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Schon lange verbreiten Corona-Skeptiker das Narrativ, die Pandemie-Maßnahmen würden zu mehr Todesfällen führen als das Virus selbst.

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    Was steckt hinter der Übersterblichkeit im September?

    Im September 2021 sind laut Statistik zehn Prozent mehr Menschen gestorben als in den Vorjahren. Mit Corona ist das nicht zu erklären. Twitter-User spekulieren: Alles Impftote? Der #Faktenfuchs hat Forscher gefragt, was wirklich dahintersteckt.

    Von
    Julia LeyJulia Ley
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    Am 12. Oktober gibt das Statistische Bundesamt eine vorsichtig formulierte Pressemitteilung zu den vorläufigen Todeszahlen für den Monat September heraus. Im September seien 77.612 Menschen gestorben. Die Zahl liegt zehn Prozent über dem mittleren Wert (Median) der vorherigen vier Jahre (2017 bis 2020) für den Monat September. Der Median ist der Wert, der genau in der Mitte einer Zahlenreihe liegt. In absoluten Zahlen sind im September 7.247 mehr Menschen gestorben als im Median der vier vorangegangenen Jahre.

    Was das Statistische Bundesamt auch sagt: Die Übersterblichkeit im September lasse sich nicht allein durch die Corona-Todeszahlen erklären. Woran genau es liege, dass die Zahlen so viel höher sind als in den vergangenen Jahren, sei bisher nicht eindeutig zu sagen.

    Es ist ein klassischer Moment für Verschwörungstheorien und Desinformation. Denn diese entstehen oft dann, wenn es eine Wissenslücke gibt, die sich (noch) nicht eindeutig erklären lässt. Und auch diesmal lassen die Gerüchte und Fehlinformationen nicht lange auf sich warten: Auf Twitter verbreiten Nutzer Spekulationen, die gestiegenen Todesfälle seien womöglich auf die Corona-Impfungen zurückzuführen.

    "Ich finde das eine ziemliche Bombe!", twittert ein User in Bezug auf die Tatsache, dass Übersterblichkeit nicht durch Corona verursacht sei. Ein anderer kommentiert darunter: "Impfschäden die nicht gemeldet werden!!!" Ein anderer schreibt: "10% Mehrarbeit für Gevatter und Bestatter! (…) Was braut sich da zusammen?"

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    Bildrechte: Screenshots: BR

    Twitter-User spekulieren über mögliche Ursachen für die gestiegene Zahl der Todesfälle Anfang September.

    Das Narrativ ist nicht neu: AfD-Politiker und Querdenker warnen schon seit Monaten vor einer “verheerenden Anzahl an Corona-Impftoten”. Nun sehen sich manche offenbar durch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigt. Warum ein Zusammenhang mit der Impfung nicht plausibel ist und was Sterbeforscher tatsächlich für Gründe hinter dem Anstieg vermuten, klärt dieser #Faktenfuchs.

    Für einen Zusammenhang mit der Impfung gibt es keine Belege

    Es gibt keinerlei Belege dafür, dass der Anstieg bei den Sterbezahlen im September mit Todesfällen infolge der Corona-Impfung zu tun haben könnte, sagen übereinstimmend sowohl das Statistische Bundesamt als auch der Mortalitätsforscher Dmitri Jdanov vom Max-Planck-Institut (MPI) für Demografische Forschung in Rostock.

    In Deutschland informiert das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in seinem monatlichen Sicherheitsbericht über alle in Deutschland gemeldeten Todesfälle, die in zeitlichem Zusammenhang mit Corona-Impfungen aufgetreten sind. Der letzte Bericht enthält die Daten von insgesamt neun Monaten Impfkampagne, von Ende Dezember 2020 bis Ende September 2021. Im gesamten Zeitraum wurden laut PEI 1.802 Verdachtsfälle gemeldet, in denen Komplikationen nach einer Corona-Impfung einen tödlichen Ausgang genommen haben könnten. Zur Einordnung: Im selben Zeitraum wurden insgesamt 107.888.714 Impfdosen verabreicht.

