Windpocken und Gürtelrose: ein Virus - zwei Krankheiten

Windpocken ist eine - meist harmlose - hochansteckende Kinderkrankheit. Doch wer glaubt, danach immun zu sein, irrt. Das Virus hält eine Art Dornröschenschlaf. Aufgewacht macht es sich in einer schmerzhaften Gürtelrose bemerkbar.

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Windpocken sind eine hoch ansteckende Krankheit. Diesem Umstand hat die Krankheit auch ihren Namen zu verdanken: Die Viren vom Typ Varicella-Zoster verbreiten sich sozusagen mit dem "Wind". Die Ansteckung erfolgt über die Luft in Form von Tröpfchen oder über die virushaltige Flüssigkeit der Bläschen. Diese sind typischerweise sehr lästig, weil sie stark jucken, aber harmlos. Das Immunsystem hat die Kinderkrankheit meistens nach ein paar Tagen im Griff. Die Windpocken gehören zu den weltweit häufigsten Infektionskrankheiten. In Deutschland hat sich durch Impfungen die Anzahl der Erkrankungen deutlich reduziert. Waren es 2017 rund 22.000 Fälle in Deutschland, waren es vor der Einführung einer Impfung 750.000 Menschen.

Wie beginnen Windpocken?

Zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung beginnt die Krankheit mit Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Krankheitsgefühl. Es erscheinen hellrote Fleckchen vom Kopf beginnend überall auf dem Körper, die zu den charakteristischen wassergefüllten Bläschen auswachsen. Auch die Schleimhäute (Mund, Nase, Genitalien) können befallen sein. Nach einigen Tagen platzen die Bläschen auf und trocknen aus.

Wie ist der weitere Verlauf der Krankheit?

Für jüngere Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren sind die Windpocken meist harmlos. Schwerer verläuft die Krankheit bei Erwachsenen. Zu Komplikationen wie Mittelohr-, Leber-, Herzmuskel-, Gelenks- und Lungenentzündungen kann es bei älteren Menschen und Personen mit einem zum Beispiel durch Chemotherapie geschwächten Immunsystem kommen. Wer einmal Windpocken hatte, kann später an einer schmerzhaften Gürtelrose (Herpes zoster) erkranken. Herpes zoster kann auch bei Geimpften auftreten.

Für wen sind Windpocken gefährlich?

Gefährlich sind die Windpocken während einer Schwangerschaft: Zwischen der zwölften und 20. Schwangerschaftswoche kann es zu Schädigungen des Kindes kommen. Möglich sind Hirnschäden, Missbildungen, Augenschäden oder Tod im Mutterleib. Riskant sind Windpocken vier Tage vor bis zwei Tage nach der Entbindung. Steckt sich das Kind in dieser Zeit an, ist ein schwerer Windpockenverlauf möglich.

Wer sollte sich gegen Windpocken impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grundimmunisierung im Kleinkindalter. Außerdem sollten sich laut STIKO Frauen mit Kinderwunsch impfen lassen, die keine Antikörper gegen das Windpockenvirus besitzen. Desweiteren rät die STIKO allen Menschen zur Impfung, die ein geschwächtes Immunsystem haben und die Windpocken noch nicht hatten. Auch Personal im Gesundheitsbereich, das mit gefährdeten Menschen zu tun hat, sollte sich impfen lassen.

Wie sieht die Impfung gegen Windpocken aus?

Geimpft wird der abgeschwächte lebende Erreger. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Varizellenimpfung mit zwei Impfstoffdosen vorzugsweise im Alter von 11 bis 14 Monaten (1. Impfung) und 15 bis 23 Monaten (2. Impfung). Die Impfung kann auch zu jedem Zeitpunkt bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden, so das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Es hat die Daten zur Windpocken-Impfung von 2006 bis 2015 beobachtet: Nach den bisherigen Erfahrungen wird davon ausgegangen, dass die Impfung so zu lebenslanger Immunität führt. Aber es gibt auch Zweifler unter den Ärzten, die befürchten, dass eine Immunisierung nicht ein Leben lang hält und so ins Erwachsenenalter verschoben wird, was zu schwereren Verläufen führen könnte.

Wie verträglich ist die Impfung?

