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Schweizer Forscher haben drei Faktoren ausfindig gemacht, die erklären, warum sich Sport positiv auf Depressionen auswirken kann.

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    Wie sich Sport positiv auf Depressionen auswirkt

    Depressionen gehen häufig mit Lustlosigkeit einher. Dass Sport da helfen kann, ist schon länger bekannt. Bisher wusste man aber nicht, wie das zusammenhängt. Schweizer Forscher haben drei Faktoren ausfindig gemacht, die sich positiv auswirken können.

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    Von
    • Katrin Klaus

    Schätzungsweise 264 Millionen Menschen weltweit leiden an Depressionen. Die WHO stuft sie als einen der häufigsten Gründe für Einschränkungen im täglichen Leben ein. Es gibt verschiedenste Therapieansätze - Antidepressiva, Psychotherapie.

    30 Prozent der Depressiven helfen keine Antidepressiva

    Nach Aussage von Jean-Luc Martin, Neurowissenschaftler am Centre for Psychiatric Neurosciences (CNP) und der Universität in Lausanne, helfen bei etwa 30 Prozent der Betroffenen aber keine Antidepressiva. Gleichzeitig weiß man seit vielen Jahren, dass körperliche Bewegung wie Sport einen positiven Effekt auf Depressionen hat. Bisher konnte man aber nicht die molekularen Zusammenhänge dahinter erklären. Dem sind Martin und sein Team nun ein Stück näher gekommen.

    Laktat mit antidepressiver Wirkung

    In ihrer im Fachblatt “Molecular Psychiatry” veröffentlichten Studie erklären die Forscher, wie Laktat - ein Protein, das bei Bewegung im Körper produziert wird, besser bekannt als Milchsäure - im Zusammenspiel mit anderen Faktoren seine antidepressive Wirkung entfaltet. Laktat spielt eine entscheidende Rolle im Gehirn, denn es ernährt die Neuronen und fördert die Bildung neuer Neuronen und das Überleben bestehender Neuronen, die gerade bei Patienten, die an Depressionen leiden, aber auch bei gestressten Tieren, abnehmen. Laktat ist der Treibstoff unseres Gehirns. Lange dachte man, dass das nur Glukose wäre, aber Laktat ist eine hervorragende alternative oder sogar präferierte Energiequelle.

    Antriebslosigkeit durch Sport bekämpfen

    Für ihre Erkenntnisse haben die Neurowissenschaftler Mäuse untersucht, denen sie Laktat in solchen Dosen verabreicht haben, wie sie bei Bewegung und Sport entstehen würden. Eines der häufigsten Symptome von Depression ist die Antriebslosigkeit - Anhedonie genannt - die fehlende Lust, die Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden. Die Dinge, die einem vor der Depression noch Spaß bereitet haben, erscheinen nun völlig uninteressant, man kann sich nicht aufraffen. Milchsäure wirkt besonders gut gegen diese Lustlosigkeit. Und Milchsäure entsteht beim Sport.

    Bildung neuer Neuronen bei Depression beeinträchtigt

    Um die Auswirkungen zu verstehen, haben sich die Forscher die Region im Gehirn angeschaut, die beim Gedächtnis und bei Depression eine große Rolle spielt: den Hippocampus. Dabei legten sie den Fokus auf die adulte Neurogenese - das ist der Prozess bei Erwachsenen, bei dem aus neuralen Stammzellen neue Neuronen gebildet werden. Dieser Prozess wird bei depressiven Menschen beeinträchtigt. Bei den Untersuchungen an Mäusen fiel auf, dass dieser Prozess durch Laktat wieder in Gang gesetzt werden kann und gleichzeitig das depressive Verhalten reduzierte. Umgekehrt fiel auf, dass das Laktat ohne die Neurogenese auch seine antidepressive Kraft verlor. Beide müssen also eng miteinander verknüpft sein.

    Drei Faktoren im Zusammenspiel gegen Depression

    Den Forschern fiel noch ein dritter Faktor auf: NADH. Das ist ein Molekül, das bekannt für seine antioxidative Wirkung ist, uns also hilft, glücklicher und wacher zu sein, weil es wichtige Botenstoffe bildet. Es entsteht bei der Umsetzung von Laktat in Pyruvat, ein Zwischenprodukt verschiedener Stoffwechselwege. Die Neurowissenschaftler testeten zunächst, ob Pyruvat einen positiven Effekt auf die Neurogenese hat. Ohne Erfolg, weshalb der Schlüsselpunkt in der Überführung von Laktat zu Pyruvat liegen musste. Dabei stießen sie auf NADH.

    Zukünftig bessere Therapieansätze für Depressive

    NADH schützt die Neurogenese während depressiver Phasen. Dieser Mechanismus könnte erklären, warum Sport und körperliche Bewegung bei Depressionen helfen. Es ist ein Zusammenspiel aus dem Einfluss von Laktat, das beim Sport entsteht und der Neurogenese zur Bildung neuer Neuronen verhilft und durch NADH unterstützt wird. Als nächstes wollen die Forscher herausfinden, welche Proteine zusammen mit NADH agieren. Zusätzlich sollen weitere Experimente folgen.

    Nach dieser Studie wissen Forscher besser, was Depressionen positiv beeinflussen könnte und wie zukünftige Therapieansätze gestaltet werden müssen, um Betroffenen besser helfen zu können.

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