    PEI: 48 Todesfälle durch Impfung wahrscheinlich oder möglich

    Aber Achtung: Die 1.802 Meldungen sind nur Verdachtsfälle, die dem PEI angezeigt wurden. Jeder kann einen solchen Verdacht per Online-Formular melden. In den allermeisten Fällen ist der Tod nicht sicher auf die Impfung zurückzuführen. Manchmal wird ein Zusammenhang von Angehörigen einfach deshalb vermutet, weil der Mensch kurz nach einer Impfung verstarb. Oft erschien nach einer Prüfung durch das PEI jedoch eine andere Ursache wahrscheinlicher. Seit Beginn der Impfkampagne geht das PEI bisher in nur 48 Fällen davon aus, dass es möglich oder wahrscheinlich ist, dass der Tod tatsächlich auf die Impfung zurückzuführen ist, wie eine Sprecherin des PEI dem #Faktenfuchs per Mail mitteilt. Bei 107.888.714 Impfdosen sind das 0,04 mögliche Todesfälle pro 100.000 Impfdosen.

    Im Monat September stieg die Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle auf Impfkomplikationen mit tödlichem Ausgang um 352 Meldungen, das lässt sich aus der Differenz der Sicherheitsberichte von Ende August und Ende September errechnen. Selbst wenn all diese Todesfälle tatsächlich durch die Impfung verursacht wären, würde diese Zahl also nicht annähernd die Übersterblichkeit von insgesamt 7.247 zusätzlichen Todesfällen im September erklären.

    Besonders überzeugte Impfgegner könnten nun womöglich erwidern, dass viele Impftote einfach nicht gemeldet würden. Selbst wenn man sich auf diese "Logik" einlässt (die einen koordinierten Betrug seitens all der Ärzte, die einen Totenschein ausgestellt haben, voraussetzt), ist die Erklärung nicht plausibel. Denn, wie Dmitri Jdanov erklärt: Dann müsste bereits seit kurz nach Beginn der Impfkampagne ein Anstieg bei den Sterbefallzahlen zu sehen sein, entsprechend dem Tempo, mit dem die Impfkampagne zugenommen hat.

    © BR, auf Grundlage einer Grafik des Statistischen Bundesamts
    Bildrechte: BR, auf Grundlage einer Grafik des Statistischen Bundesamts

    Die Grafik zeigt die wöchentliche Entwicklung der Sterbefallzahlen in 2021 im Vergleich zu den Vorjahren.

    Eben das passierte aber nicht: Zu Beginn des Jahres, als die dritte Corona-Welle wütete, starben noch deutlich mehr Menschen als im Median der Vorjahre. Die obere rote Linie (Sterbefallzahlen 2021) liegt in der Grafik deutlich über der blauen (2017-2020 Median). Mitte Februar (KW 6) treffen sich die Linien, im Februar und März 2021 starben dann sogar weniger Menschen als im Median der Vorjahre. Ab April gibt es dann wieder eine leichte phasenweise Übersterblichkeit. Im Juni gab es einen kurzzeitigen deutlichen Anstieg; das Bundesamt für Statistik vermutet einen Zusammenhang mit der Hitzewelle.

    Dass die gestiegenen Sterbefallzahlen im September auf tödliche Langzeitfolgen der Impfung zurückgehen, ist auch aus medizinischer Sicht ohnehin ausgeschlossen: "Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten", sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. In der Wissenschaft sei man sich einig, dass spät auftretende Nebenwirkungen nach einer Impfung "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität bei einzelnen Impfstoffen" seien, sagte Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) dem BR.

    Zudem würden diese tödlichen Langzeitfolgen nicht plötzlich gehäuft auftreten und danach wieder abnehmen – wie es im September 2021 der Fall war. Denn der Anstieg im September ist vor allem auf einen vergleichsweise starken Anstieg in der zweiten und dritten Septemberwoche (KE 36/37) um 15 bzw. zehn Prozent zurückzuführen. Seither liegt die Übersterblichkeit wieder auf niedrigerem Niveau.