Die Verträglichkeit eines Impfstoffes ist abhängig davon, welche weiteren Komponenten der Impfstoff enthält. Mögliche, wenn auch seltene Nebenwirkungen der Varizellen-Impfung sind laut Ständiger Impfkommission (STIKO): Rötung, Schmerzen und Schwellung an der Einstichstelle. Gelegentlich auch in Verbindung mit leichter bis mäßiger Temperatur. Die "Impfkrankheit" mit leichtem Ausschlag und Fieber ist eine seltene Komplikation.

© colourbox.com, Montage: BR/Renate Windmeißer

Windpockenviren im Dornröschenschlaf

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Gürtelrose, die aus reaktivierten Viren der Windpockenerkrankung entsteht, ist überaus schmerzvoll und kann in schlimmen Fällen sogar zu chronischem Leiden führen. Gürtelrose-Impfung - für wen ist das sinnvoll, für wen nicht? Und zahlt die Kasse?

Windpockenviren im Dornröschenschlaf

Das Windpockenvirus versteckt sich nach der Erkrankung in den Nervensträngen und hält einen Dornröschenschlaf, oft über viele Jahrzehnte. Wenn es aufwacht, ist die Gürtelrose das schmerzhafte Ergebnis. Schützen kann man sich davor nicht. Das Virus bleibt lebenslang im Körper.

Wie kommt es zur Gürtelrose?

Stress im Beruf, Depressionen oder Schicksalsschläge, das alles kann zum Ausbruch der Gürtelrose führen. Dabei handelt es sich um eine Viruserkrankung, die im Allgemeinen nicht gefährlich, dafür aber äußerst schmerzhaft sein kann.

Risiko für Herpes zoster steigt mit dem Alter

Die Häufigkeit der Gürtelrose, die sich im medizinischen Fachjargon "Herpes zoster" nennt, steigt mit dem Alter. Typisch ist die Erkrankung nach dem fünfzigsten Lebensjahr - und es gibt kaum einen Menschen über achtzig Jahre, der nicht irgendwann in seinem Leben einen "Herpes zoster" durchgemacht hat. Diese Häufung im Alter hat ihren Grund, denn eine wesentliche Rolle spielt bei dieser Erkrankung das Immunsystem - und dessen Stärke lässt im Laufe der Jahre nach.

Nur wer Windpocken hatte, ist gefährdet

Ausgelöst wird die Gürtelrose auch durch die Windpockenviren. Und mit diesen Erregern steckt man sich meistens schon als Kind an. Auch wenn die Windpocken überstanden sind - abtöten kann das körpereigene Abwehrsystem die Viren nicht. Sie verstecken sich in bestimmten Nervenknoten und fallen in eine Art Schlummerschlaf (Latenz) - jedenfalls so lange, wie entsprechend geprägte Zellen des Immunsystems sie daran hindern, wieder aufzuwachen.

Und genau das geschieht, wenn im Alter (oder aus anderen Gründen) die körpereigene Abwehrkraft sinkt. Die "Wächter" werden müde, die Windpockenviren erwachen aus ihrer Latenz und beginnen, sich wieder zu vermehren. Typisch ist, dass diese Reaktivierung nur in einzelnen, meist sogar nur in einem einzigen Nervenknoten erfolgt. Danach breiten sich die Erreger aus - entlang der Nervenzellen, die aus dem entsprechenden Knoten "entspringen". Das verursacht schmerzhafte Bläschen im Hautgebiet, das von den betroffenen Nerven versorgt wird. Diese normalerweise scharf begrenzte Gruppe von Bläschen kann, vor allem, wenn sie am Rumpf auftritt, aussehen wie ein Gürtel. Das hat der Erkrankung ihren Namen gegeben.

Wichtig: Schnell und richtig behandeln

Das alles erinnert an die lästigen Lippenbläschen, an Herpes (labialis). Auch dieser quält viele Menschen, wenn ihr Immunsystem (kurzfristig) geschwächt ist - durch Stress oder beispielsweise durch eine Erkältung. Und in der Tat gehört der Erreger von Windpocken und damit der Gürtelrose zur Gruppe der Herpesviren. Und gegen die gibt es wirksame Medikamente, sogenannte Virustatika. Wichtig ist, so früh wie möglich nach Beginn der Erkrankung zu behandeln. Das verkürzt den Krankheitsverlauf, mildert die Symptome - und verhindert Komplikationen und Spätfolgen. Darum: Bei den ersten Anzeichen - etwa brennenden, gürtelförmigen Schmerzen oder Bläschen auf der Haut - zum Arzt gehen. Am besten zum Dermatologen.

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