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    Bildrechte: Grafik: BR

    Die Tabelle zeigt die Übersterblichkeit im September 2021 im Vergleich zum Median der Vorjahre.

    Sterbeforscher vermuten eine Mischung aus verschiedenen Faktoren

    Doch woran könnte es dann liegen, dass die Zahlen Anfang September plötzlich in die Höhe schnellten? Eindeutig beantworten lässt sich diese Frage derzeit nicht. Das liegt vor allem daran, dass noch keine genauen Daten vorliegen, wie Felix zur Nieden, Demographie-Experte beim Bundesamt für Statistik, dem #Faktenfuchs erklärte.

    Denn bisher gibt es nur die vorläufige Gesamtzahl der Verstorbenen für die Wochen und Monate des Jahres 2021. Diese Zahlen sind bisher jedoch nicht nach Todesursache aufgeschlüsselt. Die offizielle Todesursache geht aus dem Totenschein hervor, den ein Arzt bei der Leichenschau ausfüllt. Doch bis all diese Totenscheine aggregiert, geprüft und ausgewertet sind, kann es noch eine ganze Weile dauern. Final wird die Auswertung wahrscheinlich erst im August 2022 zur Verfügung stehen, so zur Nieden.

    Dennoch haben Mortalitätsforscher Theorien dazu, was möglicherweise passiert sein könnte. Dmitri Jdanov und Felix zur Nieden vermuten, dass eine Kombination verschiedener Faktoren für den Anstieg verantwortlich ist. All diese hypothetischen Effekte erklärten "vermutlich zusammen in unterschiedlichen Anteilen die Entwicklung, die wir seit Anfang September sehen. Welcher Effekt wann wie stark ist, lässt sich kaum beurteilen. Im Saisonverlauf der Sterbefallzahlen gibt es in der Regel einen leichten Anstieg ab September, der in diesem Jahr anscheinend deutlicher ausgeprägt ist als in den Vorjahren", so zur Nieden in einer E-Mail an den BR24 #Faktenfuchs.

    Jedes Jahr sterben etwas mehr Menschen als im Vorjahr – weil die Bevölkerung altert

    Ein Effekt, der sich beobachten lässt: Die Sterbefallzahlen steigen in Deutschland jedes Jahr leicht an – weil die Bevölkerung immer älter wird. Das mag zunächst verwundern, schließlich zeichnen sich Menschen, die immer älter werden, erst einmal dadurch aus, dass sie eben nicht sterben. "Hier gibt es zwei Effekte, die in entgegengesetzte Richtung wirken", sagt der Demographie-Experte Felix zur Nieden vom Bundesamt für Statistik. Zum einen leben Menschen immer länger, zum anderen wird der Anteil der Alten in der Gesellschaft immer größer – und deren Risiko zu sterben, ist größer als das von Jüngeren. "Wie sich das auswirkt, schwankt von Jahr zu Jahr. Aber zuletzt war der zweite Effekt meist etwas stärker als der erste", sagt zur Nieden.

    Könnte Long Covid eine Ursache sein?

    Eine weitere mögliche Erklärung für den Anstieg, vermutet Dmitri Jdanov vom MPI, könnte sein, dass die Spätfolgen der Pandemie sich erst jetzt in der Sterbestatistik niederschlagen: So sei denkbar, dass Menschen, die an Covid-19 erkrankt aber nicht verstorben sind, nun an den Langzeitfolgen der Erkrankung sterben.

    Das Robert Koch-Institut bezeichnet mit Long Covid allgemein "Anzeichen und Symptome, die sich während oder nach einer COVID-19-Erkrankung entwickeln, längere Zeit anhalten und nicht durch eine anhaltende Infektion (PCR nachgewiesen) oder alternative Diagnose erklärt sind". Was genau alles unter Long Covid fällt, wie lange es anhält und wie viele Menschen daran sterben, ist bisher noch unzureichend erforscht.

    Eine chinesische Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift "The Lancet" im August veröffentlicht wurden und die als eine der breitesten zu dem Thema gilt, kam zu dem Ergebnis, dass Atemnot, ein Druckgefühl auf dem Brustkorb und das sogenannte "Fatigue-Syndrom", eine Art chronische Erschöpfung im Alltag, zu den häufigsten Symptomen bei Long-Covid-Patienten gehören, die zuvor wegen einer Covid-19-Infektion im Krankenhaus behandelt worden sind. Das RKI nennt aber auch noch gefährlichere körperliche Leiden als Spätfolgen. So seien etwa "neu aufgetretene Nieren- und Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus) sowie das Auftreten von Thromboembolien" beobachtet worden.

    Insbesondere bei älteren oder vorerkrankten Patienten, die eine Covid-19-Infektion überlebt haben, ist also denkbar, dass sie erst jetzt an den Folgen der Infektion sterben – womöglich sogar ohne, dass dies direkt mit der Covid-19-Infektion in Verbindung gebracht wird. Das ist denkbar, wenn der Arzt oder die Ärztin eine Thromboembolie bei der Leichenschau nicht mehr auf eine Covid-19-Infektion zurückführt.

    Auch die Pandemie-Maßnahmen könnten zur Übersterblichkeit beigetragen haben

    Denkbar ist zudem, dass die Übersterblichkeit auch darauf zurückzuführen ist, dass wichtige Vorsorgeuntersuchungen und Operationen aufgrund der Corona-Maßnahmen oder aus Angst vor Ansteckung aufgeschoben wurden oder ganz ausgefallen sind. Das könnte zu einer allgemeinen Verschlechterung des Gesundheitszustandes geführt haben, an dem womöglich auch jetzt noch Menschen sterben, sagen die Experte für Sterbefallzahlen, Dmitri Jdanov vom MPI in Rostock und Felix zur Nieden vom Bundesamt für Statistik. Aber auch mangelnde Bewegung und soziale Isolation in der Pandemie könnten bestehende Erkrankungen verschlechtert haben.

    "Mortality Displacement" – wenn Todesfälle sich verschieben

    Der Demographie-Experte zur Nieden hält es außerdem für möglich, dass der plötzliche Anstieg auf einen anderen Effekt zurückzuführen ist: das sogenannte "mortality displacement". Sterbeforscher bezeichnen damit die Tatsache, dass Sterbewellen sich über den Jahresverlauf aus verschiedenen Gründen verschieben können – etwa, wenn im Frühjahr eines Jahres eine besonders schwere Grippewelle auftritt. Diese sorgt dann dafür, dass die Alten und Kranken der Gesellschaft womöglich schon früher sterben als sie es sonst täten. Dafür sterben dann zu einem späteren Zeitpunkt weniger Menschen als in früheren Jahren üblich, in denen es keine solche starke Grippewelle gab.

    Während der Coronapandemie sei auch der normale Saisonverlauf der Sterbefallzahlen durcheinandergeraten, so zur Nieden: "Beispielsweise ist die Grippewelle in den ersten Monaten des Jahres durch die Maßnahmen und Verhaltensänderungen nahezu komplett ausgefallen." Im Februar und im März 2021 seien infolgedessen deutlich weniger Menschen gestorben als in den Jahren zuvor.

    Es bestehe die Möglichkeit, dass alte oder vorerkrankte Menschen, die sonst schon im Frühjahr gestorben wären, nun gehäuft an leichten Infektionen sterben. Denn anders als das SARS-CoV-2-Virus, mit dem sich – aufgrund der Maßnahmen – insgesamt nur eine vergleichsweise kleine Gruppe von Menschen in Deutschland angesteckt hat, treffen Erkältungsviren im Verlauf des Herbst und Winters fast die gesamte Bevölkerung. Tatsächlich zeigen auch die wöchentlichen GrippeWeb-Berichte des RKI, dass die Zahl der Atemwegs- und grippeähnlichen Erkrankungen schon seit Anfang August allmählich wieder ansteigt.

    Ein europaweiter Anstieg

    Der Anstieg bei den Sterbefallzahlen im September war auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten. Das Projekt EuroMOMO – kurz für "European mortality monitoring" – überwacht und informiert fortlaufend über die Übersterblichkeit in großen Teilen Europas. Ihm sind derzeit 23 europäische Staaten, die vier Landesteile des Vereinigten Königreiches sowie die zwei deutschen Bundesländer Berlin und Hessen, die WHO und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) angegliedert.

    Auch bei EuroMOMO könne man derzeit über die Gründe für den europaweiten Anstieg nur spekulieren, schreibt Lasse Skafte Vestergaard, einer der Projektmitarbeiter, auf Anfrage des #Faktenfuchs. Bei EuroMOMO gehe man davon aus, dass es womöglich mit einem Anstieg der Corona-Infektionen in den jüngeren Altersgruppen zusammenhänge, die oft noch ungeimpft seien. Die Ausbreitung der Delta-Variante und die Aufhebung der Lockdown-Maßnahmen in vielen Ländern – in Verbindung mit der kälter werdenden Jahreszeit – führten außerdem dazu, dass die Infektionen seit September wieder stiegen. Es sei also möglich, dass die zusätzlichen Todesfälle vor allem unter den jetzt noch ungeimpften Covid-19-Erkrankten auftreten würden.

    Zumindest für Deutschland dürfte diese Erklärung aber nicht zutreffen. Denn wie das Bundesamt für Statistik bereits erklärt hat: Mit den Covid-19-Todesfallzahlen im September allein lässt sich der Anstieg nicht erklären. Und so bleibt es für den Moment bei Spekulationen.

    Letztlich sei auch eine ganz andere Ursache als die Genannten nicht auszuschließen, sagt Felix zur Nieden. Eine finale Auflösung wird es womöglich erst geben, wenn die Todesursachenstatistik für 2021 vorliegt, in der alle Totenscheine ausgewertet wurden. Vorläufig wird diese wahrscheinlich Anfang 2022 vorliegen. Final erst im August des nächsten Jahres.

    Fazit: Im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 2017 bis 2020 sind die Sterbefallzahlen im September dieses Jahres deutlich angestiegen. Der Anstieg ist auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten. Einige Twitter-User vermuten dahinter Fälle, in denen Menschen an den Nebenwirkungen der Impfung sterben. Doch dafür gebe es keinerlei Belege, sagen Sterbeforscher. Das PEI geht bisher in 48 Fällen davon aus, dass es möglich oder wahrscheinlich ist, dass Menschen in Deutschland an einer Corona-Impfung gestorben sind – im ganzen Zeitraum von Ende Dezember 2020 bis Ende August 2021. Das sind 0,047 mögliche Todesfälle pro 100.000 Impfdosen.

    Woran genau der Anstieg im September liegt, können Sterbeforscher derzeit nicht sagen. Covid-19-Tote können nur einen Teil des Anstiegs erklären. Für wahrscheinlich halten Forscher eine Mischung verschiedener Faktoren: Zum einen steigen die Sterbefallzahlen jedes Jahr aufgrund der alternden Gesellschaft ein wenig an. Zudem ist möglich, dass ältere und vorbelastete Menschen, die eine akute Covid-19-Infektion überlebt haben, jetzt an den Spätfolgen der Erkrankung sterben. Auch, dass Todesfälle sich aufgrund der Pandemie-Maßnahmen verschoben haben, ist denkbar. So ist etwa die Grippewelle 2020/21 fast gänzlich ausgefallen. Ältere oder vorerkrankte Menschen, die sonst möglicherweise schon im Frühjahr gestorben wären, sterben daher womöglich erst jetzt infolge eines Infekts. Aber auch eine noch gänzlich unbekannte Ursache ist denkbar. Darauf deutet hin, dass die Zahlen auch in anderen europäischen Ländern im selben Zeitraum vergleichsweise plötzlich angestiegen sind. Genauer wird sich das erst beantworten lassen, wenn das Bundesamt für Statistik im Frühjahr 2022 die Sterbeursachenstatistik für 2021 vorlegt.

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